Der nächste Zyklus wird nicht primär über „Länderwetten“ entschieden, sondern über die Auswahl von Branchenführern in strukturellen Gewinnerfeldern. Drei miteinander verknüpfte Themen sind dabei zentral:
KI-Infrastruktur und Investitions-Superzyklus: Profiteure sind Anbieter entlang der Wertschöpfungskette, von hochentwickelten Halbleitern und Hardware bis zu Rechenzentrums- und Netzwerkinfrastruktur. Entscheidend sind Unternehmen mit Preissetzungsmacht und klarer Rolle in kritischen Lieferketten.
Elektrifizierung und Energiesouveränität: Der steigende Strombedarf digitaler Anwendungen trifft auf politische Prioritäten rund um Versorgungssicherheit. Das stützt Investitionen in Netze, Energieausrüstung, Speicher und ausgewählte Transformationsmaterialien.
Corporate Governance als Werttreiber: Reformprogramme in den Schwellenländern können Kapitalrenditen verbessern und Aktionärswert freisetzen. Das ist insbesondere dort der Fall, wo Verwässerungstrends zurückgehen und Ausschüttungen bzw. Rückkäufe an Bedeutung gewinnen.
Trotz aller positiven Entwicklungen bleiben Schwellenländer ein heterogenes Anlageuniversum. Umso wichtiger ist es für Anleger, nach klaren Kriterien zu investieren und die Risiken aktiv zu steuern.
Konkret bedeutet das: Die Qualität von Unternehmen (ROIC, Bilanzstärke, Corporate Governance) und die Resilienz des Geschäftsmodells sollten Vorrang vor reinen Makro-Narrativen haben. Da Wechselkurse und Marktvolatilität kurzfristig dominieren können, ist ein angemessener Zeithorizont und gute Diversifikation bei der Anlage in Schwellenländern entscheidend. Und schließlich sollten Politik- und Liquiditätsrisiken bei der Portfoliokonstruktion und den Positionsgrößen nicht vernachlässigt werden.
Generell jedoch haben Schwellenländer eine strukturelle Widerstandsfähigkeit erreicht, die vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen wäre. Das Risiko einer Unterallokation in Schwellenländeranlagen ist deshalb unseres Erachtens nach deutlich höher als das Risiko einer Überallokation. Die Märkte haben das Kapitel Schwellenländer in vielen Köpfen bereits umgeschrieben. Anleger sollten das ebenfalls tun und das Universum über die Themen und die Qualitätsführer des nächsten Zyklus erschließen.
Autor Thomas Schaffner ist Co-Head mtx Equities bei Vontobel.












