Gold und Silber im Portfolio: Was die jüngsten Preissprünge bedeuten

Gold und Silber im Finanzmarkt
Foto: ChatGPT
Gold und Silber schwanken stark. Warum sie im Portfolio nur eine begrenzte Rolle spielen sollten.

Gold und Silber haben seit Anfang 2025 stark zugelegt, zuletzt aber auch deutlich geschwankt. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Metalle noch als Stabilitätsanker taugen oder längst zum Spekulationsobjekt geworden sind. Genau hier lohnt ein genauer Blick.

Gold gilt seit jeher als Mittel zur Wertaufbewahrung. Als knappes Gut hat das Metall seine Kaufkraft über lange Zeiträume erhalten. Darauf verweist auch der sogenannte Gold-Suit-Index, wonach eine Unze Gold über die Jahre hinweg in etwa den Gegenwert eines hochwertigen Herrenanzugs behält.

Silber nimmt eine Sonderrolle ein. Anders als Gold ist es nicht nur Edelmetall, sondern auch Industriemetall. Die Nachfrage hängt deshalb stärker von der Konjunktur ab. Zugleich ist Silber wegen seiner Eigenschaften ein wichtiger Rohstoff für Photovoltaikanlagen und damit auch für die Energiewende.

Seit Anfang 2025 stehen beide Metalle vor allem wegen ihrer Kursentwicklung im Fokus. Der Goldpreis stieg zeitweise von knapp 2.600 auf mehr als 5.500 US-Dollar je Feinunze. Silber legte im selben Zeitraum von knapp 30 auf in der Spitze 117 US-Dollar zu. Treiber waren vor allem hohe Zuflüsse von Investoren in einem von geopolitischen Spannungen und Unsicherheit geprägten Umfeld. Nach Angaben des World Gold Council flossen im vergangenen Jahr 154 Milliarden US-Dollar in Goldbarren und Goldmünzen.


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Gold und Silber als Beimischung statt als Basis

„Die daraus resultierende Wertentwicklung hat dafür gesorgt, dass das Interesse der Anleger an Gold und Silber massiv zugenommen hat“, beobachtet Klaus Porwoll, Gründer und Inhaber der Berliner Honorarberatung PecuniArs. „Doch Anleger sollten ein Investment in Gold oder Silber auch richtig einordnen können, bevor sie dort ihr Geld investieren.“

Grundsätzlich können Gold und Silber ein Portfolio ergänzen, weil sie sich historisch nicht im Gleichschritt mit Aktien bewegten. „Das heißt, dass eine Beimischung dieser etablierten Sachwerte zumindest in der Vergangenheit ein Portfolio vor allem in turbulenten Marktphasen stabilisieren konnte“, erklärt Porwoll. Zugleich schränkt er ein: „Anleger müssen aber bedenken, dass diese Funktion als Portfoliodiversifikator und -stabilisator zuletzt ein paar Risse bekam.“ So verlor Gold Ende Januar innerhalb kurzer Zeit fast 1.000 Dollar, Silber notierte Mitte März mit rund 80 US-Dollar etwa 32 Prozent unter seinem Hoch von Ende Januar.

Für Porwoll spricht das gegen eine tragende Rolle der Edelmetalle in der Vermögensstruktur. „Ich kann deshalb nur davon abraten, die beiden Metalle als alleinige oder als maßgebliche Grundlage der Vermögensstrukturierung zu verwenden“, warnt er. Gold und Silber lieferten anders als Aktien oder Anleihen keine laufenden Erträge. „Und wenn man sich die Rendite von Gold langfristig und inflationsbereinigt anschaut, dann kommt man ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Aktien letztlich die attraktivere Anlage sind“, so Porwoll.

Als Grundlage empfiehlt der Berater deshalb eine breite Aufstellung mit global diversifizierten Aktien und Anleihen, idealerweise über kostengünstige Exchange Traded Funds. Wer Gold oder Silber zusätzlich beimischen wolle, könne das tun. „Wer dann – vielleicht aus emotionalen Gründen – Gold oder Silber beimischen möchte, kann das natürlich tun“, meint Porwoll. „Das sollten aber nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Portfolios sein.“ Für diesen Anteil hält er eine Mischung aus physisch besicherten Exchange Traded Commodities sowie Münzen und Barren für sinnvoll. Letztere seien vor allem für Anleger gedacht, die Edelmetalle als Absicherung für Extremszenarien halten wollen. „Hier ist es besser, Gold und Silber in handelbarer Form zu besitzen“, so Porwolls Fazit.

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