Sorgen um die Nachhaltigkeit der französischen Staatsfinanzen und die Angst vor einer Wiederholung der Eurokrise lassen die Europäische Zentralbank in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Zwar ist nicht zu erwarten, dass die EZB am Donnerstag dieser Woche bei ihrer Zinsentscheidung Hinweise, man würde besondere Rücksicht auf Frankreich nehmen, an die Öffentlichkeit dringen lassen möchte. Immerhin war Christine Lagarde, die EZB-Präsidentin, früher französische Finanzministerin. Zumindest aber dürfte es nicht falsch sein anzunehmen, dass die EZB nicht ohne Not durch unerwartete Aktionen die Schuldensituation der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft weiter wird verschärfen wollen. Insofern spricht - trotz zu hoher Inflation im Euroraum - alles für einen unveränderten Zinssatz. In der Pressekonferenz dürfte Frau Lagarde jeden Eindruck vermeiden wollen, die EZB würde bei ihren geldpolitischen Entscheidungen Rücksicht auf ein einzelnes Land nehmen - und sei es ein so wichtiges wie Frankreich.
Nicht nur in Europa steht in dieser Woche eine Zinsentscheidung an, sondern auch in Kanada, Japan und den Vereinigten Staaten. Trotz deutlich erhöhter Inflation wird auch für die Fed in diesem Monat keine Zinserhöhung durch den Offenmarktausschuss (FOMC) erwartet. Hintergrund dürfte sein, dass die meisten Marktteilnehmer erwarten, die Notenbank wolle sich wenige Tage vor den wichtigen Zwischenwahlen am 3. November nicht dem Vorwurf aussetzen, dem einen oder anderen politischen Lager Hilfe zu leisten. Für den nächsten FOMC-Termin am 9. Dezember preist der Markt dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Zinserhöhung ein. Die Notenbanken bleiben also gefangen in dem schwierigen Wechselspiel von Inflationsbekämpfung, politischen Abwägungen und zunehmend fragilen Finanzmarktbedingungen. Die verbleibenden zwei Monate bis zum Jahresende versprechen, volatil zu werden.














