Die US-Inflation klettert auf den höchsten Stand seit über drei Jahren – getrieben vom Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs. Eine Zinssenkung der Fed rückt in weite Ferne. Anleger sollten ihre Portfolios jetzt auf Inflationsschutz trimmen.
Der Iran-Konflikt hinterlässt immer tiefere Spuren in der US-Wirtschaft. Wie das Bureau of Labor Statistics am Mittwoch mitteilte, stiegen die US-Verbraucherpreise im Mai um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – nach 3,8 Prozent im April und damit der dritte Anstieg in Folge. Es ist der höchste Wert seit April 2023. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel legte auf 2,9 Prozent zu, ein neues Hoch seit September 2025.
Haupttreiber bleibt die Energie: Die Energiepreise schossen binnen Jahresfrist um 23,5 Prozent nach oben, Benzin verteuerte sich um gut 40 Prozent, Heizöl sogar um knapp 59 Prozent. Hintergrund ist die kriegsbedingte Blockade der Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots fließt. Die Internationale Energieagentur spricht von der größten Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Brent-Rohöl notiert mit rund 105 Dollar je Barrel etwa 44 Prozent über dem Vorkriegsniveau, der US-Benzinpreis hat die Marke von vier Dollar je Gallone überschritten.
Fed unter Zugzwang – Zinssenkungen abgehakt
Für die US-Notenbank kommt der Preisschub zur Unzeit. Beim Zinsentscheid am 17. Juni dürfte die Fed die Füße stillhalten – doch die Terminmärkte haben Zinssenkungen für 2026 inzwischen komplett ausgepreist. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group halten Händler sogar Zinserhöhungen für möglich, sollte sich der Energieschock in den Inflationserwartungen festsetzen.
Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerung das ganze Jahr über erhöht bleibt. Die Dallas Fed beziffert den Inflationseffekt des Kriegs je nach Dauer der Hormus-Blockade auf 0,6 bis 1,8 Prozentpunkte bei der Gesamtrate. „Der Schaden ist bereits angerichtet, denn bei den Ölpreisen gibt es vorerst kein Zurück“, warnt Mark Zandi, Chefökonom von Moody’s Analytics. EY-Parthenon erwartet, dass der Konflikt das US-Wachstum 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent drückt – das Stagflationsrisiko steigt.
Was Anleger jetzt tun müssen
Bemerkenswert: Die Aktienmärkte zeigen sich bislang widerstandsfähig. Das von Goldman Sachs berechnete Weltportfolio aller Finanzanlagen hat seit Kriegsbeginn lediglich rund fünf Prozent eingebüßt – deutlich weniger als im Inflationsjahr 2022. Der Zinsschock konzentriert sich auf kurzlaufende Anleihen, während die Renditen am langen Ende vergleichsweise moderat gestiegen sind.
Entwarnung ist das jedoch nicht. Goldman-Stratege Christian Mueller-Glissmann sieht die Gefahr, dass der Zins- in einen Wachstumsschock umschlägt – und konstatiert ein strukturelles Problem: Nach 15 Jahren Tech-Rally sind die meisten Depots übergewichtet in Wachstumswerten und unterversorgt mit Inflationsschutz. Seine Faustformel für ein robustes Portfolio: je ein Drittel Innovation (selektive Tech- und KI-Aktien), Inflationsschutz und Risikoabsicherung.
Konkret heißt das für Anleger:
Inflationsschutz aufstocken. Inflationsindexierte Anleihen (TIPS) mit längerer Laufzeit bieten derzeit attraktive Realrenditen von rund zwei Prozent, während die langfristigen Inflationserwartungen den Schock noch nicht voll eingepreist haben. Auch Infrastruktur-Aktien mit realem Cashflow-Wachstum – sogenannte HALO-Assets („Heavy Assets, Low Obsolescence“) – gehören in diese Kategorie.
Gold als Diversifizierer halten. Das Edelmetall hat nach anfänglicher Flucht in sichere Häfen zwischenzeitlich korrigiert, weil die straffere Fed-Erwartung die Kurzfristzinsen nach oben trieb. Mittelfristig dürfte Gold als Absicherung gegen Inflations- und Dollar-Risiken aber wieder gefragt sein, erwartet Goldman Sachs.
Defensive Qualität beimischen. Im Absicherungsbaustein empfehlen sich Low-Volatility- und Quality-Aktien, selektive Safe-Haven-Währungen sowie alternative Anlagen – das klassische 60/40-Portfolio allein bietet im Zinsschock zu wenig Puffer.
Nicht in Panik verkaufen. Das Goldman-Basisszenario sieht nach einer volatilen Phase eine Markterholung vor, sofern Rezession und eine Entankerung der Inflationserwartungen ausbleiben. Wer jetzt hektisch aussteigt, riskiert – wie schon beim Zollschock 2025 – die Erholung zu verpassen.
Fazit: Der Iran-Konflikt hat das Inflationsgespenst zurück auf die Bühne geholt. Anleger müssen ihre Depots nicht umkrempeln, aber neu ausbalancieren – weg von der einseitigen Tech-Wette, hin zu realen Werten, Inflationsschutz und defensiver Qualität.














