Betriebliche Krankenversicherung: „Auch die bAV hat mal klein angefangen“

In Deutschland ist es bislang noch die Ausnahme, dass der „Chef den Chefarzt bezahlt“ – das wird aber nicht so bleiben. Davon sind vier Vertriebsexperten für die betriebliche Krankenversicherung (bKV) fest überzeugt.

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Die bKV-Experten (von links): Christian Philipps, Dirk Baumann (beide Axa); Robert Gladis (Hallesche); Klaus-Peter Dorn (Württembergische).

Cash.: Einer aktuellen Umfrage zufolge haben bislang nur vier Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland von ihrem Arbeitgeber eine betriebliche Krankenversicherung angeboten bekommen. Was ist zu tun, um diese Zahl zu steigern?

Christian Philipps, Leiter Vertrieb Betriebliche Krankenversorgung, Axa: Wir spüren schon jetzt, dass das Thema bKV in den Unternehmen immer präsenter wird. Die Arbeitgeber suchen händeringend nach Instrumenten, um die Fluktuation in der Belegschaft zu reduzieren und vor allem, um neue Mitarbeiter zu finden – da kommt die bKV genau zur rechten Zeit. Gleichwohl handelt es sich hierbei um einen Markt, in dem die Versicherer gemeinsam mit den Vermittlern agieren müssen und nicht reagieren. Die Dynamik muss sich noch steigern. Unsere Vertriebe benötigen nach wie vor noch sehr viel Unterstützung. Ich stoße zudem immer wieder auf größere Maklerhäuser, die zum Teil mehrere hundert Unternehmen betreuen, bei denen die bKV noch nicht einmal thematisiert wurde! Gleichwohl sollte man sich vergegenwärtigen, dass auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) mal klein angefangen hat – und heute wissen wir alle, welch hohen Stellenwert die bAV hat. Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass sich kleine Unternehmen oftmals schneller zu einer bKV-Implementierung bewegen lassen.

Robert Gladis, Leiter Kompetenzcenter bKV, Hallesche: Auch wenn die Zahl aus der Umfrage etwas anderes erwarten lässt: Die bKV befindet sich nicht mehr in einer Marktnische, sondern hat ein hohes Marktpotenzial. Und sie hat besondere Vorteile im Kollektivansatz. Die Hallesche forciert daher stark den arbeitgeberfinanzierten Bereich. Hier verzeichnen wir nennenswerte Anfragen von Großunternehmen. Die bKV ist eine besondere Zusatzleistung, die besonders bewertet gehört. Den in der Fachpresse gerne als bKV-Konkurrenz zitierten Firmenwagen sehe ich nicht als Konkurrenten, denn dieser steht nur bestimmten Personenkreisen zur Verfügung. Ähnliches gilt für das Smartphone. Und wenn ein Arbeitgeber Tankgutscheine rausgibt, freut sich vor allem der Tankwart. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das hat alles seine Berechtigung, trotzdem sage ich: Die bKV hat in diesem Sinne keinen Konkurrenten, weil sie eine ganz andere und eigene Wertigkeit hat – nämlich die Gesundheit.

Woran hapert es dann letztlich bei der Verbreitung in den Unternehmen?

Gladis: Weil dieser Wertigkeit oftmals nicht die Chance der richtigen Bewertung gegeben wird. Wie es Christian Philipps gerade gesagt hat: Es gibt viele Vertriebspartner, die ihre Spezialisierung in anderen Bereichen haben und die die bKV nicht oder beiläufig ansprechen. Und so verkennen viele Unternehmen bis heute die Potenziale eines betrieblichen Gesundheitskonzepts. Wenn wir aber die Möglichkeit bekommen, den Entscheider zu einer echten Bewertung der bKV zu bringen, erhalten wir nahezu 100 Prozent positive Rückmeldungen – auch wenn das natürlich nicht automatisch heißt, dass  daraus  eine  100-prozentige  Implementierung  folgt. Das Firmengeschäft ist nun mal ein sehr langwieriges Geschäft.

Seite zwei: Wir sehen in der bKV einen ’schlafenden Riesen'“

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