Anzeige
Anzeige
19. Juni 2017, 14:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Viel zu viele Häuser auf dem Land”

Deutschlands Bauherren bauen nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) deutlich zu viele Häuser in ländlichen Regionen. Dies werde langfristig zu sinkenden Preisen und Problemen beim Wiederverkauf führen. Insgesamt stehen 950.000 Wohneinheiten in ländlichen Regionen leer.

Haus-eigenheim-shutt 436575742 in Viel zu viele Häuser auf dem Land

Viele Familien bauen lieber ein neues Eigenheim, statt ein gebrauchtes Haus zu erwerben.

In einer neuen Studie konstatieren die Kölner Wissenschaftler, dass in vielen Landkreisen deutlich mehr gebaut wird als eigentlich sinnvoll wäre – gemessen an der schrumpfenden Bevölkerung und der Tatsache, dass vielerorts bereits Häuser leer stehen. Das IW empfiehlt den Kommunalverwaltungen eine Reihe von Gegenmaßnahmen.

“Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden”, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. “Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung.”

Wiederverkauf in der Zukunft wird schwierig

Falls die Bauherren von heute ihre Häuser in der Zukunft wieder verkaufen wollen, werden sie sich nach Einschätzung Voigtländers sehr schwer tun: “Da die Bevölkerung schwindet, fällt die Nachfrage langfristig weg. Das wirkt sich natürlich auf die Preisentwicklung aus.” Neben sinkenden Preisen und Zersiedelung erwarten die Forscher noch andere negative Folgen wie verödende Dorfzentren und neue Leerstände.

In der Studie werden exemplarisch einige Landkreise genannt: Im niedersächsischen Kreis Emsland etwa sind demnach zwischen 2011 und 2015 mehr als 1.060 Wohnungen mehr gebaut worden, als auf Basis der Bevölkerungsentwicklung und der bereits bestehenden Leerstände zu erwarten gewesen wäre. Zum Großteil handele es sich dabei um große Wohnungen oder Einfamilienhäuser.

Die Entwicklung sei aber keineswegs auf Norddeutschland begrenzt: In weiten Teilen des wirtschaftsstarken Bayern wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen.

Ein Extrembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg wären nach IW-Einschätzung lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch fast 200, was laut Studie 2.764 Prozent des Bedarfs entspricht.

Weiter Wohnungsmangel in den Ballungsräumen

In den Ballungsräumen dagegen fehlen weiter Wohnungen. In Berlin etwa sind der Studie zufolge in den vergangenen Jahr nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da: “Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit”, sagte Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München. “In der Summe hätten wir eigentlich genug Wohnraum in Deutschland – wenn er an der richtigen Stelle wäre.”

Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer, davon etwa 950.000 in ländlichen Regionen.

Gegenmaßnahmen wie Abriss alter Häuser gefordert

Befördert wird die ungünstige Entwicklung nach Aussage der IW-Studie von den Niedrigzinsen der vergangenen Jahre, die den Kauf einer Immobilie vergleichsweise günstig machen. Das Gebrauchthaus sei offensichtlich nicht übermäßig beliebt. “Viele Familien bauen lieber etwas Neues”, sagte Voigtländer. “Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen. Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand.”

Das IW empfiehlt Kommunen mit ausuferndem Neubau ein robustes Vorgehen: Keine neuen Baugebiete ausweisen, Neubauten an den Abriss von alten Häusern koppeln und die Ortskerne attraktiver machen. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

 

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

1 Kommentar

  1. 2016 – Förderung von Baugebieten im länd. Raum,
    s. hierzu, d. Cash v. 6 Monaten
    https://www.cash-online.de/immobilien/2016/haeuslebauer-zieht-es-aufs-land/351185

    und nun der Artikel … das Landvolk soll in die Stadt

    der Niedrigzins wird noch eine Weile anhalten somit auch der Baurausch, wiederspricht natürlich der Grünen und SPD Idee die Bürger in die Stadte zu verlagern!

    somt hätte man mehr Platz Energiespargel in die Landschaft zu stellen … windiges Land,

    VG Mr.Weber,

    Kommentar von mr.weber — 20. Juni 2017 @ 14:27

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 9/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltiges Investieren – Solvency II – Immobilienfonds – Maklerpools-Hitliste




Ab dem 17. August im Handel.



Cash. 8/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Durchstarter Indien – Führungskräfte absichern – Bausparen – US-Immobilien

Versicherungen

26 Millionen Euro für SDK-Mitglieder

Die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) hat ihren Versicherten für 2016 insgesamt Beiträge in Höhe von 26,2 Millionen Euro rückerstattet. Bei Leistungsfreiheit schon nach nur einem Jahr erhalten die Mitglieder laut SDK aus dem ambulanten und zahnärztlichen Beitragsteil drei Monatsbeiträge zurück.

mehr ...

Immobilien

Mieten in Deutschland weiter gestiegen

Die Mietpreise in Deutschland sind in den ersten zwei Quartalen weiter gestiegen. Das geht aus einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor. Besonders betroffen sind Metropolen, in ländlichen Gegenden bleiben die Preise moderat.

mehr ...

Investmentfonds

Multi-Asset-Fonds: Fünf Schritte zur stabilen Rendite

Für Manager von Multi-Asset-Fonds ist eine wohlüberlegte Fondsauswahl unersetzlich. Doch selbst Kennziffern wie der Sharpe Ratio helfen dabei nicht immer. Mehr Erfolg verspricht die “Stable Strategy”. Gastbeitrag von Anders Weihrauch, Portfoliomanager bei Jyske Capital.

mehr ...

Berater

Commerzbank: Fortschritte bei Stellenabbau über Altersteilzeitangebot

Die Commerzbank kommt bei ihrem Stellenabbau auch über Altersteilzeitangebote voran. Wie das Frankfurter Institut mitteilt, gehen zahlreiche Mitarbeiter gegen eine Prämienzahlung in den vorzeitigen Ruhestand. Bis zum Jahr 2020 sollen insgesamt 9.600 Vollzeitstellen gestrichen werden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Air Berlin: Ausgang für vier Fonds noch offen

Die bekannten Anbieter von Flugzeugfonds für Privatanleger haben nun gegenüber Cash.Online zur Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin Stellung bezogen. Demnach haben wie erwartet vier Publikumsfonds von zwei Anbietern noch Verträge mit der Airline. Die anderen Initiatoren geben Entwarnung.

mehr ...

Recht

Provisionsabgabe: Verwendungsvereinbarung als “Hintertür”?

Durch die  IDD-Umsetzung ist das Provisionsabgabeverbot im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) geregelt. Der Gesetzgeber hat dort auch eine Ausnahmeregelung vorgesehen, die die Weitergabe von Provisionen unter gewissen Bedingungen ermöglicht. Ob Vermittler diese Hintertür nutzen sollten, ist indes fraglich.

mehr ...