Einen Tag vor der ersten Lesung des Frühstartrentengesetzes im Bundestag mahnt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) Nachbesserungen am Regierungsentwurf an. Die Denkfabrik unterstützt zwar das Ziel, junge Menschen früh an den Kapitalmarkt heranzuführen. Bei der konkreten Ausgestaltung des Frühstartrentengesetzes sieht sie jedoch weiterhin erheblichen Verbesserungsbedarf. Das gilt vor allem für die Beschränkung auf sogenannte Standarddepots und für das geplante Verbot von Vertriebskosten.
Schon in seiner Reaktion auf den Referentenentwurf hatte das 1997 gegründete Institut dieses Anliegen befürwortet und vergleichbare Kritik geäußert. „Wer die Aktienkultur in Deutschland stärken will, sollte jungen Menschen und ihren Familien echte Erfahrungen mit Kapitalmarktentscheidungen ermöglichen. Zu viele Einschränkungen laufen diesem Ziel im Regierungsentwurf noch entgegen“, erklärt Dr. Peter Schwark, Sprecher des DIA.
DIA-Forderungen im Überblick
Zur geplanten Altersvorsorge-Reform, die im Frühstartrentengesetz geregelt ist, macht das DIA vier zentrale Kritikpunkte deutlich:
| Kritikpunkt | Position des DIA | Regelung im Entwurf |
|---|---|---|
| Depotwahl | Zusätzlich individuelle Altersvorsorgedepots zulassen | Nur Standarddepots vorgesehen |
| Vertriebskosten | Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten überdenken | Verbot im Entwurf enthalten |
| Auffanglösung | Offenes, wettbewerbliches Ausschreibungsverfahren | Bundesbank als alleiniger Anbieter vorgesehen |
| Anlagestrategie der Bundesbank-Lösung | Begrüßt die Streichung der reinen Aktienquote | 100-Prozent-Aktienquote wurde aus dem Entwurf gestrichen |
Standarddepots versus individuelle Wahlfreiheit
Der Regierungsentwurf sieht für die Frühstartrente bislang ausschließlich sogenannte Standarddepots vor. Damit ist die Zusammensetzung der Fonds bereits festgelegt, sodass für individuelle Anlageentscheidungen kaum Raum bleibt. Nach Einschätzung des DIA verfehlt der Entwurf dadurch sein eigentliches Ziel, die finanzielle Bildung junger Menschen zu stärken. Das Institut fordert deshalb, zusätzlich individuelle Altersvorsorgedepots zuzulassen. So könnten Familien und Jugendliche verschiedene Anlagestrategien ausprobieren und dabei praxisnah lernen, wie Rendite, Risiko und der langfristige Aufbau von Vermögen zusammenhängen.
Verbot von Vertriebskosten: DIA warnt vor Beratungslücke
Das DIA hält außerdem an seiner Forderung fest, das im Frühstartrentengesetz vorgesehene Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten zu überdenken. Bei den zu erwartenden kleinen Vertragsvolumina erschwere es die Regelung, Beratung wirtschaftlich anzubieten. Dadurch könnten sich kaum Anbieter aktiv im Markt engagieren. Familien blieben dann ohne individuelle Beratung.
„Gerade Haushalte mit geringer Finanzbildung benötigen häufig persönliche Beratung und einen Anstoßgeber. Wer Beratung wirtschaftlich erschwert, riskiert eine geringe Beteiligung und wenig Wettbewerb“, betont Schwark. Er warnt zudem, am Ende entstünden nur Bürokratiekosten ohne erkennbare Effekte für die finanzielle Bildung.
Bundesbank als Auffanglösung im Frühstartrentengesetz: DIA fordert Wettbewerb
Für Sparer, die sich nicht aktiv für ein Altersvorsorgedepot entscheiden, soll eine staatliche Auffanglösung greifen. Der Regierungsentwurf legt dafür bislang einseitig die Bundesbank fest. Das DIA fordert stattdessen ein offenes und transparentes Auswahlverfahren, bei dem sich ebenso private Anbieter bewerben können.
Begrüßenswert findet das DIA dagegen, dass der Plan einer ausschließlichen Bundesbank-Anlage in Aktien und Aktienfonds aus dem Referentenentwurf entfernt wurde. Das Institut hatte davor gewarnt, passive Teilnehmer ohne eigene Anlageentscheidung auf eine Aktienquote von 100 Prozent festzulegen. Die Bundesbank solle die privaten Anbieter im Wettbewerb nicht ersetzen. Vielmehr solle sie das Kapital nach den Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität anlegen, bis es in ein privates Altersvorsorgeprodukt zur Sicherung des Rentenziels eingezahlt wird, wie es auch im Kontext der Diskussion um Rentenbeiträge für pflegende Angehörige immer wieder betont wird.














