Globale Zinswende: Risikoanlagen trotzen dem Sturm – vorerst

Anleihen versus Aktien
Foto: stock.adobe.com/ sergey_p
Anleiherenditen auf Jahrzehntehochs, Aktien vorerst stabil: Marktstratege Christian Floro analysiert die wachsenden Risiken für Portfolios.

Langfristige Staatsanleihen in den USA, Japan, Großbritannien und Deutschland notieren auf Renditeständen, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Aktien zeigen sich bislang widerstandsfähig – gestützt durch starke Unternehmensgewinne. Doch wie lange hält diese Stabilität noch an?

Die jüngsten Zinsturbulenzen haben die Renditen langfristiger Staatsanleihen auf bemerkenswerte historische Extremwerte getrieben: So erreichten die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen ihren höchsten Stand seit 2007, 30-jährige JGBs den höchsten seit ihrer Einführung 1999, britische Gilts den seit 1997 und deutsche Bundesanleihen den seit 2011. Dennoch haben Aktien gleichzeitig den Renditeanstieg ohne allzu großen Schaden verkraftet, unterstützt durch starke Unternehmensgewinne. Diese Widerstandsfähigkeit sollte jedoch nicht als selbstverständlich angesehen werden, denn das Gleichgewicht der Risiken steht zunehmend auf Messers Schneide.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die globalen Anleihemärkte haben in den letzten Wochen stark nachgegeben und die langfristigen Renditen in den wichtigsten Regionen auf die höchsten Niveaus seit Jahrzehnten getrieben. Das ist keine Serie isolierter Marktbewegungen. 

Vielmehr preisen die globalen Anleihemärkte ein Bündel gemeinsamer Risiken neu ein: eine hartnäckigere Inflation, eine expansive Fiskalpolitik und die erhöhte geopolitische Unsicherheit durch eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus. Zusammen untergraben diese Kräfte, weiter verstärkt durch ein starkes US-Wachstum, das Vertrauen in den Weg hin zu einer geldpolitischen Lockerung und treiben die Renditen weltweit in die Höhe.

Trotzdem haben Aktien die Zinsturbulenzen ohne allzu großen Schaden überstanden. Abgefedert wird der Schlag durch starke Unternehmensgewinne weltweit. Tatsächlich wurden die globalen EPS-Erwartungen seit Beginn des US-Iran-Konflikts nach oben korrigiert, was die anhaltende Stärke der US-Gewinne sowie eine größere Widerstandsfähigkeit in Europa als ursprünglich befürchtet widerspiegelt.

Mit Blick auf die kommenden Monate dürften sich US-Aktien angesichts steigender Zinsen weiterhin relativ widerstandsfähig zeigen – unterstützt durch starke Gewinne, den KI-getriebenen Investitionszyklus und eine geringere direkte Betroffenheit durch höhere Energiekosten. Allerdings sollte die Widerstandsfähigkeit von US-Aktien nicht als selbstverständlich angesehen werden: Ein weiterer Anstieg der Energiepreise, insbesondere, wenn er das Wachstum schwächt und eine restriktivere Reaktion der US-Notenbank auslöst, würde diese relative Stärke auf die Probe stellen. Infolgedessen wird die Risikobilanz zunehmend feiner austariert. In diesem Umfeld ist die Widerstandsfähigkeit des Portfolios von entscheidender Bedeutung – und nicht die Wette auf eine bestimmte Marktrichtung. 

Christian Floro ist Marktstratege bei Principal Asset Management,

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen