Aktien oder Anleihen – was bedeutet der Strukturwandel für die strategische Vermögensaufteilung?

Hände, die auf einem Tablet Grafiken verschieben.
Foto: PantherMedia/ra2studio
Die Verteilung von Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Co. muss künftig neu gedacht werden.

Im Jahr 2022 fielen Aktien und Anleihen im Gleichschritt, was Fragen nach der Rolle dieser Vermögenswerte in Portfolios und ihrer Korrelation aufwarf. Müssen die traditionellen Ansätze bei der Konstruktion von Portfolios neu überdacht werden?

Seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2009 sorgten starke Gewinne sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen für hohe Renditen. Im Jahr 2022 verzeichneten jedoch sowohl Aktien als auch Anleihen aufgrund von Inflations- und Wachstumssorgen eine schwache Performance. Für ein Standardportfolio aus 60 % globalen Aktien und 40 % Anleihen war 2022 das schlechteste Jahr (-14,4 %) der letzten 50 Jahre (mit Ausnahme der globalen Finanzkrise).

Anleger sehen sich mit einem neuen System konfrontiert, in dem Anleihen die Portfolios möglicherweise nicht mehr vor Kursverlusten bei Aktien schützen können. Verschiedene makroökonomische Megatrends werden wahrscheinlich einen größeren Einfluss auf die zukünftigen Renditen haben. So verwundert es nicht, dass Ansätze der Portfoliokonstruktion, die jahrzehntelang funktionierten, jetzt in Frage gestellt werden.

Mehrere große Trends, die wir zusammenfassend als „Strukturwandel“ (Englisch: regime shift) bezeichnen, werden die mittelfristigen Anlageaussichten prägen.

  1. Zentralbanken geben Inflationsbekämpfung Vorrang vor Wachstum
  2. Regierungen reagieren mit aktiverer Fiskalpolitik
  3. Für die Globalisierung zeichnen sich weitere Herausforderungen ab
  4. Unternehmen reagieren auf steigende Kosten mit Investitionen in Technologie
  5. Reaktion auf den Klimawandel beschleunigt sich

Im Folgenden wird untersucht, wie sich der Strukturwandel auf liquide Vermögenswerte und Korrelationen auswirkt und wie Anleger darauf reagieren sollten.

Recap: Wie haben sich die Wertentwicklung und Korrelationen für 60/40-Portfolios geändert?

Die größten Verluste erlitt ein Portfolio, das zu 60 % aus Aktien und zu 40 % aus Anleihen bestand, in den Jahren 2002, 2008 und 2022 (Abbildung 1). In anderen Jahren hat sich dieser Ansatz in der Regel als erfolgreich erwiesen und den Anlegern in der Regel positive Ergebnisse beschert. Auf Jahre mit einer negativen Wertentwicklung folgt oft eine starke Erholung.

Abbildung 1: 60/40-Portfolio in den meisten Jahren erfolgreich

Strukturwandel für die strategische Vermögensaufteilung

Das 60/40-Portfolio ist nicht nur wegen seiner positiven Ergebnisse beliebt, sondern auch, weil es angesichts der negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen seit der Jahrtausendwende eine hohe Diversifikation ermöglichte.

Abbildung 2 zeigt anhand eines Modells mit US-Aktien und US-Staatsanleihen, dass – obwohl Aktien im Zeitablauf die höchsten annualisierten Renditen aufweisen – das 60/40-Portfolio aus risikobereinigter Sicht vor allem nominal gut abgeschnitten hat.

Ähnlich sieht es auch für ein 60/40-Portfolio aus, das aus globalen Aktien und globalen Staatsanleihen besteht.

Abbildung 2: Das diversifizierte Portfolio bietet bessere risikobereinigte Renditen

Strukturwandel für die strategische Vermögensaufteilung
Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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