„Gefährdungspotenzial der KMU unterscheidet sich erheblich“

Cash. sprach mit Thomas Lanfermann, Vorstand Komposit der Helvetia, über den Nachholbedarf kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) in Sachen Gewerbeversicherung und Faustformeln für einen angemessenen Versicherungsschutz.

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„Gerade bei Neugründungen stellen wir immer wieder fest, dass selbst zwei oder drei Jahre nach Betriebseröffnung noch kein Haftpflichtversicherungsschutz besteht.“

Cash.: Besteht bei KMU grundsätzlich noch Nachholbedarf in Sachen Gewerbeversicherung?

Lanfermann: Die Absicherung von KMU durch eine gewerbliche Haftpflichtversicherung schätzen wir relativ hoch ein. Allerdings gibt es hier immer noch großen Absicherungsbedarf. Gerade bei Neugründungen stellen wir immer wieder fest, dass selbst zwei oder drei Jahre nach Betriebseröffnung noch kein Haftpflichtversicherungsschutz besteht. Die weit überwiegende Mehrzahl aller Kunden, die bei uns ihre Haftpflichtversicherung abschließen, war bereits vorher versichert. Die Gründe für diese Situation dürften darin liegen, dass der KMU-Bereich von Versicherern stark umworben ist.

Wie kann man KMU dafür sensibilisieren, dass die gewerbliche Existenz ohne Versicherungsschutz auf dem Spiel steht?

Das Gefährdungspotenzial der einzelnen KMU unterscheidet sich oft ganz erheblich. Deswegen setzt Helvetia sehr stark auf eine individuelle Beratung durch unsere Vertriebspartner. Sie können die Risiken des Kunden am besten beurteilen und deutlich machen. Dabei spielen realistische Schadenbeispiele eine erhebliche Rolle. Deshalb haben wir zur Unterstützung des Beratungsgesprächs für die einzelnen Produkte Informationsmaterial mit Schadensfällen entwickelt.

Für KMU ist es besonders wichtig, eine angemessene Versicherungssumme zu wählen. Gibt es hierfür eine Faustformel?

Es wäre schön, wenn wir in der gewerblichen Haftpflichtversicherung eine solche Faustformel hätten. Doch so einfach ist die Risikosituation leider nicht. Das liegt schon daran, dass die gesetzliche Haftung grundsätzlich keine Höchstgrenzen vorsieht. Dazu kommt, dass das Risiko, einen anderen zu schädigen, je nach beruflicher oder gewerblicher Tätigkeit ganz unterschiedlich ist. Während zum Beispiel bei Ärzten das Personenschadenrisiko im Vordergrund steht, sind es bei den Handwerkern die Sachschäden. Bei manchen Betriebsarten ist eher mit einer Vielzahl kleinerer Schäden zu rechnen, während bei anderen eher Großschäden die Regel sind. Eine Orientierung gibt uns die statistische Analyse der Versicherungswirtschaft. Deren Ergebnisse legen wir bei der Festlegung der tariflichen Mindestversicherungs-summen zugrunde. Diese dienen dann im KMU-Bereich den Vertriebspartnern zur Orientierung. Grundsätzlich liegt die Entscheidung beim Versicherungsnehmer, welche Versicherungssumme gewählt wird.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Helvetia

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