Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman kündigte am 14. September 2026 bei der 70. IAEA-Generalkonferenz in Wien einen Fund von Seltenen Erden und Uran an. Die staatliche Nachrichtenagentur Saudi Press Agency teilte dazu mit, geologische Erkundungen hätten im Gebiet Jabal Sayid in der saudischen Region Medina rund 114 Millionen Tonnen Erz nachgewiesen. Wie viel Metall darin tatsächlich steckt, blieb offen.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Jabal Sayid will Saudi-Arabien 114 Millionen Tonnen Erz identifiziert haben. Angaben zu Metallgehalt oder Wirtschaftlichkeit liefert die Mitteilung nicht. Eine im November 2025 vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) vorgelegte Schätzung beziffert die enthaltenen Seltenen Erden auf insgesamt 907.000 Tonnen. Damit käme die Lagerstätte weltweit auf Rang vier. Diese Zahl beruht allerdings auf einer früheren Analyse als die September-Ankündigung. Beim Uran führt das neue „Red Book“ von IAEA und OECD-Kernenergieagentur das Königreich weiterhin als teuren Förderstandort.
Welche Angaben in der Uran-Meldung fehlen
Für die Einordnung zählt vor allem, was die saudische Mitteilung nicht sagt. Sie nennt weder den Anteil der Seltenen Erden und des Urans am Gestein noch eine eigene Mengenangabe für das reine Metall. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie fehlt ebenfalls. Agenturen, die sich auf Reuters und AP berufen, heben hervor: Gerade der Urangehalt pro Tonne Gestein wäre die entscheidende Kennziffer für Riads Atompläne. Genau diese Zahl bleibt bislang unveröffentlicht.
Offen bleibt zudem, ob die 114 Millionen Tonnen dieselbe Lagerstätte beschreiben, die schon der USGS-Bericht von 1985 untersuchte. Hinzu kommt eine Unschärfe in der Berichterstattung: Verschiedene Agenturmeldungen vom 14. und 15. September 2026 sprachen wahlweise von rund 110 oder rund 114 Millionen Tonnen. Eine Erklärung für die Differenz liegt bislang nicht vor.
Jabal Sayid ist keine neue Entdeckung
Der Fundort ist in der Fachwelt kein Unbekannter. Schon 1985 untersuchte der US Geological Survey (USGS) in einem Bericht von M. Staatz und I. K. Brownfield Bohrkerne aus dem Apogranit von Jabal Sa’id, wie der Ort damals geschrieben wurde. Als Hauptträger der Seltenen Erden bestimmten die beiden Autoren die Minerale Bastnäsit und Doverit, als Thoriumträger das Mineral Thorit. Die Mineralisierung ist damit seit rund 40 Jahren dokumentiert.
Wie viel Uran und Seltene Erden stecken wirklich drin?
Wie viel Metall tatsächlich in Jabal Sayid liegt, lässt sich bislang nur über eine externe Quelle annähern. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) veröffentlichte am 19. November 2025 eine Analyse, die sich auf Daten stützte, welche vom saudischen Ministerium für Industrie und Mineralressourcen und vom Bergbaukonzern Maaden stammten. Die Denkfabrik veranschlagt den Anteil schwerer Seltener Erden - hauptsächlich Dysprosium und Terbium - auf rund 552.000 Tonnen. Hinzu kommen 355.000 Tonnen leichte Seltene Erden, darunter vor allem Neodym und Praseodym.
In Summe ergibt das 907.000 Tonnen enthaltene Seltene Erden. Damit käme Jabal Sayid nach Einschätzung des CSIS weltweit auf Rang vier der größten bekannten Ressourcen. Wichtig für die Einordnung: Die CSIS-Analyse stammt aus dem November 2025 und damit aus der Zeit vor der offiziellen Angabe von 114 Millionen Tonnen. Ob sich beide Zahlen auf dieselbe geologische Ressource beziehen, geht aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig hervor.
Uran-Förderung: zwischen Ambition und hohen Kosten
Am selben Tag wie die Verkündung in Wien erschien ein weiteres Dokument: das „Red Book 2026“, die gemeinsame Rohstoffübersicht von IAEA und der Nuklearenergieagentur der OECD (NEA). Darin tauchen Saudi-Arabiens Uranressourcen mit rund 31.700 Tonnen in der gesicherten Kategorie „Reasonably Assured Resources“ auf. Weitere rund 32.400 Tonnen führt der Bericht in der unsicheren Kategorie „inferred“. Die genannten Förderkosten reichen bis zu 260 US-Dollar pro Kilogramm. Zum Vergleich: Die kanadische Mine Cigar Lake kalkuliert mit rund 40 bis 65 US-Dollar. Schon der Vorgängerbericht „Uranium 2022“ stufte die saudischen Vorkommen als „severely uneconomic“ ein. Riad investierte bereits ab dem Jahr 2017 eine Summe von über 37 Millionen US-Dollar in entsprechende Explorationsarbeiten.
Nukleare Diplomatie und Uran aus Phosphat
Die Zusammenarbeit mit Washington läuft unterdessen weiter. US-Energieminister Chris Wright und Prinz Abdulaziz bin Salman hatten bereits im Juli 2026 ein als „123-Abkommen“ bezeichnetes Vertragswerk zur zivilen Nuklearkooperation inklusive bilateralem Sicherungsabkommen unterschrieben. Darin verpflichtet sich Riad, in den ersten zehn Jahren keine eigene Technologie zur Urananreicherung zu entwickeln.
Eine weitere mögliche Uranquelle hat die Forschung bereits durchgerechnet. Eine Studie von Salah Ud-Din Khan von der König-Saud-Universität und Koautoren erschien im Juli 2024 im Fachjournal „Frontiers in Earth Science“. Danach hätte Saudi-Arabien 2021 theoretisch zwischen 447 und 596 Tonnen Natururan aus der Phosphorsäureproduktion gewinnen können. Rechnerisch entspräche das zwölf bis 16 Prozent des jährlichen Uranbedarfs, den die saudische Kernkraftflotte 2040 haben soll.
Jabal Sayid im globalen Vergleich
Erst der Vergleich mit anderen großen Lagerstätten zeigt, wie wenig die saudische Zahl bislang aussagt. Beim australischen Projekt Mount Weld nennt der Betreiber Lynas sowohl die Menge des Erzes als auch den daraus errechneten Metallanteil. Für Jabal Sayid liegt dagegen nur die Erzmenge vor.
| Lagerstätte | Land | Ressource (Erz) | Enthaltene Seltene Erden | Status |
|---|---|---|---|---|
| Jabal Sayid | Saudi-Arabien | 114 Millionen Tonnen (Meldung September 2026) | rund 907.000 Tonnen (CSIS-Schätzung, November 2025) | Gehalts- und Machbarkeitsdaten amtlich nicht bestätigt |
| Mount Weld | Australien | 106,6 Millionen Tonnen Ressourcen / 32,0 Millionen Tonnen Reserven | 4,39 Millionen Tonnen TREO (Ressourcen) / 2,06 Millionen Tonnen TREO (Reserven) | Größte bekannte Lagerstätte außerhalb Chinas (Lynas) |
| Per Geijer (Kiruna) | Schweden | keine Gesamttonnage veröffentlicht | über eine Million Tonnen Seltene-Erden-Oxide | Laut LKAB zehn bis 15 Jahre Genehmigungsverfahren bis zum Abbaubeginn |
Das schwedische Projekt Per Geijer zeigt zudem, wie viel Zeit zwischen Fund und Förderung liegen kann. LKAB meldete das Vorkommen am 12. Januar 2023 als größtes bekannt gewordenes seiner Art in Europa. Bis zum Abbaubeginn rechnet das Unternehmen mit zehn bis 15 Jahren Genehmigungsverfahren.
Deutschland bleibt bei Seltenen Erden von China abhängig
An der deutschen Importabhängigkeit ändert die saudische Uran-Meldung zunächst nichts. Das Statistische Bundesamt beziffert die Einfuhren Seltener Erden für 2025 auf rund 5.500 Tonnen, ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber 2024. China gab dabei Marktanteile ab: Sein Anteil fiel von 65,4 Prozent im Jahr 2024 auf 55,4 Prozent. Die Volksrepublik bleibt damit aber die mit Abstand größte Bezugsquelle.
Besonders deutlich zeigt sich die Abhängigkeit bei den schweren Seltenen Erden. Laut einer Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stammen Dysprosium und Terbium praktisch vollständig aus China oder aus Abbau in Myanmar mit anschließender Raffination in China. Die Heinrich-Böll-Stiftung kommt für 2023 auf einen Myanmar-Anteil von rund zwei Dritteln am weltweiten Angebot beider Metalle. China führte in jenem Jahr rund 41.700 Tonnen aus dem von Bürgerkrieg geprägten Land ein - ein Volumen, das die eigene Fördermenge um mehr als das Doppelte überstieg.
Maaden und MP Materials planen Raffinerie in Saudi-Arabien
Jenseits der Exploration gibt es bereits ein verbindliches Projekt. Am 19. November 2025 vereinbarten drei Partner - der saudische Staatskonzern Maaden, der US-Konzern MP Materials sowie das US-Verteidigungsministerium - verbindlich den Bau einer Raffinerie für Seltene Erden in Saudi-Arabien. Maaden hält daran mindestens 51 Prozent, MP Materials und das Ministerium zusammen 49 Prozent. Den US-Anteil finanziert das Ministerium ohne Rückgriffsrecht.













