Die Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) sieht trotz geopolitischer Spannungen und steigender Inflationsrisiken weiterhin Unterstützung für die Aktienmärkte. Bereits im April habe die Bank infolge des Irankriegs mit einem Inflationsschock und einer vorsichtigeren Geldpolitik der Zentralbanken gerechnet. Dennoch erreichten Aktienmärkte in den USA sowie in Schwellenländern wie Taiwan und Südkorea neue Höchststände.
„Auch wenn sich dieses Szenario nun bewahrheitet und die Aussichten auf eine nennenswerte geldpolitische Lockerung geschmälert hat, sind die Aktienmärkte in den USA und den Schwellenländern, insbesondere in Taiwan und Südkorea, auf neue Allzeithochs gestiegen. Dieses Paradoxon verdient eine genauere Betrachtung“, schreibt Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Management der UBP, in einem aktuellen Marktbericht.
Nach Einschätzung der Bank erklärt sich die Entwicklung vor allem durch den starken Gewinnzyklus im Technologiesektor. Vor allem Investitionen rund um künstliche Intelligenz sorgten für steigende Umsätze und Gewinne. Gleichzeitig habe der Konflikt im Nahen Osten zwei langfristige Entwicklungen beschleunigt: den Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft bei KI sowie die geopolitische Neuordnung der Energieversorgung.
KI-Investitionen und Energiesicherheit im Fokus
Die UBP sieht erhebliche Investitionen in KI-Infrastruktur als wichtigen Treiber für die globale Gewinnentwicklung. Besonders die USA und asiatische Märkte profitierten derzeit von dieser Entwicklung. Gleichzeitig habe der Konflikt die Verwundbarkeit der Energiemärkte offengelegt und den Ressourcen-Nationalismus verstärkt. Dadurch werde Energiesicherheit zunehmend zu einem strukturellen Anlagethema.
„Die Märkte konzentrieren sich zunehmend auf die Beständigkeit der Gewinne, insbesondere in Sektoren, die direkt von KI und Energieinfrastruktur betroffen sind. Diese Dynamik sollte jedoch bestimmte Schwachstellen nicht verschleiern: Die erhöhte sektorale Konzentration und das Tempo der Neubewertung der Gewinne rechtfertigen beide ein aktives kurzfristiges Risikomanagement“, schreibt Lok mit Blick auf die laufende Berichtssaison.
Im Anleihebereich setzt die UBP weiterhin auf Schwellenländer. Dort seien Renditen attraktiv, während sich Ratings und Fundamentaldaten vieler Länder verbesserten. Hohe Rohstoffpreise stärkten zusätzlich die Haushalts- und Außenhandelspositionen rohstoffreicher Volkswirtschaften.
Schwellenländeranleihen und Gold bleiben gefragt
„Wir bevorzugen Schwellenländeranleihen, wo die Renditen attraktiv bleiben, sich die Ratings weiter verbessern und die Fundamentaldaten solide bleiben. Hohe Rohstoffpreise sorgen für zusätzlichen Rückenwind, stärken die Haushalts- und Außenhandelspositionen ressourcenreicher Volkswirtschaften und untermauern die fundamentalen Argumente für diese Anlageklasse“, führt Michaël Lok aus.
Aktien bleiben nach Einschätzung der UBP dennoch die zentrale Anlageklasse. Bevorzugt werden weiterhin der US-Markt, Technologieunternehmen sowie Branchen rund um Elektrifizierung und Energiesicherheit. Auch an Gold hält die Bank fest. Der langfristige Aufwärtstrend werde durch die Nachfrage der Zentralbanken und die Diversifizierung internationaler Reserven gestützt.
„In einer Welt, die einen tiefgreifenden Umbruch durchläuft, wird die Fähigkeit zum aktiven Risikomanagement der entscheidende Unterscheidungsfaktor sein“, ist der UBP-Stratege überzeugt.














