Ein möglicher Börsengang von SpaceX, aber auch Diskussionen rund um OpenAI (ChatGPT) oder Anthropic (Claude), treiben aktuell die Fantasie vieler Anleger. Die Hoffnung: Früh einsteigen und von der nächsten Tech-Erfolgsstory profitieren. Wie eine neue Infografik von boersen-parkett.de zeigt, steigt parallel das Suchinteresse deutlich an. Begriffe wie „SpaceX Aktie“ oder „OpenAI IPO“ verzeichnen zunehmende Aufmerksamkeit – ein klassisches Frühsignal für aufkommenden Hype rund um potenzielle Mega-Börsengänge.
Auffällig ist die stärkere Rolle von Privatanlegern. Beim möglichen SpaceX-IPO könnten bis zu 30 Prozent der Aktien an Retail-Investoren gehen. Üblich sind eher fünf bis zehn Prozent. Der Zugang würde sich damit verbessern, zugleich nähme die Bedeutung von Marktstimmung und Timing zu.
Die globale IPO-Landschaft zeigt ein gemischtes Bild. In den USA wurden 2024 insgesamt 176 Börsengänge gezählt, für 2025 werden rund 220 genannt. Europa bleibt mit 131 IPOs im Jahr 2024 und etwa 100 im Jahr 2025 deutlich zurück.
IPO-Markt zwischen Tech-Fantasie und Zurückhaltung
Die geopolitische Lage, insbesondere die Spannungen im Nahen Osten, belastet das Umfeld. Im ersten Quartal 2026 ging die Zahl der weltweiten Börsengänge deutlich zurück. Zugleich trennt sich die Qualität der Emissionen stärker: Kleinere Deals bleiben häufiger aus, während große Tech-IPOs Kapital und Aufmerksamkeit bündeln könnten.
Historisch wirken IPOs zunächst attraktiv. Die durchschnittliche Rendite am ersten Handelstag liegt laut Infografik bei rund 18,9 Prozent. Über drei Jahre ergibt sich im Schnitt ein Plus von 19,1 Prozent. Der Vergleich mit dem Gesamtmarkt fällt jedoch ernüchternd aus.
Dieser legte im gleichen Zeitraum im Schnitt um 39,6 Prozent zu. Daraus ergibt sich eine marktbereinigte Rendite von minus 20,5 Prozent. IPO-Investoren erzielen damit häufig Gewinne, bleiben aber klar hinter einer breiten Marktstrategie zurück.
Hype kann Renditepotenzial vorwegnehmen
Ein Grund liegt in den Bewertungen. Viele Unternehmen gehen in Phasen hoher Marktpreise an die Börse. Der anfängliche Hype kann dann bereits einen großen Teil des künftigen Potenzials einpreisen.
Hinzu kommen Betrugsrisiken. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht warnt vor Angeboten, bei denen angeblich SpaceX-Anteile erworben werden können. Laut Behörde handelt es sich um Identitätsmissbrauch; die angebotenen Aktien existieren in dieser Form nicht oder werden nicht geliefert.
Gerade bei stark nachgefragten Unternehmen nutzen unseriöse Anbieter die Aufmerksamkeit aus. Sie werben mit vermeintlich exklusiven Vorbörsen-Deals. Die Mischung aus Hype, begrenztem Zugang und geringer Erfahrung vieler Anleger schafft ein anfälliges Umfeld.
Kryptomarkt zeigt die Extremform
Ein Blick auf den Kryptomarkt verdeutlicht, wie stark sich solche Dynamiken zuspitzen können. Während IPO-Investoren im Schnitt vor allem eine Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt riskieren, droht bei vielen Krypto-Projekten der vollständige Kapitalverlust.
Laut Infografik sind auf Basis von Daten von CoinGecko und GeckoTerminal bereits 53,2 Prozent aller jemals gelisteten Kryptowährungen gescheitert. Das entspricht mehr als 13 Millionen Token. Allein 2025 verschwanden rund 11,6 Millionen Projekte vom Markt.
Der Unterschied bleibt wesentlich: IPOs sind häufig ambitioniert bewertet und bleiben langfristig hinter dem Markt zurück. Viele Krypto-Projekte enden dagegen vollständig wertlos. Für Privatanleger wird es daher entscheidend, zwischen nachvollziehbarer Wachstumsfantasie und überzogenem Hype zu unterscheiden.














