Arbeitskraftabsicherung: Jenseits des Goldstandards

Laut Franke sollte zudem bei BU-Absicherung darauf geachtet werden, dass sich die mögliche Rente dem finanziellen Bedarf anpassen lässt. Entweder durch eine Dynamik oder garantierte Rentensteigerungen. Das sei insbesondere bei Schülern und Studenten wichtig, da bei diesen die versicherte Rentenhöhe begrenzt ist und später an das tatsächliche Einkommen angepasst werden muss. Darüber hinaus ist die Möglichkeit zur Anpassung des Endalters bei einer Erhöhung der Regelaltersgrenze eine wichtige Möglichkeit, um später keine Versorgungslücke zu haben, erklärt der Experte.

Nach Aussage von Stuttgarter Produktmarketing-Leiter Göhner habe man genau aus diesem Anlass das ganzheitliche Konzept Easilife mit seinen Anpassungsoptionen eingeführt. „Solche Optionen umfassen beispielsweise eine Erhöhungsoption für Auszubildende und Studierende, eine Nachversicherungs- und eine Berufswechseloption. Darüber hinaus bieten wir auch eine Anpassungsmöglichkeit an die GRV-Regelaltersgrenze“, erklärt Göhner. Zudem hat der schwäbische Maklerversicherer auch eine Teilzeitklausel integriert.

Diese Optionen bietet ebenfalls der Volkswohlbund. So können BU-Versicherte innerhalb der ersten fünf Jahre nach Beginn der Versicherung den Schutz ohne einen besonderen Anlass erhöhen. „Auch bei einem Berufswechsel bleibt der Beitrag immer gleich“, sagt Carina Gervens, Leiterin Produktmanagement Biometrie beim Dortmunder Versicherer.

Im Rahmen der Berufswechselprüfung könne es sein, dass sich der Beitrag sogar reduziere. Zudem bietet der Versicherer auch eine Teilzeitklausel, mit der sich die vereinbarte BU-Rente und damit auch der Beitrag reduzieren lässt.

Carina Gervens, Leiterin Produktmanagement Biometrie beim Volkswohlbund / Foto: Volkswohlbund/Glahs

„Und natürlich später wieder erhöhen – ohne erneute Gesundheitsprüfung“, so Gervens weiter. Eine Dynamikvereinbarung gleiche zudem den Kaufkraftverlust aus und erhöhe die BU-Rente. Laut Gervens kann der Kunde der Dynamik mehrfach widersprechen und sie dennoch später wieder einschließen. Eine Nachversicherungsgarantie gibt es beim Volkswohlbund für insgesamt 21 Anlässe.

Bei vielen definierten Ereignissen wie Jobeinstieg, Heirat, Geburt oder Gehaltssteigerung verzichtet auch die Alte Leipziger Lebensversicherung bei einer Erhöhung der BU-Rente auf eine erneute Risikoprüfung. Zudem müssen, die sich während der Vertragslaufzeit etwa durch den Wechsel in einen gefährlicheren Beruf ergeben nicht angezeigt werden. „Das gilt auch für die Aufnahme einer gefährlichen Sportart wie Fallschirmspringen“, sagt Vertriebsleiter Matthias Sattler.

„Im Leistungsfall prüfen wir stets den zuletzt ausgeübten Beruf, egal ob der angegeben worden ist, oder nicht“, so Sattler. Wie beim Volkswohlbund haben auch hier die Kunden das Recht, bei einem Berufswechsel den Beitrag überprüfen zu lassen. „Ist der neue Beruf in einer günstigeren Berufsgruppe eingeordnet, sinkt der Beitrag bei der nächsten Fälligkeit. Stellen wir fest, dass ein höherer Beitrag aufgerufen wird, bleibt alles beim Alten. Wir dürfen unsere Kunden nicht schlechter stellen“, erläutert Sattler.

Die Ratingagentur Morgen & Morgen erstellt jährlich eine Übersicht der gesundheitlichen Gründe, aus denen Menschen ihre Arbeit aufgeben müssen. Die Ergebnisse zeigen: Eine psychische Erkrankung ist laut Morgen & Morgen mit großem Abstand der häufigste Grund. Immerhin 33,5 Prozent – also jede oder jede dritte – die berufsunfähig wird, leidet unter Depressionen, Burnout oder anderen psychischen Problemen. Mit 6,5 Prozent sind Herz- und Gefäßerkrankungen als Ursache für einer BU am seltensten. Ähnlich häufig beenden Unfälle das Arbeitsleben (7,8 Prozent). Rund jede sechste Person wird wegen Krebs oder anderer bösartiger Geschwüre berufsunfähig (17,4 Prozent). Bei 20,1 Prozent, also bei jeder fünften Person, sind Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates Ursache.

Gerade im Schadenfall spielt die Geschwindigkeit eine wichtige Rolle. „Das gilt besonders, wenn Menschen auf die Regulierung finanzieller Ansprüche warten, nachdem sie ihre Arbeitskraft oder einen Teil davon verloren haben“, sagt Stefan Holzer, Leiter Versicherungsproduktion bei Swiss Life Deutschland. Binnen 48 Stunden wird, so Holzer, im Schadenfall ein persönliches Interview geführt, um den Prozess der Leistungsprüfung zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Stefan Holzer, Leiter Versicherungsproduktion Swiss Life Deutschland / Foto: Swiss Life

„Bei rund zehn Prozent aller Fälle reicht dieses Interview als alleinige Entscheidungsgrundlage aus.“ Laut Holzer liegt der Rekord von der Leistungsanmeldung über das Interview bis zu Zusage bei unter einer Woche. Die Leistungsquoten der Mehrheit der BU-Versicherer liegt laut Morgen und Morgen bei 70 Prozent und mehr. Dass BU-Versicherer nicht zahlen würden, sei eine Volksweisheit, die nicht faktenbasiert sei und die man nicht bestätigen könne, betont M&M-Experte Andreas Ludwig.

Doch warum ignorieren viele Berufstätige die latente Gefahr? Vor allem dürften es finanzielle Gründe sein, die gegen eine BU-Versicherung sprechen. „Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Menschen mit den bisher am Markt existierenden Produktlösungen nicht erreicht wird, denn für viele ist die Berufsunfähigkeitsversicherung als Königsklasse finanziell unerschwinglich oder aufgrund von Vorerkrankungen mit hohen Hürden verbunden“, sagt denn auch HDI-Vertriebschef Lüer.

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung genießt zu Unrecht einen schlechten Ruf

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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