Swiss Re warnt vor wachsenden Waldbrandschäden

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Hand mit Feuerhandschuh und Löschschlauch. Im Hintergrund verschwommen ein Feuer.
Bild: NikProArt – stock.adobe.com
Rund vierzig Prozent der amerikanischen Rechenzentrumskapazitäten liegen in Gebieten mit erhöhtem Tornadorisiko.

Waldbrandschäden wachsen weltweit stärker als jedes andere Wetterrisiko, warnt Swiss Re beim Rückversicherertreffen in Monte Carlo. Betroffen sind vor allem Europa und die USA – mit Folgen für Prämien und Kapazitäten in der Schaden- und Unfallversicherung.

Swiss Re warnt vor wachsenden Waldbrandschäden und positioniert sich damit deutlich im Preiskampf mit den Erstversicherern. Waldbrände seien weltweit das am stärksten wachsende Wetterrisiko, teilte der Rückversicherer am Montag beim traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo mit. Für Berater und Vermögensverwalter mit Kunden aus der Versicherungsbranche ist die Botschaft eindeutig: Das Thema Feuer gewinnt in der Risikobewertung an Gewicht, während sich die Rückversicherungspreise insgesamt entspannen.

Schäden wachsen zweistellig pro Jahr

Nach Berechnungen von Swiss Re sind die versicherten Schäden durch Waldbrände in Europa in den vergangenen Jahrzehnten um schätzungsweise acht bis elf Prozent pro Jahr gestiegen. Damit übertrifft die Zuwachsrate andere wetterbedingte Risiken deutlich. Der Rückversicherer begründet die Entwicklung nicht allein mit dem Klimawandel, sondern auch mit der Siedlungsentwicklung: „Das Risiko wächst weiter, weil immer mehr Menschen und Vermögenswerte in waldbrandgefährdeten Gebieten angesiedelt sind.“

Diese Aussage verweist auf einen Effekt, den Fachleute als „Exposure-Wachstum“ bezeichnen: Je mehr Gebäude und Infrastruktur in brandgefährdeten Regionen entstehen, desto teurer wird ein einzelnes Feuer für die Versicherungswirtschaft – unabhängig davon, ob die Brände selbst häufiger oder intensiver werden.


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Kalifornien liefert den bisherigen Rekordwert

Wie teuer ein einzelnes Ereignis ausfallen kann, zeigten die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025. Nach Berechnungen des weltgrößten Rückversicherers Munich Re richteten sie volkswirtschaftliche Schäden von etwa 54 Milliarden Dollar an. Davon musste die Versicherungsbranche rund 40 Milliarden Dollar tragen – die teuerste Katastrophe dieser Art in der Geschichte.

In Europa fielen die Folgen zuletzt deutlich glimpflicher aus. Feuer brachen zwar nahe Bordeaux, Marseille und Madrid aus, zudem war Sizilien betroffen. Weil die Brände jedoch überwiegend ländliche Regionen trafen, hielten sich die versicherten Schäden in Grenzen. Der Unterschied zeigt, wie stark das Schadenpotenzial von der Nähe zu bebauten Flächen abhängt – ein Aspekt, der für die Risikomodellierung in der Sachversicherung zunehmend relevant wird.

EreignisVolkswirtschaftlicher SchadenVersicherter Schaden
Waldbrände Kalifornien, Anfang 2025etwa 54 Milliarden Dollaretwa 40 Milliarden Dollar
Waldbrände Südeuropa, 2025 (Bordeaux, Marseille, Madrid, Sizilien)keine Angabevergleichsweise gering, da überwiegend ländliche Gebiete betroffen

Rückversicherungspreise sinken trotz steigender Waldbrandschäden

Die Warnung vor Waldbrandschäden fällt in eine Phase, in der sich der Rückversicherungsmarkt insgesamt entspannt. Seit dem Wochenende verhandeln Rückversicherer traditionell mit Erstversicherern wie Allianz und Generali sowie mit Maklern in Monaco über Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum Jahreswechsel. Nach den immensen Prämienerhöhungen der vergangenen Jahre wird Rückversicherungsschutz im Schaden- und Unfallgeschäft seit Anfang 2025 wieder günstiger. Ratingagenturen gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis 2027 fortsetzt.

Für Erstversicherer entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Einerseits sinken die Einkaufskosten für Rückversicherungsschutz, andererseits mahnt Swiss Re zu höherer Wachsamkeit bei einem einzelnen Gefahrenfeld. Wer Sachversicherungsportfolios betreut, sollte diese Entwicklung bei der Bewertung von Konzentrationsrisiken in waldbrandgefährdeten Regionen berücksichtigen.

Rechenzentren für Künstliche Intelligenz als neues Wachstumsfeld

Neben Waldbrandschäden nennt Swiss Re ein zweites Thema, das die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz erhöhen dürfte: den Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Die kumulierten Investitionen in diesem Bereich sollen bis 2030 mehr als sechs Billionen US-Dollar erreichen. Swiss Re schätzt, dass die daraus resultierenden Versicherungsprämien bis Ende des Jahrzehnts 91 Milliarden Dollar erreichen könnten.

Auch hier spielt das Wetter eine Rolle: Rund 40 Prozent der amerikanischen Rechenzentrumskapazitäten befinden sich Berechnungen zufolge in Gebieten mit beträchtlichem bis sehr hohem Tornadorisiko. Für Vermögensverwalter und institutionelle Investoren, die in diese Infrastruktur investieren, dürfte das Zusammenspiel aus Wetterrisiko und Versicherbarkeit damit zu einem zusätzlichen Prüfpunkt bei der Standortwahl werden.


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