Atradius: Geopolitik belastet deutsche Unternehmen zunehmend

Foto: Cash./KI-geniert
Geopolitische Unsicherheiten wirken sich spürbar auf die wirtschaftliche Planung deutscher Unternehmen aus.

Die geopolitischen Spannungen erschweren zunehmend die Planungen deutscher Unternehmen. Eine aktuelle Umfrage von Atradius zeigt, dass zwar viele Betriebe die Risiken sehen, sich aber nur bedingt darauf vorbereitet fühlen.

Geopolitische Unsicherheiten wirken sich spürbar auf die wirtschaftliche Planung deutscher Unternehmen aus. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen berichtet von einer verschlechterten Planbarkeit in den vergangenen zwölf Monaten.

87 Prozent der Unternehmen sehen geopolitische Spannungen als relevanten Einflussfaktor für ihre Geschäftsentwicklung. Für 36 Prozent haben diese Entwicklungen sogar einen starken oder eher starken Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen, weitere 50 Prozent erkennen zumindest teilweise Auswirkungen.

„Geopolitische Risiken sind längst kein abstraktes Szenario mehr, sondern wirken sich konkret auf unternehmerische Entscheidungen aus“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius. Besonders betroffen sind Unternehmen mit international verzahnten Lieferketten und hoher Exportquote.

Unternehmen sehen Risiken, fühlen sich aber unzureichend vorbereitet

Trotz des gestiegenen Problembewusstseins fühlen sich viele Unternehmen nur eingeschränkt auf geopolitische Krisen vorbereitet. Rund die Hälfte bewertet die eigene Vorbereitung als kritisch, während lediglich knapp 43 Prozent ihr Unternehmen als gut oder sehr gut aufgestellt sehen.

Auch die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit fällt zurückhaltend aus. Im Durchschnitt vergeben die Befragten 5,2 von zehn Punkten. Die eigene Resilienz bewerten sie sogar nur mit 3,6 Punkten. „Die Ergebnisse zeigen eine strukturelle Diskrepanz: Unternehmen erkennen die Risiken, fühlen sich aber nicht ausreichend gewappnet“, sagt Liebold.

Fokus auf kurzfristige Maßnahmen im operativen Geschäft

Um auf die zunehmenden Unsicherheiten zu reagieren, setzen viele Unternehmen vor allem auf kurzfristige Maßnahmen. Am häufigsten nennen sie Anpassungen der Preisstrategie, ein intensiveres Risikomanagement sowie den Aufbau von Liquiditätsreserven.

Strukturelle Veränderungen spielen bislang eine geringere Rolle. Dazu zählen etwa die Regionalisierung von Lieferketten oder eine zurückhaltendere Investitionspolitik. „Viele Unternehmen konzentrieren sich derzeit darauf, Stabilität zu sichern und Risiken im Tagesgeschäft zu steuern. Das ist angesichts der aktuellen Lage nachvollziehbar“, sagt Liebold.

Konzentration auf beeinflussbare Faktoren

Im Umgang mit der anhaltenden Mehrfachbelastung rücken Faktoren in den Vordergrund, die Unternehmen direkt steuern können. Mehr als drei Viertel der Befragten setzen hier an und fokussieren sich verstärkt auf ihre Kernkompetenzen.


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Darüber hinaus gewinnen operative Flexibilität und Effizienz an Bedeutung. Unternehmen differenzieren ihre Lieferketten, bauen Liquiditätspuffer auf und treiben die Digitalisierung sowie die Automatisierung von Prozessen voran. Auch die regelmäßige Überprüfung des Produktportfolios rückt stärker in den Fokus. Zudem intensiviert mehr als ein Viertel der Unternehmen die interne Kommunikation mit den Beschäftigten.

Für die im März durchgeführte Umfrage wurden knapp 200 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen befragt, darunter Automotive, Bauwirtschaft, Chemie, Dienstleistungen, IT sowie Maschinenbau. Die Spannbreite reicht von kleineren Betrieben bis hin zu Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro und über 1.500 Beschäftigten.

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