KI-Investitionen: Technologiebranche steuert auf einen Angebotsboom zu

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Portraitfoto von Sebastian Mallet, T. Rowe Price
Bild: T. Rowe Price; Hintergrund erweitert mithilfe von KI (OpenAI)
Sebastien Mallet, Portfolio Manager Global Value Equities bei T. Rowe Price, analysiert die Verschiebungen in den globalen Technologie-Lieferketten.

Nach Monaten knapper Kapazitäten baut die Technologiebranche ihr Angebot aus. Das könnte Preise und Margen unter Druck setzen – und wirft für Anleger eine zentrale Frage auf: Wer verdient langfristig am KI-Boom? Ein Marktkommentar von Sebastien Mallet, Portfolio Manager Global Value Equities bei T. Rowe Price.

Der Technologiebereich steht vor einer neuen Versorgungsphase. Seit rund 18 Monaten sind die Preise in Teilen der Lieferkette hoch, was zu Engpässen und einem gewissen Nachfragerückgang geführt hat, unter anderem dadurch, dass Kunden ihre Anforderungen heruntergeschraubt haben. In einigen Bereichen konnten sich vor allem solche Unternehmen die benötigten Komponenten sichern, die bereit waren, die höchsten Preise zu zahlen. Dies folgt auf ein Jahrzehnt relativ begrenzten Wachstums in den Lieferketten für Mobiltelefone und PCs.

Doch nun sind die Unternehmen damit beschäftigt, Kapazitäten auszubauen. So wie sich im Aufschwung sektorweise Engpässe bildeten, dürfte das Angebot nun mit unterschiedlicher Geschwindigkeit zurückkehren. In einigen Bereichen wird es einfacher sein, Kapazitäten zu erweitern, insbesondere dort, wo China bereits über die entsprechenden Fertigungskapazitäten verfügt. In anderen Bereichen wird dies länger dauern.

Speicher sind ein gutes Beispiel. NAND ist schwierig, aber Chinas YMTC expandiert rasch und könnte bis zum Ende des Jahrzehnts zu einem wesentlich bedeutenderen globalen Anbieter werden. DRAM könnte einer der letzten Bereiche sein, in denen das Angebot wieder steigt.

Es gibt auch Teile der Lieferkette, die von diesen Investitionen profitieren könnten. Halbleiterausrüstung, die von Speicherherstellern genutzt wird, ist ein Bereich, den man im Auge behalten sollte, während der Zyklus bei Siliziumwafern ebenfalls noch eine Weile anhalten könnte.

Es dürfte zudem zu zahlreichen Doppel- oder sogar Dreifachbestellungen im System kommen. Wenn Komponenten knapp sind, versuchen Kunden natürlich, sich das, was sie benötigen, aus mehreren Quellen zu sichern. Wenn mehr Angebot verfügbar wird, sollten wir ein viel klareres Bild vom zugrunde liegenden Nachfrageniveau erhalten.


Das könnte Sie auch interessieren:

Das führt zu der übergeordneten Frage rund um die KI: Wer wird letztendlich die Rendite aus all dem investierten Kapital erzielen? Es besteht kaum Zweifel daran, dass KI die Welt verändern wird. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass jede heute getätigte Investition eine attraktive Rendite abwirft.

Wenn Rechenleistung falsch bepreist ist, KI-Dienste relativ günstig bleiben und die Hürden für die Entwicklung neuer KI-gestützter Produkte und Dienstleistungen niedrig sind, wer zahlt dann letztendlich genug, um eine Rendite auf die aufgebaute Infrastruktur zu erzielen?

China fügt eine weitere Dimension hinzu. Chinesische Unternehmen sind unter Umständen bereit, im Streben nach Marktanteilen sehr geringe Renditen in Kauf zu nehmen, was die Angebotsreaktion in Teilen des Technologie-Ökosystems beschleunigen könnte. KI wird die Welt verändern. Die Frage im Zusammenhang mit Investitionen lautet: Wer erzielt letztendlich die Rendite aus dem gesamten Kapital, das für den Aufbau der KI aufgewendet wird?

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments