Deep-Strike-Aufrüstung: Diese Rüstungsaktien profitieren vom Raketen-Test

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Deutsche Fregatte feuert bei rauer See eine Rakete ab; im Hintergrund sind ein Marschflugkörper und ein Raketenwerfer zu sehen.
Bild: KI-generiert mit OpenAI
Die „Sachsen-Anhalt" testete das israelische System Naval LORA – über den Kauf ist noch nicht entschieden.

Erstmals hat eine deutsche Fregatte eine ballistische Rakete abgefeuert – im Test des israelischen Systems Naval LORA. Der eigentliche industrielle Gewinn liegt jedoch bei Taurus NEO und EuroPULS. Ein Überblick, welche Konzerne profitieren – und wer bislang leer ausgeht.

In der Nacht zum 2. September 2026 feuerte die Fregatte „Sachsen-Anhalt“ der Klasse F125 im Nordatlantik zwischen Irland und Island erstmals eine ballistische Rakete von einem deutschen Kriegsschiff ab. Zwei Flugkörper des Typs Naval LORA folgten ihrer vorgesehenen Flugbahn und trafen ihre Ziele. Der Test markiert einen technischen Meilenstein für die Marine – und ist zugleich nur der sichtbarste Teil einer weit größeren industriellen Entwicklung.

Naval LORA stammt vom israelischen Hersteller Israel Aerospace Industries, ist gut fünf Meter lang, wiegt rund 1,6 Tonnen und erreicht nach Herstellerangaben eine Reichweite zwischen 90 und 430 Kilometern. Der Test war jedoch Teil eines laufenden Erprobungsprogramms. Eine Kaufentscheidung ist nach Angaben der beteiligten Stellen noch nicht gefallen.

Was hinter der „Deep-Strike-Lücke“ steckt

Mit Blick auf die deutsche Rüstungsindustrie zählt vor allem eines: Der Test einer ballistischen Rakete allein ist noch kein Geschäft für deutsche Unternehmen. Bislang ist kein deutscher Integrations- oder Zulieferpartner für Naval LORA benannt, eine Beschaffungsentscheidung steht aus. Wer tatsächlich von der Schließung der sogenannten Deep-Strike-Lücke profitiert, zeigt sich stattdessen an zwei bereits vertraglich unterlegten Programmen: Taurus NEO in der Luft und EuroPULS am Boden.


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Was ist die „Deep-Strike-Lücke“?

Als Deep-Strike-Lücke bezeichnen Sicherheitsexperten und Industrievertreter das Fehlen deutscher Fähigkeiten, gegnerische Ziele weit hinter der Front präzise zu bekämpfen. Die Bundeswehr definiert „Deep Precision Strike“ als Wirkung gegen Gefechtsstände, Flugplätze oder logistische Knotenpunkte aus einer Entfernung von mehr als 500 Kilometern. Industrienahe Quellen wie das Fachportal wehrtechnik.info setzen die Schwelle niedriger an und sehen bereits bei rund 300 Kilometern eine kritische Fähigkeitslücke bei bodengestützter Raketenartillerie – die Angaben unterscheiden sich also je nach Betrachtungsebene. Sicherheitsexperte Christian Mölling begründet die Relevanz damit, dass solche Waffen nötig seien, „um russische Truppenbewegungen bereits vor einem möglichen Angriff stören zu können“. Der Fachautor Waldemar Geiger von hartpunkt.de weist zugleich darauf hin, dass eine einzelne Waffe noch keine Fähigkeit ist: Ohne Zielaufklärung, Führungsstruktur und Sensorik zur Kartierung gegnerischer Luftverteidigung bleibt jede Rakete wirkungslos.

Wer an ballistischen Raketen und Marschflugkörpern verdient

Eine Einordnung zeigt, welche Unternehmen bereits konkret vom Ausbau der deutschen Fähigkeiten bei ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Raketenartillerie profitieren – und wer bislang nur strukturell im Umfeld steht:

UnternehmenRolle im Deep-Strike-ÖkosystemBezug zu LORA/Taurus NEO/EuroPULSKennzahl
MBDA Deutschland (mit TAURUS Systems GmbH, Bayern-Chemie, TDW)Systemführer für Taurus NEO; Antriebe und Gefechtskopf aus eigenen TochtergesellschaftenVertrag mit BAAINBw vom 18. Dezember 2025; rund 600 Flugkörper, Gesamtvolumen circa 2,1 Milliarden Euro, Reichweite über 500 Kilometer, Lieferung ab 2029MBDA-Konzern (Frankreich/Großbritannien/Deutschland/Italien): Auftragsbestand 44 Milliarden Euro, Umsatz 2025 rund 5,8 Milliarden Euro (nicht separat für Deutschland ausgewiesen)
KNDS Deutschland (über EuroPULS GmbH, Gemeinschaftsunternehmen mit Elbit Systems Land)Vermarktung, Wartung und technische Betreuung des Raketenartilleriesystems EuroPULS/MARS 3Schließt die Lücke im 150- bis 300-Kilometer-Bereich am Boden; bis zu 500 Systeme für Deutschland avisiert, 250 im ersten RahmenvertragKartellamt-Freigabe des Gemeinschaftsunternehmens im Mai 2026; KNDS-Börsengang für 2026 angekündigt
Diehl DefenceMunitionspartnerschaft mit Elbit für EuroPULS-Raketen; Antriebs- und ZünderkomponentenKooperationsvertrag mit Elbit Systems zu Raketenartilleriemunition; Kapazitätsausbau unter anderem für Antriebskomponenten in RöthenbachRüstungsumsatz 2024 rund 1,8 Milliarden Euro (plus 60 Prozent gegenüber Vorjahr); Investitionsprogramm rund eine Milliarde Euro
Hensoldt (mit ESG Elektroniksystem)Sensorik, Aufklärung und Systemintegration als Voraussetzung für Zielerfassung bei PräzisionsschlägenKein direkter LORA/Taurus-Auftrag bekannt, aber strukturell im Zielortungs- und Aufklärungsverbund der Bundeswehr verankertAuftragsbestand erstes Halbjahr 2026: 10,4 Milliarden Euro (Rekord); Auftragseingang verdoppelt auf 2,8 Milliarden Euro

MBDA Deutschland: der klarste Gewinner bei Taurus NEO

Am eindeutigsten profitiert der Marschflugkörper-Zweig um MBDA Deutschland vom Rüstungsschub. Der Auftrag zur Serienvorbereitung von Taurus NEO ging im Dezember 2025 an die TAURUS Systems GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von MBDA Deutschland und der schwedischen Saab Dynamics AB. Rund 600 Flugkörper sind für ein Gesamtvolumen von etwa 2,1 Milliarden Euro vorgesehen, die Auslieferung soll 2029 beginnen. MBDA-Geschäftsführer Thomas Gottschild spricht von einem gezielten Ausbau „hochmoderner Deep Strike-Fähigkeiten“.

Wichtig für die Einordnung: Antrieb und Gefechtskopf für Taurus NEO stammen aus den MBDA-Tochtergesellschaften Bayern-Chemie und TDW mit Sitz in Schrobenhausen. Der Auftrag bündelt die Wertschöpfung also stark innerhalb der MBDA-Gruppe. Allerdings betreffen die genannten Konzernzahlen – ein Auftragsbestand von 44 Milliarden Euro und ein Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2025 – den gesamten MBDA-Konzern und damit auch die französischen, britischen und italienischen Standorte, nicht isoliert MBDA Deutschland.

KNDS und Diehl schließen die Lücke am Boden

Während Taurus NEO die Luftwaffe adressiert, schließt EuroPULS die Lücke der Landstreitkräfte. Das im März 2026 gegründete Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Elbit Systems Land mit Sitz in Kassel erhielt im Mai 2026 die kartellrechtliche Freigabe. Mit der Predator-Hawk-Munition erreicht das Raketenartilleriesystem bereits rund 300 Kilometer, mit der in Entwicklung befindlichen JFS-M-Rakete sollen künftig bis zu 500 Kilometer möglich sein. Für Deutschland sind laut Fachmedien bis zu 500 Systeme im Gespräch, davon 250 im ersten Rahmenvertrag.

Diehl Defence kooperiert zudem mit Elbit bei der Produktion der Raketenartilleriemunition und meldete für die Rüstungssparte 2024 ein Umsatzplus von 60 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro – ein Wachstum, das nicht allein, aber auch auf diese Kooperation zurückgeht. Beide Fälle zeigen: Bei EuroPULS steckt der eigentliche deutsche Wertschöpfungsanteil in Wartung, Vermarktung und Munition, während das israelische Grundsystem von Elbit stammt.

Hensoldt: Sensorik als Voraussetzung für jede Präzisionswaffe

Kein Rüstungskonzern hat der Debatte um Deep-Strike-Fähigkeiten und ballistische Raketen 2026 finanziell so sichtbar Ausdruck verliehen wie Hensoldt. Der Sensorspezialist meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Auftragsbestand von 10,4 Milliarden Euro und einen auf 2,8 Milliarden Euro verdoppelten Auftragseingang. Ein direkter Vertrag zu Naval LORA oder Taurus NEO ist öffentlich nicht bekannt.

Strukturell ist Hensoldt jedoch, verstärkt durch die 2024 übernommene ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, Teil jener Aufklärungs- und Zielortungskette, ohne die laut Geiger jede Distanzwaffe wirkungslos bleibt. Wie groß der Umsatzanteil ist, der sich konkret dem Deep-Strike-Komplex zuordnen lässt, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht beziffern. Diese Einschränkung gilt für die gesamte Sensorik- und Aufklärungssparte.

Warum Rheinmetall in diesem Ranking fehlt

Auffällig ist, wer in der öffentlich dokumentierten Lieferkette rund um Naval LORA, Taurus NEO und EuroPULS nicht auftaucht: Rheinmetall. Der nach Marktkapitalisierung größte deutsche Rüstungskonzern profitiert zwar von der allgemeinen Aufrüstung der Bundeswehr, etwa bei Munition, Landsystemen und Luftverteidigung, wo er mit Diehl und Hensoldt kooperiert. In den hier recherchierten Programmen rund um ballistische Raketen und Marschflugkörper findet sich für Rheinmetall dagegen keine öffentlich belegte Rolle. Das zeigt, wie konzentriert die industrielle Wertschöpfung bei Marschflugkörpern und ballistischen Raketen bislang auf wenige Spezialanbieter verteilt ist.

Einordnung für Berater und Anleger

Für institutionelle Marktteilnehmer und Vermögensverwalter ergeben sich daraus zwei konkrete Beobachtungspunkte. Erstens steht mit KNDS 2026 ein weiterer Börsengang aus dem Rüstungssektor an, dessen Bewertung sich auch am EuroPULS-Geschäft messen lassen dürfte. Zweitens zeigen die Hensoldt-Zahlen, dass der Markt Aufklärungs- und Sensorwerte inzwischen ähnlich stark honoriert wie reine Waffenplattformen – ein Punkt, der bei reiner Fokussierung auf bekannte Rüstungsnamen leicht übersehen wird.

Wer den Ausbau bei ballistischen Raketen und Marschflugkörpern als Anlagethema betrachtet, sollte MBDA-Beteiligungen allerdings nur über die börsennotierten Mutterkonzerne Airbus, BAE Systems oder Leonardo abbilden, da MBDA Deutschland selbst nicht separat notiert ist.

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