EXKLUSIV

Vermittlermarkt 2030: Strukturbruch oder Aufbruch?

Thomas Dudkiewicz (li.) und Jürgen Dörendahl sind Geschäftsführende Gesellschafter der Le Group Bleu
Foto: le groupe bleu
Thomas Dudkiewicz (li.) und Jürgen Dörendahl: „Human Ressources sind zum strategischen Erfolgsfaktor für Künstliche Intelligenz und Plattformen geworden, nicht umgekehrt.“

Der Arbeitsmarkt für Versicherungsmakler und -vermittler steht vor einer existenziellen Bewährungsprobe: Die Branche ist zu alt, zu kleinteilig und in der Breite (noch) nicht aufgestellt für viele zukünftige Herausforderungen. Gerade deshalb ist es jetzt Zeit, den Schalter umzulegen und neue Wege in der Personalrekrutierung zu gehen. Von Jürgen Dörendahl und Thomas Dudkiewicz

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Versicherungsvermittler bewegt sich seit Jahren in dieselbe Richtung: ein kontinuierlicher personeller Sinkflug: Die Zahl der hauptberuflichen Vermittler sinkt laut aktueller BVK-Strukturanalyse weiter. Insgesamt waren Ende Oktober 2025 noch rund 180.000 Versicherungsvermittler und -berater registriert, rund 60.000 weniger als 2014. Zugleich zeigt eine Auswertung Anfang 2026, dass die Maklerschaft weiter leicht wächst – der unabhängige Vertrieb geht aus dem Strukturwandel der Branche zumindest auf den ersten Blick gestärkt hervor.

Doch dieser Befund darf über die großen strukturellen Trends nicht täuschen: Die demografische Entwicklung spitzt die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter zu: Mehr als ein Drittel der Vermittler ist über 55 Jahre alt, eine personelle Verjüngung findet faktisch nicht statt. Damit verknappen sich Beratungsressourcen im Markt, und das obwohl Regulierung, Produktkomplexität und Kundenanforderungen zunehmen. Der Arbeitsmarkt für Versicherungsmakler und -vermittler wandelt sich zu einem strategischen Engpass, der das Geschäftsmodell vieler Vermittler und vor allem für Pools und Verbünde vor eine harte Bewährungsprobe stellt.

Konsolidierung ist nicht genug

Der Fachkräftemangel im Maklermarkt ist kein vorübergehendes Rekrutierungsproblem, sondern das Symptom eines tiefgreifenden Strukturwandels. Eine im Vergleich überalterte Berufsgruppe trifft auf eine Generation, die unternehmerisches Risiko, persönliche Haftung und Regulierung zunehmend meidet. Während der Druck für Bestandsübergaben steigt, fehlen geeignete Nachfolger. Übergaben scheitern immer häufiger nicht am Preis, sondern an den personellen Perspektiven.

Was zurückbleibt, ist ein Recruiting-Vakuum, das durch klassische Nachwuchsprogramme kaum noch zu füllen ist. Am stärksten zugespitzt ist die Lage jedoch bei Maklerunternehmen, Pools und Verbünden. Hier fehlt es nicht an Bewerbungen, sondern an Kandidaten mit den passenden Kompetenzprofilen. Gesucht werden häufig Spezialisten – im Gewerbe- und Industriegeschäft, im Innendienst, im Underwriting – und Führungspersönlichkeiten.

Seite 2: Wo sich die Top-Leute bewerben

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

1 2Startseite
Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen