Die Baufinanzierungszinsen haben Anfang September einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Der repräsentative Zins von Dr. Klein für eine zehnjährige Finanzierung lag am 8. September 2026 bei 3,87 Prozent. Damit reagierte der Markt auf die zuletzt deutlich gestiegenen Renditen zehnjähriger Bundesanleihen.
„Die Aufwärtsbewegung im Anleihebereich geht vor allem auf den anhaltenden Nahostkonflikt und die daraus resultierenden Folgen zurück“, erklärt Florian Pfaffinger, Mitglied im Expertenrat bei Dr. Klein. „Dieser Anstieg der Renditen für deutsche Staatsanleihen hat sich inzwischen adäquat und mit gewohntem Zeitversatz auf die Bauzinsen ausgewirkt.“
Die Renditen deutscher Staatsanleihen gelten als wichtiger Orientierungspunkt für die Entwicklung der Bauzinsen. Derzeit wirken mehrere Faktoren auf den Markt: Der Nahostkonflikt erhöht die Unsicherheit, während steigende Ölpreise die Inflationserwartungen antreiben. Auch die wachsende Staatsverschuldung übt Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen aus. Die zuletzt etwas besser als erwartet ausgefallene Konjunkturentwicklung wirkt laut Pfaffinger dagegen leicht bremsend.
Bauzinsen dürften sich seitwärts bewegen
Trotz des jüngsten Anstiegs rechnet der Zinsexperte mittelfristig nicht mit einer starken Verteuerung von Immobilienkrediten. Wahrscheinlicher seien kleinere Ausschläge nach oben und unten.
„Wir werden zeitnah keine Berg- und Talfahrt der Bauzinsen sehen. Vielmehr gehe ich davon aus, dass am Zinsmarkt in den nächsten Wochen wieder mehr Ruhe einkehrt und wir im Großen und Ganzen weiterhin eine Seitwärtsbewegung haben werden. Bauzinsen um 3,8 Prozent für eine 10-jährige Baufinanzierung und 80 Prozent Beleihung halte ich aus heutiger Sicht in den kommenden Wochen für realistisch.“
Kurzfristig erwartet Dr. Klein damit eine Seitwärtsbewegung mit Schwankungen. Mittelfristig sei ebenfalls mit einer weitgehend stabilen Entwicklung zu rechnen, allerdings mit einer leichten Tendenz nach oben.
EZB kämpft gegen steigende Inflation
Vor ihrer nächsten Sitzung steht die Europäische Zentralbank vor einem schwierigen Abwägungsprozess. Sie muss die steigende Inflation eindämmen, ohne die weiterhin angeschlagene Wirtschaft im Euroraum zusätzlich zu belasten. Zugleich spielen die hohen Schuldenstände mehrerer Mitgliedstaaten eine Rolle.
Nach vorläufigen Daten von Eurostat lag die Inflationsrate im Euroraum im August bei 3,3 Prozent. In Deutschland erreichte sie 2,9 Prozent. Beide Werte liegen deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB von zwei Prozent.
„Die Europäische Notenbank muss derzeit einen kritischen Balanceakt vollführen“, so Pfaffinger. „Die Inflation zu bekämpfen, ohne dabei die nach wie vor angeschlagene Wirtschaft auszubremsen, ist schwierig. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Notenbanker auf ihrer kommenden Sitzung die Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte bekannt geben werden.“
Zinsschritt bereits an den Märkten eingepreist
Nach Einschätzung von Dr. Klein haben die Finanzmärkte die zweite Leitzinserhöhung des Jahres bereits weitgehend berücksichtigt. Sollte die EZB den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte anheben, dürfte die Entscheidung daher keinen unmittelbaren zusätzlichen Effekt auf die Renditen deutscher Staatsanleihen und damit auf die Baufinanzierungszinsen haben.













