Was das Aus von Jamaika für den Zinsmarkt bedeutet

Nach dem überraschenden Ende der Sondierungsgespräche kommt eine Zeit der Unsicherheit auf Deutschland zu. Dies wird auch zu gewissen Schwankungen an den Zinsmärkten führen. Gastkommentar von Michael Neumann, Dr. Klein

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Michael Neumann, Dr. Klein: „Derzeit lastet kein Druck auf der Europäischen Zentralbank, die Zinsen anzuheben.“

Am Sonntagabend brach die FDP überraschend die Sondierungsgespräche ab. Was nun folgt, ist unklar. Die Aufgabe des Bundespräsidenten ist es, eine Lösung zu finden.

Im ersten Schritt bittet Frank-Walter Steinmeier alle Parteien, die eine Regierung bilden könnten, zum Gespräch. Doch egal, welches Szenario – Neuwahlen, große Koalition, Minderheitsregierung oder Jamaika 2.0 – jetzt folgt, es kommt eine Zeit der Unsicherheit auf Deutschland zu.

Aus der politischen Ungewissheit resultieren immer gewisse Schwankungen an den Zinsmärkten. Dem steht allerdings eine boomende Wirtschaft gegenüber, die die Unsicherheit und den drohenden Stillstand zumindest temporär verschmerzbar erscheinen lässt.

Baufinanzierungszinsen weiterhin günstig

Bei den Zinsen für Immobilienkredite haben wir im letzten Monat eine leichte Tendenz nach unten gesehen. Der Bestzins für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung liegt aktuell unter der Ein-Prozent-Marke. Ich erwarte bei den Darlehenszinsen keinen nachhaltigen Sprung nach oben.

Schwankungen wird es aber durchaus geben. Dennoch: Die Konditionen bleiben weiterhin günstig, sodass sich Kaufinteressenten nicht von den politischen Entwicklungen unter Druck setzen lassen sollten.

Kerninflation geht kurzfristig zurück, Druck auf EZB sinkt

Die Kerninflation im Euroraum, also die Teuerung der Verbraucherpreise ohne Nahrungsmittel und Energie, sank im Oktober auf 0,9 Prozent (Vormonat 1,1 Prozent), in Deutschland auf 1,2 Prozent (Vormonat: 1,5 Prozent). Diese Entwicklung unterstreicht, dass der Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent kurzfristig nicht erreicht wird. Entsprechend lastet derzeit kein Druck auf der Zentralbank, die Zinsen anzuheben.

Absage an „Falken“: Powell wird Yellen-Nachfolger

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) tagte am 1. November. Den Leitzins beließ sie erwartungsgemäß unverändert. Kurz darauf verkündete US-Präsident Donald Trump den Nachfolger der derzeit amtierenden Notenbank-Chefin Janet Yellen.

Er entschied sich für den ehemaligen Investment-Banker Jerome Powell. Bereits seit fünf Jahren ist dieser Vorstandsmitglied der Fed. Powell gilt als moderat und konsensorientiert. Es wird erwartet, dass er den eingeschlagenen lockeren Kurs der „kleinen Schritte“ Yellens fortsetzt, den Leitzins also langsam anheben wird.

Mit der Wahl von Jerome Powell erteilt Trump den Falken, die eine Geldentwertung aufgrund der expansiven Geldpolitik fürchten, eine Absage. Am Montagabend wurde indes bekannt, dass Yellen nach ihrer Amtszeit ihren Sitz im Führungsgremium abgeben wird. Demnach macht sie keinen Gebrauch von ihrem Recht, die geldpolitischen Entscheidungen noch weitere sieben Jahre mitzubestimmen.

Michael Neumann ist Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG

Foto: Christian Wese

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