Krypto rutscht im US-Wahlkampf auf die hinteren Plätze

Bitcoin und US-Wahlen
Foto: ChatGPT
Krypto verliert politisch an Gewicht, während Deutschland die Steuerregeln verschärfen will.

In den USA verliert Krypto als Wahlkampfthema deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig plant Deutschland eine schärfere Besteuerung von Krypto-Gewinnen. Für die Branche stellt sich damit eine unbequeme Frage.

Die Krypto-Branche steckt politisch in der Zange, wie eine neue Infografik von boersen-parkett.de zeigt. In den USA halten nur noch 25 Prozent der Wähler Krypto für ein wichtiges Wahlkampfthema bei den Midterms 2026 – nach 49 Prozent vor der Präsidentschaftswahl 2024. Lediglich ein Prozent nennt Krypto als wichtigstes Wahlthema überhaupt. Zeitgleich plant die Bundesregierung in Deutschland die Abschaffung der einjährigen Haltefrist auf Krypto-Gewinne. Beides trifft eine Branche, deren politische Schlagkraft offenbar schwächer ist, als ihre milliardenschwere Lobbyarbeit nahelegt.


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Im Oktober 2024 stuften noch 49 Prozent der US-Wähler die Krypto-Position eines Kandidaten als wichtig ein. Unter Krypto-Besitzern lag der Wert nach einer Erhebung von Consensys und HarrisX sogar bei 85 Prozent. Befragt wurden damals 1.664 registrierte Wähler.

Eine aktuelle CoinDesk-Umfrage unter 1.000 registrierten US-Wählern vor den Midterms zeichnet ein anderes Bild. Demnach nennen 36 Prozent die Lebenshaltungskosten als wichtigstes Thema, 13 Prozent Jobs und Wirtschaft, elf Prozent Sozialversicherung und Medicare. Krypto kommt nur noch auf ein Prozent. Künstliche Intelligenz liegt mit zwei Prozent leicht darüber.

Krypto-Lobby verliert an politischer Wirkung

Dabei gilt die Branche in den USA als finanzstark. 47 Prozent der US-Wähler halten laut Umfrage die Republikaner für die krypto-freundlichere Partei, 14 Prozent sehen die Demokraten vorn. Für die Wahlentscheidung scheint das Thema aber kaum noch ausschlaggebend zu sein.

Das steht im Kontrast zu den Ausgaben der Branche. Die Pro-Krypto-Gruppe Fairshake, finanziert unter anderem von Coinbase, Andreessen Horowitz und Ripple Labs, hat im aktuellen Wahlzyklus bereits 28 Millionen US-Dollar für Vorwahlen ausgegeben. 2024 zählte die Kryptoindustrie zu den einflussreichsten Einzelspenderbranchen im US-Wahlkampf.

In Deutschland steigt unterdessen der fiskalische Druck. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil bestätigte am 29. April 2026 auf der Bundespressekonferenz: „Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern.“ Damit steht die einjährige Haltefrist für Krypto-Gewinne konkret zur Disposition.

Deutschland prüft neue Steuerregeln für Krypto

Die Debatte stützt sich auch auf Modellrechnungen. Co-Pierre Georg von der Frankfurt School of Finance schätzt auf der Plattform kryptoluecke.de den realisierten Gesamtgewinn deutscher Krypto-Anleger auf 47,3 Milliarden Euro. Ohne Haltefrist ergäbe sich daraus ein hypothetisches Steuerpotenzial von 11,4 Milliarden Euro.

Ein Blick nach Österreich relativiert solche Erwartungen. Dort wurde die einjährige Haltefrist zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Das tatsächliche Steueraufkommen aus Krypto-Transaktionen lag 2024 laut einer parlamentarischen Anfrage im österreichischen Nationalrat bei 33,8 Millionen Euro. Das entsprach 0,57 Prozent des gesamten KESt-Aufkommens.

„Die Datenlage zeichnet ein klares Bild: Krypto verliert auf der politischen Bühne an Gewicht, gleichzeitig nimmt der staatliche Zugriff zu. Eine Branche, die Wähler nicht mobilisiert, lässt sich politisch leichter belasten“, erklärt Raphael Lulay, Herausgeber von boersen-parkett.de.

Lulay verweist zudem auf die Frage der Differenzierung zwischen verschiedenen Krypto-Werten: „Spannend ist dabei vor allem die Frage der Differenzierung: Bitcoin wird in Teilen der Finanzwelt mittlerweile als digitales Gold diskutiert, mit institutionellen Zuflüssen über Spot-ETFs und ersten staatlichen Reserven. Die geplante deutsche Reform würde Bitcoin steuerlich aber identisch behandeln wie hochspekulative Altcoins oder Memecoins. Ob diese Gleichbehandlung sachlich gerechtfertigt ist, hat die Bundesregierung bislang nicht erläutert.“

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