Goldpreis zwischen Trend und Ausbruch: Wohin geht die Reise im Juni?

Goldpreisentwicklung
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Eine Analyse zu Edelmetallen, Minenaktien und Fed-Politik.

Gold keilt sich charttechnisch ein, Silber fiel nach einem Sondereffekt aus Indien scharf zurück, und die Renditen langer US-Anleihen markieren neue Hochs seit 2007. Die Richtungsentscheidung am Edelmetallmarkt rückt näher – und sie könnte weitreichende Konsequenzen haben.

Der Goldpreis fiel am Dienstag auf 4.465 US-Dollar, während Silber auf 73,60 US-Dollar zurücksetzte, nachdem ein technischer Ausbruchsversuch in der Vorwoche gescheitert war. Besonders der Silberpreis erlebte in den letzten beiden Wochen eine extreme Achterbahnfahrt. Auslöser war offenbar die indische Industrie, die aufgrund einer überraschenden Erhöhung der Importabgaben von 6 % auf 15 % Käufe vorzog und ihre Lagerbestände auffüllte.

Diese Sondernachfrage trieb den Silberpreis in der vergangenen Woche nach einer Rallye von 22 % binnen weniger Tage auf über 89 US-Dollar. Nachdem die neue Steuer in Kraft getreten war und die Nachfrage sofort abebbte, wurde der komplette Preisanstieg negiert und der technische Ausbruch scheiterte. Der Rückfall auf rund 73 US-Dollar erwischte viele Silberbullen auf dem falschen Fuß und spricht dafür, dass es sich eher um ein kurzfristiges Sonderereignis als um nachhaltige Stärke handelte. Auch Platin stieg in derselben Phase kurzzeitig stark auf 2.200 US-Dollar an, nur um in dieser Woche wieder unter 1.900 US-Dollar zurückzufallen.


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Die Achterbahnfahrt am Edelmetallmarkt war unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Märkte zunehmend einen weiteren Zinsanstieg einpreisen. Auslöser dafür waren unter anderem der kräftige Anstieg der US-Verbraucherpreise im April auf 3,8 % zum Vorjahr (0,6% MoM), sowie der weiterhin hohe Rohölpreis von rund 103 US-Dollar. Beides schürt Sorgen vor einem weiter steigenden Preis- und Zinsdruck, was Gold und insbesondere die industriell genutzten Edelmetalle Silber, Platin und Palladium belasten würde.

Die langfristig bullische Investment-These für Gold bleibt intakt, doch haben die makroökonomischen Entwicklungen der jüngsten Zeit ein kurzfristig schwierigeres Umfeld geschaffen. Der US-Dollar legte erneut zu auf 99,3 Punkte zu und nähert sich damit erneut dem Widerstand bei 100 Punkten. Bei einer Straffung der Geldpolitik unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh wäre ein Ausbruch darüber möglich, wobei der folgende Short-Squeeze die Edelmetallpreise zusätzlich belasten würde.

Unterdessen stieg die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen am Dienstag mit 5,18 % auf den höchsten Stand seit 2007, während die 2-jährigen Anleihen auf 4,12 % sprangen und damit weiterhin deutlich über dem Leitzins der US-Notenbank von 3,75% liegen. Je länger der Krieg im Mittleren Osten anhält, desto mehr belasten der Anstieg der Energiepreise, die importierte Inflation und höhere Zinsen die Wirtschaft und somit auch den Goldpreis über einen stärkeren US-Dollar und deflationäre Tendenzen. Ein glaubwürdiger Weg zu einer Deeskalation oder Frieden würde hingegen die Edelmetallpreise stützen, doch rückt dieses Szenario immer weiter in die Ferne. Setzt sich der Anstieg der Zinsen fort, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Konjunkturaufschwung abgewürgt wird.

Warsh statt QE: Keine einfache Rückkehr zum Gelddrucken

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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