Steigende Rohstoffpreise infolge der Unsicherheiten rund um den Irankonflikt treiben die Inflation weltweit wieder nach oben. Nach Einschätzung von Finance in Motion sind viele Schwellen- und Frontiermärkte auf diese Entwicklung heute jedoch besser vorbereitet als zahlreiche Industrieländer.
Während Zentralbanken in Europa und Nordamerika in der vergangenen Inflationsphase zunächst über die Dauer des Preisauftriebs diskutierten, hätten viele Notenbanken in Schwellenländern frühzeitig reagiert. Sie erhöhten die Leitzinsen schneller und stärker, begrenzten Zweitrundeneffekte und signalisierten den Märkten eine konsequente Inflationsbekämpfung.
Davon profitieren viele dieser Volkswirtschaften nun. In zahlreichen Ländern liegt die Inflation wieder nahe den Zielwerten der Zentralbanken oder bereits darunter. Gleichzeitig bleiben die Realzinsen positiv. Das verschafft den Notenbanken zusätzlichen Spielraum, ihre Geldpolitik flexibel an neue Entwicklungen anzupassen.
Geldpolitik in Schwellenländern gewinnt an Glaubwürdigkeit
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung laut Finance in Motion in Georgien und Moldau. Deren Zentralbanken haben bereits auf neue Inflationsrisiken reagiert. Auch andere Schwellenländer hätten signalisiert, bei erneutem Preisauftrieb rasch eingreifen zu wollen.
Die schnelle Reaktionsfähigkeit ist nach Ansicht des Unternehmens das Ergebnis früherer Krisenerfahrungen. Viele Schwellenländer waren in der Vergangenheit wiederholt mit hoher Inflation, Währungskrisen und Kapitalabflüssen konfrontiert. Entsprechend groß sei heute das Bewusstsein dafür, wie schnell externe Schocks auf die Binnenwirtschaft übergreifen können. Höhere Energiepreise, steigende Importkosten oder eine Abwertung der eigenen Währung wirken dort häufig unmittelbarer auf die Verbraucherpreise als in Industriestaaten.
Diese Erfahrungen hätten zu einer größeren geldpolitischen Disziplin geführt. Das traditionelle Bild besonders krisenanfälliger Schwellenländer greife deshalb zunehmend zu kurz. Zwar bleiben diese Volkswirtschaften anfällig für Rohstoffpreisschocks, da Lebensmittel und Energie einen größeren Anteil an den Haushaltsausgaben ausmachen. Gerade diese Verwundbarkeit könne jedoch eine schnellere Reaktion der Zentralbanken begünstigen.
Institutionelle Stärke rückt für Investoren in den Fokus
Für Investoren gewinnt damit die institutionelle Glaubwürdigkeit der Schwellen- und Frontiermärkte an Bedeutung. Ihre Stabilität beruhe heute zunehmend auf einer verlässlichen Geldpolitik und nicht allein auf günstigen Konjunktur- oder Rohstoffzyklen.
„Wir beobachten einen strukturellen Wandel“, erklärt Melanie Aimer, Chief Commercial Officer bei Finance in Motion. „In einer volatileren Welt sind es nicht automatisch die Industrieländer, die die höchste geldpolitische Disziplin aufweisen. In vielen Fällen liefern Schwellenländer inzwischen eine Blaupause dafür, wie entschlossenes makroökonomisches Management aussehen kann.“
Sollten die Rohstoffpreise länger erhöht bleiben, dürfte sich nach Einschätzung von Finance in Motion erneut zeigen, welche Zentralbanken frühzeitig handeln und welche Gefahr laufen, hinter die Inflationsentwicklung zurückzufallen. Viele Schwellen- und Frontiermärkte hätten aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt und verfügten heute über mehr geldpolitischen Handlungsspielraum als noch in früheren Inflationsphasen.












