Schiffsfonds: Fehler in der Investorenberatung

Das Hamburger Analysehaus Fondsmedia hat in einem aktuellen Marktausblick die Krisenkommunikation der Emissionshäuser im Segment von Schiffsbeteiligungen kritisiert.

?Für die Beantwortung besorgter Nachfragen seitens der Anleger ist der Markt derzeit kaum aufgestellt?, erklärt Peter Kastell, geschäftsführender Gesellschafter und Gründer von Fondsmedia. Während die Initiatoren ihre Investoren in Sachen Chancen und positiver Marktaussichten stets auf dem Laufenden hielten, sei eine krisengerechte Anlegerbetreuung eher unbekannt.

„Anleger können Schiffswerte kaum einordnen“

Dabei stellt das Ausbleiben einer geplanten Auszahlung bei Schiffsfonds laut Kastell keinesfalls ein Drama dar. Selbst ein Aufliegen über mehrere Jahre müsse nicht das wirtschaftliche Ende bedeuten. „Wir befinden uns in der absurden Situation, dass Anleger den Wert ihres Schiffes kaum zutreffend einordnen können. Selbst eine nachträgliche Erhöhung des Eigenkapitals, mit dem die Investoren die Schwächephase aus eigener Tasche überbrücken, ergibt prinzipiell Sinn?, so der Fondsmedia-Experte.

„Anlagesegment schaufelt sein eigenes Grab“

Derzeit grabe sich das Anlagesegment Schiffsfonds selbst das Grab. „Wer soll an den Wert von Neuemissionen glauben, wenn der bestehende Berater- und Investorenkreis hinsichtlich einer profunden Krisenkommunikation im Regen steht?“, rätselt Kastell. Denn wenn schon das Ausbleiben einer Auszahlung als Katastrophe fehlinterpretiert werde, dürfte es im Einzelfall schier unmöglich sein, die Investoren zu einer sinnvollen Zwischenfinanzierung der Fondsschiffe zu bewegen.

„Schwerste Krise der vergangenen 20 Jahre“

Hintergrund: Schiffsfonds stellen ein zentrales Anlagesegment im Markt geschlossener Fonds dar. Die fahrende Flotte deutscher Anleger bündelt nach Fondsmedia-Angaben mit rund 1.100 Schiffen ein Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 43,5 Milliarden Euro. Rund 63,5 Prozent davon entfallen auf Containerschiffe.

Seit dem vierten Quartal 2008 befindet sich die Containerschifffahrt in der schwersten Krise der letzten zwanzig Jahre. Derzeit liegen weltweit rund 500 Containerschiffe ohne Beschäftigung auf, darunter 305 Charterschiffe. Etwa zehn Prozent der Containerschiffskapazitäten sind unbeschäftigt. (hb)

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