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Rechenzentren, Energiewende und geopolitischer Druck: Infrastruktur als Kerninvestment des nächsten Jahrzehnts

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Roger Wirth von Aon
Foto: Aon
Roger Wirth, Leiter M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft DACH und CEE, AON

KI, Energiewende und geopolitische Fragmentierung verändern die Infrastrukturmärkte. Infrastruktur ist längst keine rein defensive Anlageklasse mehr, sondern ein zentrales Feld für Investoren, M&A und Plattformstrategien. Rechenzentren, Energienetze und Erneuerbare gelten als besonders dynamisch. Gastbeitrag von Roger Wirth, Head Central Region, DACH & CEE bei Aon.

Die Nachfrage nach Infrastruktur wächst weltweit. Dabei bestimmen vier strukturelle Megatrends die Entwicklung: demografische Divergenz, der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft, KI und digitale Disruption sowie die geopolitische Fragmentierung. Vor allem die Digitalisierung treibt den Investitionsbedarf. Das Wachstum von Datenmengen, KI-Anwendungen und Cloud-Diensten erhöht die Nachfrage nach Rechenkapazität rasant. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf. Rechenzentren und Energieinfrastruktur werden deshalb zunehmend als zwei Seiten derselben Entwicklung betrachtet.

Infrastruktur im Zentrum der globalen Transformation

Zusätzlichen Druck erzeugt die geopolitische Fragmentierung. Staaten, die auf den Import fossiler Energieträger angewiesen sind, investieren in Infrastruktur, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Regierungen setzen stärker auf heimische Energiequellen, darunter erneuerbare Energien und teils auch wieder Kernkraft.

Finanzierungslücke schafft Raum für privates Kapital

Während der Infrastrukturbedarf wächst, stoßen traditionelle Finanzierungsquellen an Grenzen: Staaten stehen aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung unter erheblichem fiskalischem Druck, zugleich hat sich die Rolle von Banken in der langfristigen Projektfinanzierung über Jahrzehnte hinweg reduziert. Die Folge ist eine Finanzierungslücke, die zunehmend von institutionellen Investoren geschlossen wird. Infrastrukturinvestitionen bieten langfristige Anlagehorizonte, stabile Cashflows und Diversifikations-Potenzial.

Der Zugang erfolgt dabei zunehmend über Unternehmensübernahmen und Plattformstrategien. Insbesondere in den Bereichen digitale Infrastruktur und erneuerbare Energien gewinnen Akquisitionen, Buy-and-Build-Ansätze und plattformbasierte Transaktionen an Bedeutung. Für Finanzinvestoren entstehen attraktive Möglichkeiten, Infrastrukturplattformen aufzubauen, zu konsolidieren und weiterzuentwickeln. Zu den aktiven Investoren zählen in Deutschland v.a. Versicherer und Versorgungswerke, international große Pensionsfonds und staatliche Investoren. Gemeinsam ist ihnen der Fokus auf Infrastruktursegmente, die von Digitalisierung und Energiewende profitieren.


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Infrastruktur hat sich dadurch zu einem der wachstumsstärksten Segmente der Private Markets entwickelt. Mega-Fonds sind vielfach überzeichnet, gleichzeitig entstehen neue globale und regionale Spezialstrategien. Weltweit warten inzwischen mehrere hundert Milliarden Dollar auf Investitionsmöglichkeiten. Der zunehmende Wettbewerb erhöht die Bedeutung strukturierter M&A- und Transaktionsprozesse, fundierter Due-Diligence-Prüfungen und einer präzisen Analyse von Werttreibern. Besonders gefragt sind Rechenzentren und Projekte der Energiewende – also jene Bereiche, in denen Digitalisierung, Energieversorgung und geopolitische Resilienz zusammenkommen.

Data Center: Digitale Infrastruktur als Schlüssel-Asset

Rechenzentren nehmen innerhalb der europäischen Infrastrukturmärkte eine besondere Stellung ein. Denn Europa gilt als attraktiver Standort, nicht zuletzt wegen seiner ambitionierten Dekarbonisierungsziele und der strengen Datenschutzvorgaben. Frankfurt zählt neben London, Amsterdam, Paris und Dublin zu den weltweit wichtigsten Rechenzentrumsstandorten. Auch Deutschland insgesamt wird zunehmend als Schlüsselmarkt wahrgenommen.

Bis 2030 dürfte sich die globale Rechenzentrumskapazität infolge von Cloud Computing, KI-Training, IoT-Anwendungen und 5G fast verdoppeln. KI-Workloads sind dabei besonders energieintensiv und erfordern Standorte mit gesichertem Netzanschluss sowie einer CO₂-armen Energieversorgung. Damit werden die Grenzen zwischen digitaler Infrastruktur und Energiesektor zunehmend fließend. Für Investoren lautet die zentrale Frage: Wo lassen sich Rechenkapazität, Energieverfügbarkeit und regulatorische Verlässlichkeit langfristig miteinander verbinden? Europa bietet hierfür attraktive Rahmenbedingungen durch einen etablierten Rechtsrahmen und vergleichsweise verlässliche Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Energiewende: Der Trend geht zur Plattform

Der steigende Energiebedarf macht die Energiewende zugleich zu einem der wichtigsten Infrastrukturthemen für Investoren. Bei erneuerbaren Energien verlagern sie ihre Aktivitäten zunehmend von einzelnen Wind- oder Solarparks hin zu diversifizierten Plattformen mit umfangreichen Entwicklungs-Pipelines. Diese entstehen häufig durch Akquisitionen, Konsolidierungen und gezielte Zukäufe entlang der Wertschöpfungskette.

Investoren bewerten dabei insbesondere die Laufzeit und Bonität von Stromabnahmeverträgen (PPAs), die Ressourcenqualität der Standorte und die technische Bankfähigkeit der eingesetzten Technologien. Ebenso entscheidend sind klare Exit-Optionen, etwa über Börsengänge oder strategische Verkäufe. Voraussetzung für nachhaltige Investitionen bleibt jedoch ein stabiles regulatorisches Umfeld mit planbaren Verfahren und langfristiger politischer Unterstützung.

Das Zusammentreffen hoher Kapitalmengen und einer begrenzten Zahl hochwertiger Assets verschärft den Wettbewerb um attraktive Übernahmeziele. Dadurch gewinnen Transaktionssicherheit, Bewertungsdisziplin und fundierte Due-Diligence-Prozesse zusätzlich an Bedeutung. Die Folge sind weitere Konsolidierungen und Partnerschaften zwischen Finanzinvestoren und strategischen Akteuren wie Energieversorgern oder Technologieunternehmen. Risiken lassen sich dadurch besser verteilen und Synergien effizienter nutzen.

Absicherung wird zum Erfolgsfaktor

Mit Blick auf die kommenden Jahre dürfte sich Infrastrukturkapital weiterhin auf die Energiewende und die digitale Wirtschaft konzentrieren. Bleiben die Zinsen höher als im vergangenen Jahrzehnt, werden Investoren voraussichtlich stärker zwischen risikoärmeren Core-Investments und Core-Plus- beziehungsweise Value-Add-Strategien unterscheiden. Gleichzeitig dürften die Anforderungen an risikoadjustierte Renditen und den Schutz vor Wertverlusten steigen.

Die größte Herausforderung besteht heute nicht im Mangel an Kapital. Entscheidend ist vielmehr, welche Projekte sich angesichts technologischer, regulatorischer und operativer Risiken erfolgreich realisieren lassen. Gerade bei Rechenzentren und Energieinfrastruktur wird die professionelle Bewertung und Absicherung solcher Risiken zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Auch gilt es zunehmend, die gesellschaftliche Akzeptanz von Vorhaben mitzudenken.

Erfolgreich ist nicht zwangsläufig der Investor mit dem größten Kapitalpool, sondern derjenige, der operative Komplexität versteht, Risiken realistisch bewertet und entlang des gesamten Transaktionszyklus absichert. Aon unterstützt Investoren dabei mit eigenen Datenmodellen, KI-gestützten Analysen und transaktionsspezifischer Expertise entlang von Due Diligence, Strukturierung und Absicherung von Kauf-, Bau- und Betriebsrisiken.

Über den Autor: Roger Wirth leitet das M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft von Aon in den Regionen DACH und CEE und betreut als Client Executive ausgewählte globale Beziehungen zu Financial Sponsors. Zuvor war er als Global Chief Operating Officer für das M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft von Aon sowie für paneuropäische Private-Equity-Kunden verantwortlich.


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