Die Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte auf 2,50 % wurde an den Märkten erwartet. Trotz eingepreister Leitzinserwartungen und einer entsprechend verhaltenen Marktreaktion erhöht der anhaltende Energiepreisschock das Risiko, dass die Inflation länger oberhalb des Zielwerts verharrt und geldpolitische Lockerungsspielräume weiterhin begrenzt bleiben.
Für die Märkte liegt die größere Bedeutung daher in den sekundären Effekten. Steigende Staatsanleiherenditen, die erneute Überschreitung der Marke von 100 US-Dollar beim Ölpreis und wieder zunehmende Zinserhöhungserwartungen verschärfen die globalen Finanzierungsbedingungen. Die US-Notenbank steht somit vor ihrer September-FOMC-Sitzung vor demselben Inflationsimpuls, allerdings bei bereits höherem Leitzinsniveau und einer robusteren Binnenkonjunktur. Eine parallele Straffung ist damit zwar wahrscheinlicher geworden, jedoch keineswegs zwingend.
Für Krypto-Assets bleibt der direkte Einfluss der EZB begrenzt. Relevanter sind die globalen Transmissionskanäle: höhere reale und nominale Renditen, ein robuster US-Dollar, schwächere Risikobereitschaft und weiterhin restriktive Liquiditätsbedingungen. Sie erhöhen die Opportunitätskosten von Bitcoin und belasten insbesondere Marktsegmente mit hohem Beta.

Dennis Oevermann (Foto: Bitcoin Suisse)
Die entscheidende Variable, welche die Trajektorie der anstehenden Zinsentscheidungen wesentlich beeinflussen wird, ist der Energiepreis. Bleibt Öl nachhaltig erhöht, könnte der EZB-Zinsentscheid lediglich der initiale Schritt eines breiteren erneuten Straffungszyklus sein. Schwächt der Inflationsimpuls jedoch ab, dürfte sich auch der geldpolitische Druck rasch abschwächen und der Trend wieder in Richtung einer fortgesetzten Lockerungspolitik schwenken. Für Krypto ist die makroökonomische Hürde für eine nachhaltige Erholung damit vorerst graduell gestiegen, obwohl der übergreifende Trend weiterhin auf ein stabileres makroökonomisches Umfeld hindeutet.
Autor Denis Oevermann, Investment Strategist bei Bitcoin Suisse.















