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30. Januar 2014, 08:30
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Vergütungssysteme in Europa: Sonderweg Deutschland

In einigen europäischen Ländern gibt es ein Provisionsverbot. Was sich Verbraucherschützer auch hierzulande wünschen, ist für Vermittlerverbände ein Horrorszenario.

Deutschland

Karl Matthäus Schmidt, Quirin Bank: “Solange wir in Deutschland ein System haben, das den Provisionsvertrieb staatlich fördert, gibt es kein gleichberechtigtes Nebeneinander von Honorarberatung und Provisionsvertrieb.”

So existiert in Norwegen und Schweden bereits seit Jahren die freiwillig geübte Praxis, Nettoprämienanzuwenden. Zudem folgt hier die Mehrheit der Versicherungsgesellschaften den Empfehlungen der Versicherungsverbände und verzichtet auf Vermittlungsprovisionen.

Seit 2005 darf ein Vermittler sowohl bei Lebens- als auch bei Schadensversicherungen nur von seinem Auftraggeber eine Vergütung erhalten. Seit August 2008 dürfen Makler nur noch Vergütungen von ihren Kunden entgegennehmen.

Niederlande: Grundsätzliches Provisionsverbot

Auch in Dänemark haben seit 2004 fast alle Versicherer Nettoprämiensysteme eingeführt. Seit 2008 dürfen dänische Versicherungsmakler zudem Vergütungen nur noch von ihren Kunden erhalten.

Die Niederlande gehen hier noch weiter: Seit Januar 2013 gilt ein grundsätzliches Provisionsverbot für Versicherungs- und Anlageprodukte. Bereits seit Oktober 2009 haben unabhängige niederländische Berater im Rahmen der Vermittlungstätigkeit von fondsgebundenen Policen von Versicherungsgesellschaften keine Vergütung mehr erhalten.

Deutschland

In den vergangenen zehn Jahren haben einige europäische Länder die Vergütungsstruktur bei der Vermittlung von Finanz- und Versicherungsprodukten umgebaut.

Auch in Großbritannien verbietet die Finanzaufsicht seit Anfang 2013 die Provisionsberatung. Britische Finanz- und Versicherungsmakler dürfen für die Vermittlung kapitalbildender Produkte keine Provisionen mehr vonseiten der Produktanbieter annehmen.

In anderen Nachbarländern befinden sich ähnliche Regelungen in Planung. Im März 2007 veröffentlichte die litauische Versicherungsaufsichtsbehörde ihre Pläne, den heimischen Versicherern zu verbieten, Courtagen an Makler zu bezahlen. Bisher wurde jedoch noch keine Verfügung erlassen.

Eidgenössische Makler direkt vom Versicherungsnehmer entlohnt

Seit Januar 2009 liegt in der Schweiz ein konkreter Gesetzentwurf für ein Vergütungsverbot für Makler vor. Nach diesem Entwurf sollen die eidgenössischen Makler künftig direkt vom Versicherungsnehmer entlohnt werden. Zusätzlich erwähnt der Entwurf eine gesetzliche Herausgabepflicht für alle von Versicherern gewährten Leistungen, wie Provisionen oder sonstige Zuwendungen, die direkt mit dem vermittelten Vertrag zu tun haben.

Seite zwei: Deutschland als Insel

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5 Kommentare

  1. Jetzt lasst doch uns Berater/Vermittler/ Makler in Ruhe. Ja, wir wollen eure Provisionen als große Einmalvergütung im Leben,- und Privatkrankengeschäft und die laufende Bestandsprovision im Sachgeschäft. Die Versicherer wollen die Vewaltungs und Risikokostengebühren/ kosten. Es ist doch eine herrliche Symbiose der Geldumverteilung. Ich bin stolz ein moderne Raubritter zu sein.
    Und ganz ehrlich, lasst die Kunden doch bitte unwissend, am Ende können wir keine Umverteilung mehr gestalten und viele Jobs gehen verloren. Will die Politk das wirklich ??Und das beste ist doch, mit dieser Drohung wird sich dadurch in Deutschland nie etwas ändern (siehe Mindestlohn 😉

    Kommentar von Tim Intern — 3. Februar 2014 @ 10:47

  2. Auch Honorarberater decken um – freie Sparraten gibt es i.d.R. nur einmal. Und damit ist die Argumentation der Unabhängigkeit (=Interessenlosigkeit des Beraters?) ad absurdum geführt. Es steht und fällt mit der Beraterpersönlichkeit, egal in welchem Vergütungssystem.
    “Kaufmannsehre” ist schwer zu erkennen und schon gar nicht zu beaufsichtigen.

    Kommentar von Rainer — 31. Januar 2014 @ 09:58

  3. Hier wird auf falschen Kriegsschauplätzen gekämpft. Die Politik hilft da schon gar nicht, da sie sich immer auf die Seite der Mehrheitsbeschaffer stellt und ist nur somit nur lachender Dritter. Wie wäre es mit dem Kundennutzen? Nur wenn ein Anlageprodukt dem Kunden einen realen geldwerten Vorteil bringt, ist es grundsätzlich sinnvoll, dem Vermittler eine einmalige angemessene Vergütung zu zahlen. Erst dann orientieren sich der Makler und die Produktanbieter am Wettbewerb zugunsten des Endkundenvorteils. So läuft erfolgreiche und konfliktarme Marktwirtschaft. Und die Damen und Herren Makler und Versicherer sind dann gehalten, die Vorteile für den Kunden sauber zu beziffern, was manchmal nicht einfach ist, und ihn nicht als Abzockerobjekt zu behandeln.

    Kommentar von Jack Gelfort — 31. Januar 2014 @ 09:57

  4. Wie kann nur das Provisionsverbot als Allheilmittel gegen Falschberatung gelten? Damit macht man es sich zu einfach. Die Genusssrechte von Prokon waren ja auch “provisionsfrei”. Vielmehr sollte herausgearbeitet werden, wo die eigentlichen Problemfelder sind (z.B. Umdeckungen im LV-Bereich, grauer Kapitalmarkt ect.) und diese gezielt reglementieren. Die Abschaffung von Provisionen gefährdet die die Versorgung der breiten Bevölkerung. Der Kunde (nicht Jeder) muss aktiv über seine Versorgungssituation und den Bedarf aufgeklärt werden. Viele Menschen scheuen solche Gespräche und werden dies nur zulassen, wenn es (zunächst) kostenlos ist. Bei Erstberatungen im Schadensversicherungsbereich zahlt der Makler ohnehin drauf, da die Courtageeinnahmen, den Zeitaufwand nicht rechtfertigen. Und der Makler steht dabei voll in der Haftung. Bei Nettotarifen würde sich die Versorgung auf OnlineAbschlüsse, die dann mehr schlecht als Recht vom Kunden selbst gestaltet wird, reduzieren. Das Versorgungsniveau verschlechtert sich. Eine staatliche “Zwangs-Zusatzversorgung” ist dann zwingend notwendig. Entscheidungsfreiheit und Gestaltungsfreiheit ade. Die Vermittler sterben dann aus wie die Tante-Emma-Läden. Schade eigentlich.

    Kommentar von Markus — 31. Januar 2014 @ 09:16

  5. “Im Gegensatz zu einigen EU-Staaten haben wir in der Vergangenheit keine systematischen Fehlberatungsskandale gehabt” Wie bitte? Ich frage mich: Leben wir im selben Deutschland? Fast jede Woche gibt es in den Medien Berichte zu Falschberatung von Versicherungsvertrieben und Banken: siehe Handelsblatt, Manager-Magazin, FAZ… Großen Vertrieben, besonders Strukturvertrieben, wird immer wieder Umdeckung zum Nachteil von Kunden vorgeworfen. Siehe auch hier: http://geprellte-vermoegensberater.org/ Viele Indizien zeigen provisionsgesteuerte Beratung an. Initiativen wie “ehrbarer Kaufmann” und “Verhaltenskodex für den Vertrieb” sind doch ein Hinweis, dass sich viele Vertriebler von unseriösen Methoden ihrer Kollegen distanzieren möchten. Ich glaube es wäre besser Probleme und Problemverursacher beim Namen zu nennen und hausgemachte Probleme zu lösen. Initiativen gegen Provisionsberatung gibt es doch nur weil so viel “schief” läuft.

    Kommentar von Heinz — 31. Januar 2014 @ 00:04

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