Anzeige
5. September 2017, 09:03
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bundestagswahl 2017: “Nur weitsichtiges Handeln hilft”

Oliver Moll, Geschäftsführer und Inhaber von Moll & Moll Zinshaus, hat die Programme der Parteien in Hinblick auf den Immobilienmarkt in einer Kommentarserie beleuchtet. Fünfter Teil: Ein Fazit und drei Punkte, die eine neue Regierung beachten sollte

Oliver-Moll Zinshaus-Moll-Moll-Kopie in Bundestagswahl 2017: Nur weitsichtiges Handeln hilft

Oliver Moll, Moll & Moll Zinshaus: “In der Wohnungspolitik sollte langfristig gedacht und geplant werden, denn neue Regelungen und Gesetze entfalten ihre volle Wirkung erfahrungsgemäß erst bis zu acht Jahre nach Einführung.”

Die Wahlprogramme der Parteien vermitteln einen guten Eindruck, wohin die Reise der Wohnungswirtschaft in den kommenden Jahren gehen könnte.

Für private Eigentümer und professionelle Akteure der Branche lohnt es also, einen Blick hinein zu werfen und bei Bedarf auch andere Informationsquellen heranzuziehen, bevor sie im September ihr Kreuzchen machen.

Folgende Punkte sollte man jedoch kritisch im Hinterkopf behalten, wenn die Politik sich zu Immobilienthemen äußert:

1. Gut Ding braucht Weile – besonders in der Immobilienwirtschaft

In der Wohnungspolitik sollte langfristig gedacht und geplant werden, denn neue Regelungen und Gesetze entfalten ihre volle Wirkung meist nicht mehr innerhalb der jeweiligen Legislaturperiode, sondern erfahrungsgemäß erst bis zu acht Jahre nach Einführung.

Undurchdachter Aktionismus zwecks Stimmenfang ist deshalb kontraproduktiv. Wirklich gute Wohnungspolitik kann nur machen, wer über die eigene Amtszeit hinausdenkt.

2. Der Staat ist der größte Kostentreiber

Die Vielzahl gesetzlicher Regulierungen hat für Immobilienbesitzer nicht nur organisatorische und rechtliche Konsequenzen, sondern vor allem monetäre. Vermieter sind gezwungen, immer mehr Detail-Regelungen umzusetzen und die Kosten, wenn sie noch eine Rendite über Inflationsniveau erzielen möchten, durch steigende Grundmieten oder Modernisierungsumlagen zu finanzieren.

Nun hat die Politik sich plötzlich bezahlbaren Wohnraum und die Förderung von Eigentum auf die Fahnen geschrieben, versucht damit aber eigentlich nur Probleme zu bekämpfen, die sie zum großen Teil selbst verursacht hat. Und das nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landes- und Kommunalebene.

Seien es immer weiter steigende Grunderwerbs- und Grundsteuern oder Gebühren und Abgaben, die die Nebenkosten in die Höhe treiben: Die Kommunen sind gierig – und das wird sich am 24. September nicht einfach über Nacht ändern.

3. Ohne private Akteure geht es nicht

Sie haben keine Lobby, sind jedoch die wichtigste Säule der Wohnungswirtschaft: Private Eigentümer stellen in Deutschland rund zwei Drittel aller Mietwohnungen zur Verfügung – noch.

Denn politische Eingriffe machen Investitionen in Wohnraum unrentabel und gleichzeitig risikoreich, sodass private Akteure nach und nach von anonymen Großinvestoren und Baugesellschaften verdrängt werden. Die (langfristigen) Konsequenzen: Gentrifizierung, Segregation und Ghettoisierung.

Was am Ende genau auf die Immobilienwirtschaft zukommt, lässt sich selbst einen Monat vor der Wahl nur schwer abschätzen. Die aktuellen Umfragewerte deuten auf eine Koalition hin, und Koalitionsverträge waren schon immer eine beliebte Erklärung, warum vorherige Wahlversprechen plötzlich doch nicht mehr haltbar sind.

In Anbetracht der aktuellen Situation, wäre es für die Wohnungswirtschaft allerdings gar nicht schlecht, wenn es die Politik nach der Wahl mit der Umsetzung einiger Vorhaben nicht mehr ganz so genau nimmt: Nach der kontraproduktiven Regulierungseuphorie in der aktuellen Legislaturperiode wäre Stillstand für die Immobilienbranche ein begrüßenswerter Fortschritt.

Und zum Abschluss eine kleine Beobachtung: Alle Parteien haben die Wohnungswirtschaft als medial wirksames Thema für sich entdeckt; in den Wahlprogrammen muss man die entsprechenden Seiten jedoch förmlich suchen.

Fündig wird man meist erst in der zweiten Hälfte der Dokumente, wenn nicht sogar ganz am Ende – ein kleiner, aber deutlicher Hinweis auf die tatsächliche Priorität, die dieses Gebiet parteiintern anscheinend hat.

Oliver Moll ist Geschäftsführer und Inhaber der Hamburger Moll & Moll Zinshaus GmbH. Er leitet zudem die Professional Group „Residential“ der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) in Deutschland.

Foto: Moll & Moll Zinshaus GmbH

 

Mehr Artikel zum Thema:

Bundestagswahl 2017: “Politik verschärft den Wohnraummangel”

Bundestagswahl 2017: Was kommt auf die Immobilienbranche zu? Teil 1: Was planen AfD und FDP?

Bundestagswahl 2017: “Aus Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt” Teil 2: Was planen die Grünen und die Linke?

Bundestagswahl 2017: “Grundproblem des Immobilienmarktes erkannt” Teil 3: Wie sehen die Pläne der CDU aus?

Bundestagswahl 2017: “Schaffen von Wohnraum nicht unrentabel machen” – Teil 4: Wie sehen die Pläne der SPD aus?

 

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Preventicus, SkinVision, TeleClinic: Generali baut Gesundheitsservices aus

Die Generali Deutschland treibt die digitale Transformation voran: Nun hat die private Krankenversicherungstochter des Versicherungskonzerns, die Central, im Bereich Gesundheit Kooperationen mit den Start-ups Preventicus, SkinVision und TeleClinic angekündigt. Ziel sei es, durch die Zusammenarbeit den digitalen Service für die Versicherten auszubauen.

 

mehr ...

Immobilien

Zusätzlicher Investor für Frankfurt Airport Center

Die Erwe Immobilien AG, Frankfurt am Main, wird sich neben ihrem laufenden Auftrag zur Projektentwicklung und Projektsteuerung nun am Frankfurt Airport Center (FAC) direkt beteiligen.

mehr ...

Investmentfonds

Buffett steigt bei JPMorgan ein – Aktien für vier Milliarden Dollar

Staranleger Warren Buffett ist mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway in großem Stil bei der größten US-Bank JPMorgan eingestiegen. Im dritten Quartal wurden mehr als 35 Millionen Aktien des Geldhauses gekauft.

mehr ...

Berater

MLP: “Respekt vor den Risiken”

Der Wieslocher Finanzdienstleister MLP konnte die Gesamterlöse in den ersten neun Monaten des Jahres um fünf Prozent auf 462,5 Millionen Euro ausbauen. Dabei entwickelten sich die Gesamterlöse nach Angaben des Unternehmens im dritten Quartal mit einem Zuwachs von acht Prozent besonders dynamisch.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weiterer VC-Fonds profitiert vom MIG-Siltectra-Deal

Wie verschiedene MIG Fonds hat auch der von Xolaris als Service-KVG verwaltete GA Asset Fund seine Beteiligung an der Siltectra GmbH versilbert. Dessen Anleger können sich ebenfalls freuen.

mehr ...

Recht

Et hätt noch immer jot jejange: Wirtschaft unvorbereitet auf Brexit

Laut Theresa May ist der Gordische Knoten bei den Brexit-Verhandlungen durchschlagen. Ob der Kompromiss das britische Parlament passiert, darf bezweifelt werden, bringen sich doch Mays Gegner bereits in Position.

mehr ...