OpenAI-Börsengang verschoben: Sam Altman hat den für 2026 erwarteten Termin nun offiziell abgesagt. Als Grund nennt der OpenAI-Chef ausdrücklich ungelöste Sicherheitsfragen, nicht etwa eine fehlende Marktreife des Unternehmens. Zugleich deutet Altman an, dass sich mehrere führende KI-Konzerne auf eine gemeinsame Verlangsamung ihrer Entwicklung verständigen könnten.
OpenAI-Börsengang verschoben: Das sagt Sam Altman
Auslöser ist ein Interview mit dem US-Magazin Fortune, veröffentlicht am 12. September 2026. Darin erklärt Altman unmissverständlich, dass OpenAI in diesem Jahr nicht an die Börse gehen werde. Wörtlich sagt er: „Given everything happening with safety, right now would be an ill-advised moment to go public“. Sinngemäß bedeutet das: Angesichts der aktuellen Sicherheitslage wäre ein Börsengang derzeit unklug.
Auf die Nachfrage, ob wenigstens 2027 realistisch sei, bleibt Altman jedoch ausweichend. „I would say not 2026. We got a lot of stuff to do“, sagt er. Vor allem bei Sicherheit und Alignment sehe er noch erheblichen Handlungsbedarf. Alignment meint dabei die Ausrichtung von KI-Systemen an menschlichen Werten und Zielen.
Warum OpenAI den Börsengang verschiebt
Altman begründet den Schritt explizit mit Sicherheitsbedenken. Vorausgegangen waren laut Medienberichten mehrere Vorfälle, bei denen sich KI-Agenten außerhalb vorgesehener Grenzen bewegten. Hinzu kam der Abgang mehrerer Sicherheitsforscher aus großen KI-Laboren. Diese Häufung dürfte den Zeitpunkt für eine derart deutliche öffentliche Aussage begünstigt haben.
Zum Risiko einer existenziellen Bedrohung durch Künstliche Intelligenz äußert sich Altman zurückhaltend. Konkrete Zahlen nennt er nicht: „Whether it’s 10 or eight or six, the point is, we all have a tremendous amount of responsibility“, sagt er. Unabhängig von der genauen Prozentzahl trage die Branche seiner Auffassung nach eine erhebliche Verantwortung.
Einzelne deutschsprachige Berichte haben Altman in diesem Zusammenhang eine eigene Zehn-Prozent-Einschätzung zur Auslöschung der Menschheit zugeschrieben. Das lässt sich anhand der Primärberichterstattung allerdings nicht bestätigen. Laut Fortune stammen konkrete Prozentangaben von anderen Branchenvertretern, nicht von Altman selbst. Elon Musk nennt zehn bis 20 Prozent. Anthropic-Chef Dario Amodei nennt hingegen zehn bis 25 Prozent.
Der Zeitplan zum Börsengang im Rückblick
Der Termin für den OpenAI-Börsengang hatte sich bereits vor Altmans Aussagen mehrfach verschoben. Ein Blick auf die Chronologie zeigt, wie sich die Erwartungen seit dem Frühjahr 2026 entwickelt haben:
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| März 2026 | Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar, angeführt von SoftBank, Amazon und Nvidia |
| Anfang Juni 2026 | Vertrauliche S-1-Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC, Goldman Sachs und Morgan Stanley als führende Konsortialbanken, interner Zielkorridor September 2026 |
| August 2026 | Finanzchefin Sarah Friar räumt bei einer Mitarbeiterversammlung ein, der Börsengang komme eher „in 2027″ |
| 12. September 2026 | Sam Altman bestätigt die Verschiebung öffentlich, ohne sich auf 2027 festzulegen |
Damit bestätigt Altman im September vor allem öffentlich, was firmenintern bereits im Sommer absehbar war.
Wie hoch OpenAI bei einem Börsengang bewertet werden könnte
Die zuletzt bestätigte Bewertung für den geplanten OpenAI-Börsengang liegt bei 852 Milliarden US-Dollar aus der Finanzierungsrunde vom März 2026. Für den eigentlichen Börsengang streben mehreren Berichten zufolge bis zu einer Billion US-Dollar an. An diesem Ziel soll Altman intern festhalten. Wie belastbar diese Marke tatsächlich ist, lässt sich derzeit nicht unabhängig verifizieren. Es handelt sich um eine Zielgröße, keine bestätigte Bewertung.
Zum Vergleich: Ein Mitarbeiter-Aktienrückkaufprogramm über sieben Milliarden US-Dollar im August 2026 fand noch zur März-Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar statt.
Amodeis Vorschlag für eine gemeinsame Verlangsamung
Zeitgleich mit Altmans Aussagen veröffentlicht Anthropic-Chef Dario Amodei einen Aufsatz mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“. Sinngemäß bedeutet das: Wir müssen das Tempo an der Front drosseln. Darin schlägt er ein dreistufiges Vorgehen vor.
Erstens sollen unabhängige externe Prüfer dauerhaften, mitarbeiterähnlichen Zugang zu den Sicherheitsprozessen führender KI-Labore erhalten. Anthropic hat das eigenen Angaben zufolge bereits eingeführt, während OpenAI ankündigte, nachzuziehen. Zweitens sollen sich Unternehmen aus demokratischen Staaten auf gemeinsame Sicherheitsstandards und Belastungsgrenzen für das Entwicklungstempo verständigen. Das würde aus kartellrechtlichen Gründen allerdings eine Beteiligung der US-Regierung voraussetzen. Drittens strebt Amodei langfristig internationale Vereinbarungen an, auch mit geopolitischen Rivalen wie China. Dieses Ziel hält er selbst nur in Teilen für kurzfristig umsetzbar.
Wie die Branche auf die Sicherheitsdebatte reagiert
Sam Altman äußert sich zustimmend und kündigt an, OpenAI werde „das Gleiche tun“ wie Anthropic bei den externen Prüfern. Auch Elon Musk signalisiert knapp Zustimmung: „Dario is right“, schreibt er.
Altman zufolge könnte eine formellere Einigung zwischen mehreren führenden Anbietern zeitnah folgen. Im Gespräch sind unter anderem OpenAI, Anthropic, Google DeepMind und Musks Unternehmen. Details nennt er bislang nicht.
Bereits im Juli 2026 hatten Mitarbeitende großer KI-Labore einen offenen Brief an die US-Regierung geschickt. Er rief zu einer koordinierten Verlangsamung der KI-Entwicklung auf. Die Zahl der Unterzeichner wird in verschiedenen Quellen uneinheitlich zwischen rund 1.100 und rund 1.400 angegeben. Entsprechend liegt eine belastbare, einheitlich bestätigte Zahl bislang nicht vor. Ob und in welcher Form eine formelle Vereinbarung zwischen den Unternehmen tatsächlich zustande kommt, ist nach derzeitigem Stand offen. Es handelt sich vorerst um Absichtserklärungen, nicht um einen unterzeichneten Pakt.
Was der verschobene OpenAI-Börsengang für Berater und Anleger bedeutet
Der verschobene OpenAI-Börsengang hat für Berater und Anleger vor allem eine Konsequenz: Der Zugang zu einer möglichen Beteiligung über die Börse verzögert sich weiter. Wer bislang auf einen zeitnahen Termin gesetzt hat, muss sich nun auf frühestens 2027 einstellen. Auch dieses Datum ist nicht bestätigt.
Gleichzeitig könnte die angedeutete Branchenvereinbarung zur KI-Sicherheit das Tempo verlangsamen, in dem neue, leistungsfähigere Modelle auf den Markt kommen. Für die Bewertung von KI-Investments ist das ein Faktor, der bislang kaum eingepreist scheint. Das gilt insbesondere für die Frage, wie stark aktuelle Marktbewertungen auf immer schnelleren Fortschritt setzen.













