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3. November 2011, 11:28
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“Kurzläufer-Konzepte auf Euro-Basis sind gefragt”

Im Interview mit Cash.Online äußert sich Helmut Schulz-Jodexnis, Vorstandsmitglied der Bit Treuhand AG, zu Produkt- und Platzierungstrends vor dem Hintergrund teils auseinanderstrebender Anleger- und Vertriebsinteressen.

Schulz-Jod-127x150 in Kurzläufer-Konzepte auf Euro-Basis sind gefragt

Helmut Schulz-Jodexnis

Cash.Online: Haben die Verwerfungen an den Aktienmärkten den Sachwerten eher in die Hände gespielt oder halten sich die Anleger seither noch mehr zurück?

Schulz-Jodexnis: Unser Eindruck ist, dass die Anleger generell durch die Entwicklungen eher verunsichert sind. Das Geschäft bei den geschlossenen Fonds wird dadurch ebenfalls schwieriger. Insbesondere Fondskonzepte mit langen Laufzeiten und nach hinten verlagerten Ausschüttungen lassen sich derzeit schwer vertreiben. Ähnliches gilt für Blind-Pool-Konstruktionen. So lassen sich auch die überschaubaren Platzierungsvolumina im Private-Equity-Bereich trotz der guten Marktaussichten erklären.

Cash.Online: Können Sie einen Trend der Produktgeber weg vom freien hin zum Bankenvertrieb bestätigen?

Schulz-Jodexnis: Es ist naheliegend, dass sich die Initiatoren in diese Richtung orientieren, weil über diesen Kanal eine entsprechende Vertriebsleistung in nennenswerter Größe erwartet wird. Allerdings machen die Emittenten sich damit auch zunehmend abhängig. Das wirkt sich auf die Konzeptionen, die Kosten und letztendlich unter Umständen auf die Fondsqualität aus. Bleibt die Frage offen, ob ein Produkt, das gut für die Banken konzipiert ist, auch für den Anleger gut ist. Im Krisenmanagement hat der freie Vertrieb sich aktiv um seine Kunden gekümmert und auch im aktiven Vertrieb ist er in der Krise überzeugend, weil er schlicht überzeugen muss.

Cash.Online: Wie beurteilen Sie die Bestrebungen der Konzeptionäre in einigen Emissionshäusern, die Investitionsquote ihrer Fonds zu steigern?

Schulz-Jodexnis: Das ist sicher ein interessanter Ansatz. Allerdings gilt es zunächst abzuwarten, ob dieses Vorgehen sowohl beim Vertrieb als auch beim Kunden Anklang findet. Beratung und Service kosten schließlich Geld. In diesem Fall bedeutet es einen ziemlichen Spagat, wenn man beide Interessen unter einen Hut bekommen will.

Cash.Online: Werden Immobilienfonds mit heimischen Objekten vorläufig die gefragteste Anlageklasse bleiben?

Schulz-Jodexnis: Davon gehe ich nicht aus, zumal die Preise beim Direktkauf von Immobilien schon stark steigen und das Angebot an guten Immobilien sinkt. Hinzu kommt, dass die Inflationsangst gerade wieder abnimmt. Qualität wird sich aber weiter durchsetzen und gefragt sein.

Cash.Online: Sind Zweitmarktschiffsfonds leichter zu platzieren als klassische Schiffsofferten oder ist das Segment insgesamt aus Sicht des Vertriebs schlicht „verbrannte Erde“?

Schulz-Jodexnis: Tendenziell sind die Zweitmarktofferten leichter zu vertreiben. Aufgrund der nach wie vor negativen Nachrichten von den Schifffahrtsmärkten erfordern neue Schiffsfonds eine sehr qualifizierte und differenzierte Beratung sowie viel Überzeugungskraft. Die Zweitmarktfondskonzepte hingegen erscheinen den Kunden plausibel. Der Anleger versteht die Story und sieht die Chancen.

Cash.Online: Rechnen Sie damit, dass bis zum Jahresende weitere Fondsschiffe von den kreditgebenden Banken verwertet werden?

Schulz-Jodexnis: Ich gehe leider davon aus, dass wir mit dem Thema Schiffsfinanzierung noch nicht durch sind. Aus Sicht der Banken ist deren Vorgehen nachvollziehbar, denn die Kreditinstitute müssen ihre Bilanzen verbessern. Das bedeutet, dass sowohl mit deutlichen Margenerhöhungen bei den Prolongationen, wie auch mit weiteren Bilanzbereinigungen durch Schiffsverwertungen zu rechnen ist. Das Schlimme ist, dass die Banken ihre selbst geschaffenen Probleme beseitigen müssen, ohne auf Einzelschicksale Rücksicht nehmen zu können. Dabei wird unter Umständen einiges an (Anleger-)Geld vernichtet.

Cash.Online: Wie kommt die neue alte Assetklasse Windkraft bei Vertrieb und Anlegern an?

Schulz-Jodexnis: Geschlossene Fonds sind auf gewisse Weise ja auch Branchen- und Technologieaufklärer. So haben die vielen Solarfonds der letzten Jahre die Offenheit der Anleger gegenüber erneuerbaren Energien gefördert. Die Diversifikation ist begrüßenswert. Manch ein Berater oder Anleger erinnert sich jedoch an die Windenergiefonds früherer Jahre, die als Steuersparmodelle nicht aufgegangen sind. Diese Hürde ist in der Breite zu überwinden.

Das Gespräch führte Andreas Friedemann für Cash.Online

Foto: Cash.

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