Im kanadischen Borealwald verstärken sich klimabedingte Risiken gegenseitig. Hitzestress, Dürre, Waldbrände, Wasserknappheit und auftauender Permafrost belasten Wälder, abgelegene Infrastruktur und Lieferketten, auf die Kanadas Rohstoffwirtschaft und viele weitere Branchen angewiesen sind. HDI Risk Consulting, eine hundertprozentige Tochter des Corporate- und Specialtyversicherers HDI Global, hat diese Risiken analysiert, ergänzend mit dem Werkzeug Argos 4.0, das Klimarisiken einzelner Standorte visualisiert und bewertet.
Der Borealwald erstreckt sich von Kanada bis in den Norden der USA und verbindet Forstwirtschaft, Bergbau, Energieerzeugung, Verkehrsinfrastruktur und abgelegene Gemeinden. Ein einzelnes Extremereignis kann deshalb mehrere Branchen und Länder gleichzeitig treffen.
„Klimarisiken wirken entlang vernetzter Systeme“, sagt Wiebke Cundill, Team Lead Natural Hazards and Climate Risks Analysis bei HDI Risk Consulting. „Mit präzisen Standortanalysen helfen wir Unternehmen, Auswirkungen auf Infrastruktur, Geschäftskontinuität und Investitionsentscheidungen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten.“
Wie Hitze, Dürre und Waldbrände Lieferketten belasten
Steigende Temperaturen erhöhen die Verdunstung, senken die Bodenfeuchtigkeit und machen Bäume anfälliger für Schädlinge und Brände. Für Unternehmen bedeutet das eine geringere Produktivität in der Forstwirtschaft sowie höhere Kosten für Wasserversorgung und Brandschutz. Wasserknappheit kann Bergbau-, Energie- und Industrieanlagen einschränken, sinkende Wasserstände die Wasserkraft. In nördlichen Regionen treibt auftauender Permafrost zudem Transportkosten und Lieferzeiten.
Waldbrände zählen zu den gravierendsten Risiken. Im Jahr 2023 verbrannten in Kanada mehr als 15 Millionen Hektar Wald, rund das Siebenfache des historischen Durchschnitts eines El-Niño-Jahres und etwa die Fläche Griechenlands. Großbrände können Moor- und Torfböden schädigen, Kohlenstoffemissionen freisetzen sowie Straßen, Bahnstrecken, Pipelines und Stromnetze beschädigen.
Wie hoch die Schäden ausfallen können, zeigt Fort McMurray: Die Brände im Jahr 2016 verursachten Gesamtschäden von rund 7,2 Milliarden kanadischen Dollar, darunter Betriebsunterbrechungsschäden von etwa 1,9 Milliarden kanadischen Dollar. Die Jasper-Brände im Jahr 2024 beeinträchtigten das Schienennetz von CN Rail und verzögerten Transporte zu den Häfen Vancouver und Prince Rupert. Schätzungen zufolge waren 7,9 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung betroffen, in Edson im Jahr 2023 rund zehn Prozent.
Warum ein Waldbrand in Kanada auch US-Unternehmen trifft
Kanadisches Holz, Energie und mineralische Rohstoffe sind wichtige Bestandteile der US-amerikanischen Bau- und Fertigungsindustrie. Zudem zählt Kanada zu den wichtigsten Lieferanten von Rohöl, Erdgas und Wasserkraft für die USA. Rauch aus Waldbränden erreicht regelmäßig den Norden und Mittleren Westen des Landes und schränkt Branchen ein, die im Freien arbeiten.
„Klimarisiken enden nicht an der Landesgrenze“, sagt Dr. Nina Lenz, Risk Analyst Natural Hazards & Climate Risks bei HDI Risk Consulting. „Ein Waldbrand in Alberta oder British Columbia kann sich andernorts in Form verzögerter Lieferungen, unterbrochener Energieverbindungen oder einer verlangsamten Produktion bemerkbar machen. Unternehmen sollten daher nicht nur ihre Standorte, sondern ihr gesamtes Netzwerk aus Infrastruktur- und Lieferkettenabhängigkeiten bewerten.“
Als Handlungsfelder nennt die Analyse unter anderem klimaresilientes Waldmanagement, den Schutz von Mooren und Feuchtgebieten, Frühwarnsysteme, Brandschutzstreifen und Vegetationsmanagement rund um kritische Infrastruktur. Hinzu kommen angepasste Fundamente bei Permafrost sowie ein Business-Continuity-Management mit diversifizierten Transportwegen und redundanten Energie- und Kommunikationssystemen. „Durch die Verknüpfung physischer Klimadaten mit einem Verständnis betrieblicher Abhängigkeiten können Unternehmen Risikoschwerpunkte frühzeitig erkennen, Präventionsmaßnahmen gezielt priorisieren und das Risiko reduzieren, dass lokale Ereignisse zu weitreichenden Betriebsunterbrechungen werden“, sagt Klaus Navarrete, Managing Director von HDI Global Canada.














