Rheinmetall-Aktie: Worauf Anleger nach dem F126-Aus jetzt achten sollten

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Rheinmetall-Schild neben einem Panzer
Foto: ChatGPT
Der Ausbau der Produktionskapazitäten treibt Rheinmetalls Wachstum, bindet kurzfristig aber erhebliche Mittel und erhöht die Bedeutung der Cash Conversion.

Rheinmetall wächst rasant und verdient operativ deutlich mehr, senkt nach dem Aus für F126 aber die Umsatzprognose. Für Anleger rücken damit Auftragsbestand, Marge und Cashflow in den Fokus. Diese Kennzahlen entscheiden über die Qualität des weiteren Wachstums.

Rheinmetall wächst weiter mit hohem Tempo. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis hat sich auf 562 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die operative Marge verbesserte sich von 13,4 auf 17,1 Prozent.

Trotzdem geriet die Rheinmetall-Aktie nach Vorlage der Zahlen unter Druck. Der Grund liegt weniger in der zurückliegenden Geschäftsentwicklung als im Ausblick. Nach dem Ende des deutschen Fregattenprogramms F126 hat Rheinmetall seine Umsatzprognose für 2026 um 300 Millionen Euro reduziert.

Statt 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro stellt der Vorstand nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Gegenüber den 9,94 Milliarden Euro des Vorjahres entspräche das weiterhin einem Wachstum von rund 38 bis 43 Prozent. Die operative Ergebnismarge soll unverändert bei rund 19 Prozent liegen.

F126 kostet Rheinmetall bis zu 300 Millionen Euro Umsatz

Die Prognosesenkung kommt nicht überraschend. Rheinmetall hatte bereits Anfang Juli angekündigt, die Folgen der Beendigung des F126-Programms zu prüfen. Der Konzern hatte darauf gesetzt, das ins Stocken geratene Großprojekt mit seiner neuen Marinesparte übernehmen zu können.

Rheinmetall war allerdings nicht der ursprüngliche Generalunternehmer des F126-Programms. Die Verantwortung lag beim niederländischen Schiffbauer Damen beziehungsweise dessen Tochter Damen Schelde Naval Shipbuilding. Für Rheinmetall gewann das Projekt vor allem nach der Übernahme von Naval Vessels Lürssen, kurz NVL, an Bedeutung. Mit dem Zukauf hat der Düsseldorfer Konzern sein Geschäft auf den Marineschiffbau ausgeweitet.

Das Bundesverteidigungsministerium beendete F126 am 24. Juni. Als Gründe nannte es erhebliche zeitliche Verzögerungen, starke Kostensteigerungen und nicht mehr kalkulierbare Risiken. Nach Angaben der Bundeswehr hätte die Beschaffung von sechs F126 inzwischen voraussichtlich rund 18 Milliarden Euro gekostet.

Für Rheinmetall bedeutet die Entscheidung kurzfristig einen Umsatzausfall von bis zu 300 Millionen Euro im laufenden Jahr. Die mittel- und langfristigen Folgen analysiert das Unternehmen nach eigenen Angaben noch.

Die neue Rheinmetall-Prognose im Überblick

KennzahlBisherige Prognose 2026Neue Prognose 2026
Konzernumsatz14,0 bis 14,5 Milliarden Euro13,7 bis 14,2 Milliarden Euro
Veränderungminus 300 Millionen Euro
Operative Margerund 19 Prozentrund 19 Prozent
Umsatz 20259,94 Milliarden EuroVergleichsbasis

Die Prognosesenkung entspricht damit dem bereits angekündigten maximalen Umsatzeffekt aus F126. Gleichzeitig signalisiert Rheinmetall, dass der Rückschlag nach aktueller Planung nicht auf die Konzernmarge durchschlägt.

Rheinmetalls Auftragsbestand rückt in den Mittelpunkt

Für Anleger dürfte eine weitere Kennzahl mindestens ebenso wichtig sein. Nach veröffentlichten Marktberichten erwartet Rheinmetall für 2026 beim sogenannten Rheinmetall Backlog inzwischen einen Wert von mehr als 100 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Management rund 135 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Der Unterschied ist erheblich. Allerdings darf der Backlog nicht mit fest zugesagtem künftigem Umsatz gleichgesetzt werden.

Rheinmetall unterscheidet zwischen verbindlichen Aufträgen und Rahmenvereinbarungen. Die Kennzahl „Rheinmetall Backlog“ umfasst beide Kategorien. Bei Rahmenverträgen steht das tatsächliche Abrufvolumen noch nicht vollständig fest. Die daraus resultierenden Umsätze hängen von den späteren Abrufen der Kunden ab.

Zum Ende des ersten Quartals lag der Backlog bei 73,0 Milliarden Euro. Nach dem zweiten Quartal sind es mehr als 80 Milliarden Euro. Allein im zweiten Quartal erreichte die sogenannte Rheinmetall Nomination, die Auftragseingänge und neue Rahmenvereinbarungen berücksichtigt, rund 11,37 Milliarden Euro.

Damit liegt die Herausforderung für Rheinmetall derzeit weniger bei der Nachfrage. Entscheidend ist vielmehr, wann staatliche Kunden Bestellungen verbindlich abrufen, wann Anzahlungen eingehen und wie schnell der Konzern seine stark wachsenden Produktionskapazitäten in tatsächliche Auslieferungen übersetzt.

Deutschland setzt nach F126 auf MEKO A-200

Das Ende von F126 verändert zugleich die deutsche Marinebeschaffung. Die Bundeswehr setzt stattdessen auf die kleinere MEKO A-200 DEU von TKMS.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab am 8. Juli knapp 6,3 Milliarden Euro für die ersten vier Schiffe frei. Weitere vier Schiffe können über eine Option bestellt werden. Die erste MEKO A-200 DEU soll nach derzeitiger Planung im Dezember 2029 an die Bundeswehr übergeben werden.

Die Vorbereitungen laufen bereits. Erste Schweißarbeiten begannen im Februar, die Kiellegung erfolgte im Mai und damit noch vor der endgültigen Finanzierung der ersten vier Schiffe. Ein zuvor geschlossener Vorvertrag ermöglichte TKMS, Kapazitäten und Unterauftragnehmer frühzeitig zu sichern.

Damit verschieben sich Milliardenvolumina innerhalb der deutschen Rüstungsindustrie. Für TKMS ist die Entscheidung strategisch bedeutsam. Rheinmetall muss dagegen zeigen, dass seine ausgebaute Marinesparte auch ohne F126 ausreichend Großprojekte gewinnen kann.

Ganz ohne Aufträge steht das Marinegeschäft nicht da. Im ersten Quartal brachte die übernommene Naval-Sparte bereits rund 5,5 Milliarden Euro Backlog mit. Zudem erhielt Rheinmetall im Mai im Rahmen eines 5,7 Milliarden Euro schweren Auftragspakets aus Rumänien unter anderem Bestellungen für vier Marineschiffe.

Rheinmetall hält trotz Prognosesenkung am Margenziel fest

Für Anleger ist auch entscheidend, was Rheinmetall nicht geändert hat: das Margenziel.

Trotz des um 300 Millionen Euro reduzierten Umsatzausblicks hält der Vorstand an einer operativen Ergebnismarge von rund 19 Prozent fest. Rechnerisch entspräche das bei der neuen Umsatzspanne einem operativen Ergebnis von rund 2,60 bis 2,70 Milliarden Euro.

Damit läge die Profitabilität weiterhin über dem Niveau von 2025. Damals erzielte Rheinmetall bei 9,94 Milliarden Euro Umsatz ein operatives Ergebnis von 1,84 Milliarden Euro und eine operative Marge von 18,5 Prozent.

Sollte Rheinmetall die neue Umsatzprognose erreichen und gleichzeitig die Marge halten, wäre das F126-Aus zunächst vor allem ein Wachstums- und weniger ein Profitabilitätsproblem.

Freier Cashflow bleibt ein Schwachpunkt

Größere Aufmerksamkeit verdient derzeit die Kapitalbindung. Der operative freie Cashflow verschlechterte sich im zweiten Quartal auf minus 1,33 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte er bereits bei minus 874 Millionen Euro gelegen.

Rheinmetall baut angesichts der erwarteten Produktionssteigerungen Vorräte auf und investiert in zusätzliche Kapazitäten. Gleichzeitig hängt der Mittelzufluss bei großen Rüstungsprojekten stark vom Zeitpunkt der Kundenzahlungen ab.

Diese Entwicklung war bereits zu Jahresbeginn sichtbar. Im ersten Quartal lag der operative freie Cashflow der fortgeführten Aktivitäten bei minus 285 Millionen Euro. Rheinmetall führte dies unter anderem auf die höhere Working-Capital-Bindung für das geplante Umsatzwachstum zurück.

Für Anleger entsteht damit ein wichtiger Unterschied zwischen Auftragseingang, Ergebnis und Liquidität. Ein milliardenschwerer Auftrag erhöht zunächst den Backlog, erzeugt aber nicht automatisch freien Cashflow. Die Vorbereitung auf spätere Auslieferungen kann im Gegenteil zunächst erhebliche Mittel binden.

Drei Kennzahlen werden für die Rheinmetall-Aktie entscheidend

Der Auftragsbestand zeigt, wie stark das erwartete Wachstum der kommenden Jahre bereits unterlegt ist. Anleger sollten dabei allerdings zwischen festen Bestellungen und Rahmenverträgen unterscheiden. Nicht jeder im Backlog ausgewiesene Euro wird automatisch zum Umsatz.

Zugleich gewinnt die Cash Conversion an Bedeutung. Mit steigender Produktion muss Rheinmetall zeigen, dass sich operative Gewinne auch in freien Cashflow übersetzen. Verschobene Anzahlungen, steigende Vorräte und hohe Investitionen können dabei für erhebliche Schwankungen sorgen.

Die dritte Schlüsselgröße ist die operative Marge. Das unveränderte Ziel von rund 19 Prozent gewinnt nach der Prognosesenkung zusätzlich an Bedeutung. Eine spätere Reduzierung des Margenziels wäre fundamental gewichtiger als die bislang vorgenommene Umsatzkorrektur.

Naval Systems muss sich nach dem F126-Aus beweisen

Auch die Entwicklung der neuen Marinesparte rückt stärker in den Fokus. Nach der Übernahme von NVL muss Rheinmetall zeigen, dass der Aufbau eines großen Marinegeschäfts nicht von einem einzelnen deutschen Projekt abhängt.

Internationale Bestellungen wie das rumänische Auftragspaket gewinnen damit an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt F126 ein grundsätzliches Risiko des Rüstungsgeschäfts: Politisch geplante Milliardenprojekte sind nicht automatisch sichere Umsätze. Haushaltsfreigaben, technische Probleme, Ausschreibungen und Projektänderungen können Zeitpläne und Volumina erheblich verändern.

Das Ende von F126 ist für Rheinmetall deshalb mehr als eine Randnotiz. Mit der Übernahme von NVL verfolgt der Konzern den Anspruch, neben Land-, Luft- und Munitionssystemen auch im Marineschiffbau zu einem bedeutenden Systemanbieter aufzusteigen. Ein deutscher Milliardenauftrag hätte diesen Schritt beschleunigt.

Die Dimension des Gesamtkonzerns hat sich allerdings ebenfalls verändert. Rheinmetall erzielte 2025 knapp zehn Milliarden Euro Umsatz und will 2026 trotz des F126-Aus auf bis zu 14,2 Milliarden Euro wachsen. Ende 2025 hatte der Auftragsbestand bei 63,8 Milliarden Euro gelegen. Ende März waren es bereits 73,0 Milliarden Euro, nach dem zweiten Quartal mehr als 80 Milliarden Euro.

Für Anleger verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Nicht die Nachfrage nach Rheinmetall-Produkten steht derzeit im Vordergrund. Entscheidend ist, wie zuverlässig der Konzern seine außergewöhnlich hohen Auftragsvolumina in Umsatz, operatives Ergebnis und schließlich freien Cashflow verwandeln kann.

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