Liquidität der Zentralbanken bedeutet Rückenwind für Anleihenmärkte

Die von den Zentralbanken weltweit weiterhin zur Verfügung gestellte Liquidität sorgt an den Anleihenmärkten für Rückenwind.

Die Untätigkeit von Fed-Chefin Janet Yellen wirkt wie eine Lockerung der Geldpolitk.
Die Untätigkeit von Fed-Chefin Janet Yellen wirkt wie eine Lockerung der Geldpolitk.

Denn laut Robert Michele, Chief Investment Officer der Global Fixed Income, Currency & Commodities Group bei J.P. Morgan Asset Management, ist die aktuelle Untätigkeit der US-Notenbank (FED) faktisch eine Art der Lockerung – insbesondere bei Berücksichtigung der Zinserhöhungserwartungen, die noch vor ein paar Monaten bestanden haben. Derweil nutzt die Europäische Zentralbank (EZB) alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente – Negativzinsen, quantitative Lockerung durch Wertpapierkäufe, was in diesem Umfang ebenfalls außergewöhnlich ist. Und für China ist kurzfristig eine Stabilisierung des Wachstums als Ergebnis der stimulierenden Maßnahmen von geld- und fiskalpolitischer Seite zu beobachten.

„Die Zentralbanken – allen voran die Fed – haben uns mit ihren Maßnahmen deutlich gezeigt, dass sie weiterhin besorgt sind über die negativen Rückkopplungseffekte der Entwicklung an den Finanzmärkten auf Verbrauchervertrauen, Wirtschaftswachstum und Inflations­erwartungen“ unterstreicht Michele. Angesichts der erneuten Zurückhaltung der US-Notenbank bei ihrer gestrigen Sitzung sei in den USA für den Jahresverlauf weiterhin eine weitere Zinserhöhung zu erwarten und von einer Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen am Jahresende zwischen 1,75 und 2 Prozent auszugehen.

Wie nahe liegt die nächste Rezession vor uns und was könnte ihr Auslöser sein?

In seinem vierteljährlichen Marktausblick betont Michele, dass zwar noch nicht von einer Rezession auszugehen ist, aber eine Konjunkturverlangsamung bereits deutlich zu spüren sei. Auch wenn das Wachstum der Industrieländer sich nahe dem Trendniveau bewegt, werde dieses jedoch durch die nach wie vor schwächere Konjunktur in den Schwellenländern eingebremst. Selbst in den Industriestaaten fielen einige der jüngsten Konjunkturindikatoren enttäuschend aus. Hinzu kommt die rückläufige Entwicklung der Trendwachstumsrate, da das Wachstumspotenzial sowohl durch eine geringere Produktivität als auch durch eine alternde Bevölkerung begrenzt ist. „Unsere eigenen Indikatoren deuten jedoch darauf hin, dass die kurzfristige Wahrscheinlichkeit einer Rezession, obwohl sie aus unserer Sicht gestiegen ist, lediglich bei 20 Prozent liegt“, betont Michele. So ist das Basisszenario, dass sowohl das globale Wachstum als auch die Inflationsentwicklung unter Trend liegen werden.

Das Jahr 2017 könnte konjunkturell schwierig werden

Obgleich eine Rezession nicht unmittelbar bevorsteht, ist sie laut Michele irgendwann unausweichlich – die Wahrscheinlichkeit erhöht sich mit Blick auf das Jahr 2017. „In den Jahren nach der weltweiten Finanzkrise wurde eine Reihe neuer, nicht nachhaltiger ‚Überschüsse‘ produziert, beispielsweise die Verschuldung in den Schwellenländern. Das Niveau der Kredite im Privatsektor und der Bruttoanlageinvestitionen in China ist weit von dem der Industrieländer entfernt und wird in naher Zukunft weiter steigen. Ein Abbau dieser Überschüsse wird Jahrzehnte dauern“, erläutert der Experte. Und auch abseits der Schwellenländer gebe es Überkapazitäten, seien es die Investitionen im Schieferölsektor oder der Bankensektor, der weiter schrumpfen müsste, um seine Profitabilität zurück zu erlangen.

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Ein weiterer aktueller Risikofaktor bleibe China, denn es ist noch nicht klar, ob die Institutionen in der Lage sein werden, eine weiche Landung der Wirtschaft herbeizuführen und gleichzeitig den Weg in Richtung freie Kapitalflüsse weiterzugehen. Mit Blick auf die Jahresmitte steigen auch die politischen Risiken sowohl in Großbritannien als auch in den USA: „Die Abstimmung in Großbritannien über einen potenziellen ‚Brexit‘ im Juni und die Präsidentschaftswahlen in den USA im November können zu einer erhöhten Risikoaversion und steigender Marktvolatilität führen. Nichtsdestotrotz schätzen wir das Risiko einer Krise als verhältnismäßig gering ein“, so Michele.

Seite zwei: Herausforderungen für Anleger

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