Die Verbraucherstimmung in Deutschland bleibt schwach, obwohl sich der Blick auf die Gesamtwirtschaft aufhellt. Für November 2026 erwarten die Konsumforscher von GfK und NIM (Nürnberg Institut für Marktentscheidungen) einen Konsumklima-Wert von minus 30,8 Punkten. Der Index fällt damit um 0,2 Punkte im Vergleich zum nach oben korrigierten Oktoberwert von minus 30,6 Punkten.
Für die monatliche Erhebung wurden im Auftrag der EU-Kommission rund 2.000 Verbraucher in Deutschland befragt. Als bedeutender Frühindikator für den privaten Konsum, der etwa die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht, gilt das Konsumklima. Die Verbraucherstimmung in Deutschland bewegt sich damit weiterhin deutlich im negativen Bereich.
Konjunkturerwartung legt bereits zum sechsten Mal zu
Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Konjunkturerwartung der Verbraucher legte im Oktober 2026 bereits zum sechsten Mal in Folge zu. Mit einem Plus von 2,1 Punkten notiert sie damit zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wieder im positiven Bereich.
Im eigenen Geldbeutel kommt davon jedoch wenig an. „Die Verbraucher blicken zwar zunehmend optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch beim Blick in den eigenen Geldbeutel überwiegt weiterhin die Skepsis“, sagt NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.
Einkommenssorgen bremsen die Kauflaune
Die Einkommenserwartung sank im Oktober um 0,7 Punkte auf minus 15,7 Punkte. Auch die Anschaffungsneigung gab nach, also die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen. Sie fiel um gut einen Punkt auf minus 11,9 Punkte.
„Wachsende Inflationssorgen und verhaltene Einkommensaussichten bremsen die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen, auch wenn die Sparneigung etwas sinkt“, erklärt Bürkl.
| Indikator | Wert | Veränderung |
|---|---|---|
| Konjunkturerwartung | +2,1 Punkte | 6. Anstieg in Folge |
| Einkommenserwartung | -15,7 Punkte | -0,7 Punkte |
| Anschaffungsneigung | -11,9 Punkte | rund -1 Punkt |
| Sparneigung | 17,2 Punkte | -4,3 Punkte |
| Konsumklima (Prognose für November 2026) | -30,8 Punkte | -0,2 Punkte |
Inflation treibt die Verbraucherstimmung in Deutschland
Hinter der Zurückhaltung der Verbraucher steckt vor allem die Teuerung. Im September 2026 kletterte die Inflationsrate in Deutschland auf 3,3 Prozent - das ist der höchste Wert seit Dezember 2023 laut Statistischem Bundesamt. Als Haupttreiber erwiesen sich die Energiepreise, die innerhalb eines Jahres um 14,9 Prozent anstiegen. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag mit 2,4 Prozent niedriger.
Für Berater mit Kunden aus dem Konsumgüter- oder Einzelhandelsvertrieb lässt sich daraus Folgendes ableiten: Solange Energiepreise und Kerninflation auf den Erwartungen der Haushalte lasten, wird der private Konsum vermutlich nur verhalten zum Wachstum beitragen.
Sparneigung sinkt, bleibt aber hoch
Ein Lichtblick in den Oktoberdaten: Die Sparneigung der Deutschen reduzierte sich um 4,3 Punkte auf 17,2 Punkte. Damit bewegt sich der Wert jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. Er zeigt, wie stark die Verbraucherstimmung in Deutschland weiterhin von Zurückhaltung geprägt ist.
Das bestätigen auch amtliche Zahlen: Im zweiten Quartal 2026 betrug die Sparquote der privaten Haushalte 9,6 Prozent, nach Saisonbereinigung 10,1 Prozent. Im internationalen Vergleich spart Deutschland ohnehin überdurchschnittlich viel. Die deutsche Bruttosparquote betrug 2025 insgesamt 18,9 Prozent und lag damit über dem EU-Schnitt von 14,3 Prozent sowie deutlich über dem Wert der USA mit 10,7 Prozent. Lediglich die Schweiz übertraf diesen Wert mit 27,4 Prozent noch, wie Destatis zum Weltspartag Ende Oktober 2026 berichtete.
Tankrabatt zeigt bislang wenig Wirkung
Seit Anfang Oktober 2026 senkt der Staat befristet die Energiesteuer auf Kraftstoffe. Rechnerisch verbilligen sich Benzin und Diesel dadurch je Liter um 14,04 Cent, unter Einbeziehung des Umsatzsteuereffekts um etwa 17 Cent. Die Maßnahme gilt bis zum 31. Dezember 2026. Der sogenannte Tankrabatt führt nach Angaben des Bundesfinanzministeriums zu Steuermindereinnahmen von rund 2,485 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder teilen.
Auf die Konsumstimmung hat die Entlastung bislang keine messbare Wirkung gezeigt. „Die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung ist da, aber die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, zieht bislang noch nicht mit“, sagt Bürkl.
Infobox: Wie das Konsumklima berechnet wird
Das deutsche Konsumklima wird von GfK und NIM bereits seit 1980 monatlich erfasst, seit Mai 2019 erfolgt dies mittels Online-Befragung. Drei Teilindikatoren bilden den Gesamtindex: Konjunkturerwartung, Einkommenserwartung sowie Anschaffungsneigung. Veröffentlicht wird dabei stets eine Vorausschau auf den kommenden Monat. Der Wert für November von minus 30,8 Punkten stützt sich deshalb auf die Befragung im Oktober und nicht auf Daten aus dem November selbst.













