Versicherer drängen auf Fortsetzung der Rentenreform nach den Landtagswahlen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Jörg Asmussen, GDV, Hauptgeschäftsführer
Foto: GDV
Jörg Asmussen: „Der Entwurf geht in die richtige Richtung, weil er an einem entscheidenden Hebel ansetzt, um die Finanzlage der gesetzlichen Rente langfristig zu stabilisieren."

Die Versicherungswirtschaft dringt darauf, den Reformkurs bei der Altersvorsorge auch nach den Landtagswahlen beizubehalten. Zum Auftakt des Versicherungstags in Berlin legt sie zudem einen Vorschlag für die Betriebsrente in kleinen Firmen vor. Warum dort der größte Nachholbedarf besteht, belegen die Zahlen.

Die deutsche Versicherungswirtschaft fordert, den Reformkurs bei der Altersvorsorge fortzusetzen. Zum Auftakt des Versicherungstags in Berlin dringt sie darauf, an der Linie der Rentenkommission auch nach den Landtagswahlen festzuhalten. „Altersvorsorge ist Generationenpolitik. Werden notwendige Reformen grundsätzlich in Frage gestellt, zahlen vor allem die Jüngeren dafür“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Die Rentenkommission habe ein tragfähiges Konzept vorgelegt, das nun umzusetzen sei. Reformen dürften nicht wieder auf die lange Bank geschoben werden.

Laut Referentenentwurf plant die Bundesregierung einen Umbau des Rentenzugangs: Frühverrentungsmöglichkeiten sollen begrenzt, die Rente mit 63 abgeschafft und das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Dadurch sinken die Ausgaben im Umlagesystem. „Der Entwurf geht in die richtige Richtung, weil er an einem entscheidenden Hebel ansetzt, um die Finanzlage der gesetzlichen Rente langfristig zu stabilisieren“, sagt Asmussen. Den entstehenden Spielraum solle die Politik für den Ausbau der Kapitaldeckung nutzen.

Betriebsrente in kleinen Betrieben ausbauen

Weiteren Handlungsbedarf sieht die Branche bei der betrieblichen Altersversorgung. Gut die Hälfte der Beschäftigten, 18,1 Millionen, hat heute eine Anwartschaft auf eine Betriebsrente. In Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten liegt die Verbreitung bei 86 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten hat nur etwa jeder Vierte eine betriebliche Altersversorgung.

Kleinen Betrieben fehlt ein einfaches Angebot. Die Versicherer schlagen deshalb ein standardisiertes Basisprodukt vor, das auf der Direktversicherung aufbaut und sich beim Arbeitgeberwechsel mitnehmen lässt. Eine zentrale Administrationsplattform soll kleinere Arbeitgeber bei Verwaltung und Abwicklung entlasten. Am 8. Oktober beginnt der Sozialpartnerdialog, den die Versicherer mit diesem Vorschlag begleiten.

„Bei der Betriebsrente zeigt sich noch immer ein deutliches Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen. Wenn wir mehr Beschäftigte erreichen wollen, müssen Lösungen auch für Friseure und Dachdecker einfach und praktikabel sein“, sagt Asmussen.

Neue private Altersvorsorge startet zum Jahreswechsel

Das bereits beschlossene Altersvorsorgereformgesetz soll das zusätzliche Vorsorgen erleichtern. Zum Jahreswechsel wird das Riester-System für Neuverträge abgelöst, bestehende Verträge lassen sich fortführen. Künftig stehen unterschiedliche Anlage- und Garantiekonzepte zur Wahl, Garantieprodukte mit gesicherter Mindestauszahlung bleiben möglich.

Die Versicherer wollen zum 1. Januar 2027 mit neuen Angeboten starten. Kundinnen und Kunden sollen sich diese je nach gewünschter Sicherheit und Renditechance zusammenstellen können, auch bei der Auszahlung gibt es mehr Wahlmöglichkeiten.

Das Nachfolgemodell mache vieles besser, sagt Asmussen: Es lasse den Menschen die Wahl zwischen Sicherheit und Renditechancen und vereinfache die Förderung spürbar. „Kein anderer Anbieter deckt die ganze Bandbreite ab, von der lebenslangen Garantie bis zur chancenorientierten Anlage. Vor allem die verlässliche Absicherung bis ans Lebensende, also eine Rente, die so lange zahlt, wie man lebt, kann nur die Versicherungswirtschaft bieten“, sagt Asmussen.

Versicherer verwalten 1,9 Billionen Euro

Die deutschen Versicherer verwalten rund 1,9 Billionen Euro, davon 114 Milliarden Euro in Infrastruktur. Mehr als 500 Millionen Verträge sichern Haushalte und Unternehmen ab. 2025 stiegen die Beitragseinnahmen um 6,8 Prozent auf 254 Milliarden Euro, rund 485.600 Menschen arbeiten in der Branche.

Ende 2025 hatten die Lebensversicherer mehr als 46 Millionen Rentenversicherungen im Bestand. Sie zahlten im vergangenen Jahr rund 99 Milliarden Euro an Leistungen aus, rund 271 Millionen Euro pro Tag. Einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds bestehen in der Lebensversicherung rund 83 Millionen Verträge.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments