Gold: Ölpreis und US-Renditen setzen Edelmetalle unter Spannung

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Steigende US-Renditen und der Ölpreisanstieg prägen zur Zeit die Entwicklung der Edelmetalle Gold und Silber.

Der Konflikt im Mittleren Osten und steigende US-Renditen sorgen für hohe Schwankungen am Edelmetallmarkt. Während Gold kurzfristig von geopolitischen Risiken profitiert, wächst gleichzeitig der Druck durch höhere Zinsen. Entscheidend bleibt nun die Entwicklung am Ölmarkt.

Zu Wochenbeginn fiel der Goldpreis am Montag auf 4.500 US-Dollar, nachdem es zu einer erneuten Eskalation im Mittleren Osten gekommen war und Rohöl WTI auf rund 111 US-Dollar je Fass angestiegen war. Die USA hatten am 4. Mai mit der Operation Project Freedom begonnen, zivile Handelsschiffe militärisch durch die Straße von Hormus zu eskortieren, woraufhin der Iran gleichzeitig die Vereinigten Arabischen Emirate angriff und die einzige Hormus-Umgehungsroute (ADCOP-Pipeline in Fujairah) ins Visier nahm.


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Seit Dienstag kehrt jedoch die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Waffenstillstands und eine Lösung des Konflikts zurück. Trump pausierte das „Project Freedom“ nach nur zwei Tagen und begründete dies mit „großen Fortschritten“ bei den Verhandlungen mit dem Iran. Regionale Quellen interpretierten die Pause als bewusste vertrauensbildende Maßnahme gegenüber Teheran. Die US-Blockade iranischer Häfen bleibt jedoch ausdrücklich in Kraft und eine offizielle Reaktion aus Teheran steht bisher aus. Aufgrund dieser Deeskalationshoffnung fiel der Rohölpreis auf unter 100 US-Dollar, während sich der Goldpreis, insbesondere in der vergangenen Nacht, deutlich auf 4.680 US-Dollar je Feinunze erholen konnte. Auch der Silberpreis erholte sich spürbar von seinem Tief zum Wochenbeginn bei 72,70 US-Dollar und stieg bis Mittwochvormittag auf über 76 US-Dollar an.

Gleichzeitig kletterten die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen in dieser Woche auf über 5 % an, den höchsten Stand seit Mai 2025. Sie liegen damit bereits 139 Basispunkte über dem aktuellen Fed Funds Rate von 3,64 %.

Die jährlichen Zinskosten des US-Bundeshaushalts haben damit die Marke von 1,2 Billionen US-Dollar überschritten. Jedes Mal, wenn diese Linie in der Geschichte gebrochen wurde (Japan 1989, USA 1999, China 2007), endete ein Bullenmarkt in Risk-Assets. Auch die 30-jährigen Hypothekenzinsen stiegen auf 6,52 %. Diese Zinsanstiege erzwingen eine Bereinigung von Fehlallokationen in den Volkswirtschaften, die in Rezessionen, Aktienbärenmärkten und sogar Crashs enden können.

Mit dem designierten Fed-Chef Kevin Warsh, der ab dem 15. Mai das Ruder übernehmen wird und einen aktiven Abbau der Fed-Bilanz von über sechs Billionen US-Dollar anstrebt, dürfte der Aufwärtsdruck bei den langen Zinsen strukturell anhalten, selbst wenn die Fed die kurzfristigen Zinsen senken sollte. Zinsanlagen treten damit zunehmend in Konkurrenz zum Goldpreis, während sich der Aufwärtsdruck bei langfristigen Zinsen weltweit verstärkt und die Volkswirtschaften belastet, was die Rallye an den Aktienmärkten infrage stellt.

Diese Entwicklung würde mittelfristig vor allem die primär industriell genutzten, zyklischen Edelmetalle Platin und Palladium belasten, jedoch auch den Silberpreis. Bei steigenden langfristigen Renditen und einer neuerlichen Korrektur an den Aktienmärkten würden auch die Goldminen womöglich ihre Korrektur ausweiten. Die kurz- bis mittelfristige Entwicklung an den Märkten hängt jedoch primär von der Entwicklung des Rohölpreises und dem Konflikt im Mittleren Osten ab. Je länger der Krieg andauert und je höher der Rohölpreis ansteigt, desto mehr belastet dies die Volkswirtschaften und die Edelmetallpreise.

Die ETF-Bestände an Gold sind seit Beginn der Feindseligkeiten am Persischen Golf um mehr als 2,2 % gesunken, während die Spekulanten an der COMEX ihre Long-Positionierung nicht reduziert haben. Derzeit konzentriert sich der Goldmarkt weniger auf das anhaltende geopolitische Risiko als vielmehr auf die steigenden Renditen von US-Staatsanleihen. Einige der Narrative, die die historische Rallye am Goldmarkt zum Ende des letzten Jahres getrieben hatten, wie beispielsweise sinkende Zinsen bei einer gleichzeitig lockereren Geldpolitik mit einer Ausweitung der Notenbankbilanz, Stress an den Terminbörsen oder ein Silber-Angebots-Squeeze aufgrund physischer Knappheit, haben sich nicht bewahrheitet oder ins Gegenteil verkehrt, weshalb für viele Investoren das geänderte Umfeld der Anlass für Gewinnmitnahmen war.

FOMC Meeting

Die US-Notenbank beließ die Zinsen letzte Woche bei der letzten Sitzung von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender unverändert bei 3,5 % bis 3,75 %, wobei die Formulierung angepasst wurde und die Inflation aufgrund steigender globaler Energiepreise nun als „erhöht“ statt als „etwas erhöht“ bezeichnet wird. Die wachsende Besorgnis über Preissteigerungen spiegelte sich in der höchsten Zahl an Gegenstimmen zu diesem Beschluss seit 1992 wider.

Fed-Chef Powell gab bekannt, dass er für die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit bis 2028 als Gouverneur der Fed im Amt bleiben werde. Trump hatte wiederholt angedeutet, dass er eine Senkung der Zinsen wünscht, wogegen Powell die Unabhängigkeit der Fed als entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Existenz der Zentralbank sieht und mit seinem Verbleib im Vorstand diese Unabhängigkeit schützen wolle. Gleichzeitig betont er, dass er nicht die Absicht habe, den neuen Fed-Vorsitzenden zu untergraben oder in dessen Rolle einzugreifen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh wird in den kommenden Tagen als neuer Fed-Vorsitzender bestätigt werden und sein Amt am 15. Mai antreten, wobei sich seine Vorstellungen von der Geldpolitik und der Rolle der Zentralbank deutlich von denen seines Vorgängers Powell unterscheiden. Er hat in vielen Bereichen einen „Regimewechsel“ gefordert.

QT anstatt QE würde die Märkte belasten

In dem Bestreben, die „reichlichen Reserven“ im Bankensystem aufrechtzuerhalten, hatte die Fed unter Powell zuletzt wieder monatlich Staatsanleihen im Wert von rund 45 Milliarden US-Dollar aufgekauft, wodurch deren Wertpapierbestand von rund 6,5 Billionen auf 6,7 Billionen US-Dollar anstieg. Diese neuerliche quantitative Lockerung sowie die Hoffnung auf sinkende Zinsen gaben dem Goldmarkt in diesem Jahr definitiv zusätzlichen Rückenwind.

Die Hoffnung auf Zinssenkungen hatte der Markt bereits ausgepreist, doch nun könnte sich unter Kevin Warsh auch die Geldpolitik fundamental ändern. Anstatt die Geldmenge weiter aufzublähen, will er die Notenbankbilanz aggressiv reduzieren, damit die Zinsen am langen Ende erhöhen, um sie am kurzen Ende senken zu können. Darin sieht er ein wirksameres Mittel zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Erfüllung des doppelten Mandats der Fed, nämlich Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Sein Kritikpunkt, wonach die lockere Geldpolitik primär Investoren durch die Aufblähung der Preise für Risikoanlagen unverhältnismäßig zugutekäme, wogegen jene ohne Ersparnisse darunter leiden würden, wird aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie unterstützt. 2011 schied Warsh aus dem Vorstand der Federal Reserve aus, da er die QE-Programme nach der großen Finanzkrise von 2008 vehement ablehnte. Er hat richtig erkannt, dass eine lockere Geldpolitik weder der Realwirtschaft noch der Mehrheit der amerikanischen Verbraucher, die keine nennenswerten Bestände an Aktien, Immobilien oder Anleihen halten, kaum hilft. Aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie kann man diese Pläne von Warsh nur unterstützen.

Weiterhin möchte Warsh die Praktik der Forward Guidance beenden und plant, den Dot Plot, der 2012 unter Bernanke eingeführt wurde, abzuschaffen und weitaus weniger Pressekonferenzen abzuhalten als Powell. Er ist der Ansicht, dass die bisherige Vorgehensweise die Fed auf einen bestimmten Ausblick festlegt und die Reaktionszeit verlangsamt. Er würde es vorziehen, bei Bedarf auch zwischen den Sitzungen geldpolitische Entscheidungen treffen zu können und proaktiver auf Echtzeitdaten zu reagieren.

Unter dem Vorsitz von Powell hat sich die Fed durch ihren vierteljährlichen „Dot Plot“, der die Zinsprognosen der einzelnen Mitglieder widerspiegelt, als äußerst transparent erwiesen. Powell hat zudem regelmäßig Pressekonferenzen abgehalten, um die Mechanismen der Entscheidungsfindung bei der Fed sowie die Bedeutung aktueller hochfrequenter Wirtschaftsdaten und Ereignisse zu erörtern. Powell ist der Ansicht, dass diese Formen der Forward Guidance dazu beitragen, die Inflationserwartungen zu stabilisieren. Kevin Warsh sieht das anders.

UAE Swap-Linie stärkt den Dollar und ist dennoch bullisch für Gold

Parallel zu den militärischen Entwicklungen im Persischen Golf verhandeln die Vereinigten Arabischen Emirate mit Washington aktuell über eine Währungsswap-Linie und es ist entscheidend, genau hinzuschauen, um welche Art es sich handelt. Abu Dhabi will keine Treasury-Swap-Linie, also kein temporäres Krisenrettungsinstrument, wie es Washington zuletzt mit Schwellenländern vereinbart hat. Die VAE wollen eine Fed-Swap-Linie, also eine permanente Dollar-Versicherungspolice, wie sie bislang nur dem engsten Kern der globalen Finanzarchitektur – Großbritannien, Japan, Kanada, der Eurozone und der Schweiz – vorbehalten ist.

Abu Dhabi bindet sich dauerhaft ins Dollarsystem ein und es gäbe kein Abdriften Richtung Yuan-Settlement, kein Experiment mit BRICS-Zahlungsarchitektur, kein Aufweichen des Dirham-Pegs. Für Washington ist das Geschäft attraktiv, denn man könnte die Dollarhegemonie in einer Region unter iranischem Beschuss einfach verankern. Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass der UAE-Austritt aus der OPEC ein Teil desselben Verhandlungspakets war, dann war dieser Schritt kein nationaler Alleingang, sondern ein abgestimmtes geopolitisches Manöver mit dem Dollar als Anker.

Aus Sicht der Österreichischen Schule muss man jedoch anmerken, dass ein gesundes Geldsystem keine Versicherungspolicen braucht. Gold braucht keine Swap-Linie. Eine Ware mit intrinsischem Wert, die seit Jahrtausenden als Tauschmittel dient, braucht kein Netz aus bilateralen Absicherungsverträgen, keine Zentralbankbürokratie, keine politischen Gegenleistungen. Die Tatsache, dass immer mehr Länder permanente Dollar-Versicherungen benötigen, ist kein Beweis für die langfristige Stärke des Dollars, sondern für die strukturelle Fragilität eines Fiat-Systems, das auf Vertrauen aufgebaut ist und eben dieses Vertrauen in Krisenzeiten nicht aus sich selbst heraus erzeugen kann.

Die VAE sichern sich nicht gegen einen externen Schock ab, sondern gegen die inhärente Instabilität des Systems selbst, in das sie eingebunden sind. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern vielmehr Krisenmanagement, was wiederum ein Eingeständnis ist, dass das zugrunde liegende System unter Stress steht.

Für Gold ergibt sich daraus eine auf den ersten Blick widersprüchliche, bei näherer Betrachtung aber völlig logische Schlussfolgerung: Die Swap-Linie selbst ist kurzfristig ein leichter Gegenwind für den Goldpreis, da mehr strukturelle Dollarnachfrage die Petrodollar-Architektur festigt. Der Grund, warum man diese Linie überhaupt braucht, ist hingegen tiefgreifend bullisch für Gold. Ein Währungssystem, das sich durch immer dichtere Netze gegenseitiger Absicherung zusammenhalten muss, hat sein Vertrauensproblem nicht gelöst, sondern institutionalisiert.

Der dominante Treiber für Gold bleibt ohnehin ein anderer. Eine Federal Reserve, die im Stagflationsumfeld die Zinsen weder anheben noch senken kann, ohne entweder die Wirtschaft abzuwürgen oder die Inflation weiter zu befeuern und die damit letztlich in beiden Fällen scheitert, zeigt, dass das geldpolitische Experiment der ständigen Geldmengenausweitung in Krisenzeiten an seine strukturellen Grenzen gestoßen ist. Der steigende Goldpreis spiegelt ein böses Erwachen aus dieser Utopie wider, nicht als Spekulation, sondern als Urteil einer verfehlten planwirtschaftlichen Lenkung.

Autor Markus Blaschzok ist Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

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