Bei den US-Midterms haben die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses erobert. Damit endet die Alleinregierung der Republikaner unter Präsident Donald Trump. Die Münchner BVT ordnet das Ergebnis als politische Zäsur ein und sieht darin zugleich Signale für den US-Immobilienmarkt.
„Das Wahlergebnis ist eine deutliche Zäsur. Die US-Wähler haben die Regierungsarbeit der letzten zwei Jahre - insbesondere im Hinblick auf die hohe Inflation und steigende Lebenshaltungskosten - massiv abgestraft“, sagt Martin Stoß von BVT. Besonders bemerkenswert findet er zudem die Erfolge der Demokraten in traditionellen Republikaner-Hochburgen wie Texas und Kansas. Diese wertet er als historisch und als Zeichen für den Wunsch nach einer politischen Kurskorrektur.
Midterms 2026: Welche Folgen BVT für den Immobilienmarkt erwartet
Für die kommenden zwei Jahre rechnet BVT mit einer politischen Blockade in Washington. Genau darin sieht Stoß nach den Midterms 2026 allerdings eine Chance für mehr Stabilität am Immobilienmarkt.
„Die über die nächsten zwei Jahre zu erwartende politische Blockade in Washington könnte tatsächlich ein positiver Faktor für den Immobilienmarkt sein. Wir rechnen damit, dass die demokratische Mehrheit im Kongress eine striktere Haushaltsdisziplin durchsetzt und ungedeckte Staatsausgaben eindämmt“, erklärt Stoß. Dadurch werde seiner Einschätzung nach die fiskalisch getriebene Inflation gebremst und der Anleihemarkt entlastet.
Für das Finanzierungsgeschäft hat das aus Sicht von Stoß unmittelbare Bedeutung. Die derzeitigen 30-jährigen Hypothekenzinsen von über sieben Prozent setzten Immobilienwerte und Kapitalmärkte bereits unter Druck, so seine Einschätzung. Eine Eindämmung weiterer Zinserhöhungen würde Käufern und Investoren deshalb dringend benötigte Planungssicherheit verschaffen.
BVT-Prognose nach den Midterms: Blick auf historische Markttrends
Stoß verweist auf die Entwicklung des S&P 500 seit 1928. Finanzmärkte hätten historisch positiv auf eine starke politische Opposition reagiert, argumentiert er. Zudem zieht Stoß die langjährige Erfahrung von BVT im US-Markt heran. Stabile Institutionen und eine solide Haushaltsführung bilden demnach die Grundlage für dauerhaftes Wachstum im Multi-Family-Segment. Washingtons neue politische Balance könnte nach seiner Einschätzung genau diese Rahmenbedingungen schaffen. Der Markt könnte sich dadurch von den jüngsten Turbulenzen erholen.
Geopolitik als zweiter Faktor: Hoffnung auf ein Ende des Irankonflikts
Neben der Innenpolitik sieht BVT nach den Midterms auch in der geopolitischen Lage einen oft unterschätzten Faktor für die wirtschaftliche Stabilität der USA. Durch die neuen Mehrheiten im Kongress bestehe eine reale Chance, den Irankonflikt zu beenden. Denn das Parlament hat die Haushaltshoheit. Es kann dem Präsidenten die notwendigen Mittel für den Konflikt verweigern, ohne dass dafür dessen Zustimmung nötig wäre. Den Krieg würde das zwar nicht unmittelbar beenden. Eine weitere militärische Eskalation würde es aber erheblich erschweren, so die Einschätzung von BVT.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 sind die Energiekosten in den USA demnach deutlich gestiegen. Das treibt die Inflation zusätzlich an. Nach Einschätzung von Stoß würde eine Deeskalation den inflationären Druck spürbar senken. Das schaffe den nötigen Spielraum für eine nachhaltige Stabilisierung der Preise.
Sinken die inflationsbedingten Kosten, bildet das laut BVT die Grundlage für ein wirksames „Financial Balancing“ in der US-Fiskalpolitik. Erst wenn geopolitisch bedingte Preisschocks ausblieben, könne die US-Regierung ihre Fiskalpolitik entsprechend ausrichten. Investitionen und Schuldenabbau kämen dann in Einklang, ohne neue Preistreiber zu erzeugen, meint Stoß.
BVT Unternehmensgruppe
BVT ist seit 50 Jahren im US-Immobilienmarkt aktiv und auf Investitionen in Wohnimmobilien im Multi-Family-Segment spezialisiert. Seit 2004 hat die Gruppe in ihrer Residential-USA-Serie 23 Beteiligungsgesellschaften aufgelegt. Nach eigenen Angaben sind daraus bislang 35 Class-A-Apartmentanlagen mit fast 10.800 Wohnungen entstanden oder befinden sich noch in der Entwicklung. Das Investitionsvolumen von BVT im US-Immobilienbereich beläuft sich insgesamt auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar.













