Der neue 2026 Mid-Year Private Markets Outlook von HarbourVest untersucht sieben zentrale Entwicklungen, die die Private Markets derzeit prägen. Die übergreifende Beobachtung: Makroökonomische Kräfte wirken zunehmend gleichzeitig auf die Märkte, ihre Folgen unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Unternehmen, Managern und Strategien. Investment- und Exit-Aktivität haben sich in den vergangenen 18 bis 24 Monaten erholt, doch die Ergebnisse verteilen sich immer ungleichmäßiger. Entscheidend wird damit zunehmend, welche Assets Investoren halten, zu welcher Bewertung sie einsteigen und welche Manager tatsächlich Wert schaffen können.
Im ersten Teil unserer Serie zum Mid-Year Outlook richten wir den Blick deshalb auf eine Entwicklung, die insbesondere für Private Equity entscheidend ist: Rendite muss wieder stärker operativ verdient werden.
Financial Engineering trägt weniger zur Rendite bei
Über viele Jahre konnten günstige Finanzierung, hohe Verschuldungsgrade und steigende Bewertungsmultiplikatoren Private-Equity-Renditen erheblich unterstützen. Dieses Umfeld hat sich verändert. Höhere Finanzierungskosten und Einstiegspreise sowie geringere Leverage-Niveaus erhöhen heute die Anforderungen an die operative Entwicklung eines Unternehmens.
Wie stark sich die Renditemechanik verschoben hat, zeigt eine im Outlook aufgegriffene illustrative LBO-Modellrechnung auf Basis veröffentlichter Annahmen von Bain[1]. Unter den Marktbedingungen von 2016 hätte ein Unternehmen mit einem jährlichen EBITDA-Wachstum von fünf Prozent rund 2,5x MOIC und etwa 20 Prozent IRR erzielen können. Unter den heutigen Marktbedingungen führen dieselben fünf Prozent EBITDA-Wachstum nur noch zu rund 1,7x MOIC und etwa 12 Prozent IRR. Um erneut einen MOIC von 2,5x zu erreichen, müsste das EBITDA im Modell heute jährlich um rund zwölf Prozent wachsen; zugleich wäre eine deutliche Margenverbesserung erforderlich.
Die Konsequenz ist klar: Was früher teilweise durch Financial Engineering erreicht werden konnte, muss heute stärker durch die operative Entwicklung des Unternehmens entstehen.
Operative Wertschöpfung muss messbar sein
Dabei reicht es nicht, „Value Creation“ lediglich als strategisches Ziel zu formulieren. Entscheidend ist, ob Manager über die notwendigen Ressourcen und Erfahrungen verfügen, um Veränderungen tatsächlich auf Ebene der einzelnen Unternehmen umzusetzen.
Der Outlook nennt dafür konkrete Merkmale: operative Ressourcen, die unmittelbar mit den Portfoliounternehmen arbeiten, klar definierte Wertschöpfungspläne und messbare KPIs bereits vor Abschluss einer Transaktion sowie nachweisbare Erfahrung bei der Umsetzung vergleichbarer Strategien innerhalb eines Sektors.
Damit verschiebt sich auch die Bedeutung der Managerselektion. Wenn günstiger Leverage und Multiple Expansion weniger zur Rendite beitragen, wird die Fähigkeit eines Managers, Wachstum zu beschleunigen, Margen zu verbessern und operative Veränderungen tatsächlich umzusetzen, stärker zum Differenzierungsmerkmal.
Europa könnte von diesem Wandel profitieren
Gerade Europa bietet für diese Form der Wertschöpfung interessante Voraussetzungen. Im zweiten Quartal 2026 hielt sich die Deal-Aktivität in Europa vergleichsweise stabil, während sie in den USA deutlich zurückging. Der Outlook verweist dabei auf niedrigere Einstiegspreise, fragmentierte Märkte und ein größeres Potenzial für operative Verbesserungen als mögliche Gründe für die relative Widerstandsfähigkeit Europas.
Fragmentierung ist dabei nicht nur ein Nachteil. Unterschiedliche Märkte und Unternehmensstrukturen können erfahrenen Managern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, durch Spezialisierung, Digitalisierung und operative Umsetzung Wert zu schaffen. Gerade in Märkten mit größeren Ineffizienzen kann operative Expertise deshalb stärker ins Gewicht fallen.
Europa ist deshalb nicht gegen Volatilität immun. Der Markt illustriert vielmehr einen grundlegenden Wandel in Private Equity: Je weniger allgemeine Marktkräfte die Renditen tragen, desto stärker kommt es auf die Qualität einzelner Unternehmen und Manager an.
Selektion wird zur Voraussetzung
Diese Entwicklung erhöht die Spreizung zwischen den Ergebnissen. Der Outlook kommt zu dem Schluss, dass operative Umsetzung, Managerselektion und Zugang künftig zunehmend darüber entscheiden dürften, welche Investments erfolgreich sind. Auch vergangener Erfolg ist unter den heutigen Bedingungen weniger aussagekräftig für künftige Renditen – insbesondere dann, wenn er stark von Financial Engineering getragen wurde. Entscheidend ist zunehmend, ob Manager auch operativ Wert schaffen können.
Die zentrale Schlussfolgerung: Private-Equity-Renditen müssen heute unter anderen Voraussetzungen erzielt werden. In einem Umfeld mit höheren Finanzierungskosten und weniger Unterstützung durch steigende Multiples wird die Fähigkeit, Unternehmen tatsächlich weiterzuentwickeln, wieder zum Kern des Investmentmodells.
Den vollständigen 2026 Mid-Year Private Markets Outlook finden Sie hier.












