Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) widerspricht zentralen Aussagen einer Verivox-Analyse zum Altersvorsorgedepot. Die These, Gebühren könnten die staatliche Förderung vollständig aufzehren, hält das Institut für nicht belastbar. Die zugrunde liegenden Berechnungen ließen wesentliche Einflussfaktoren unberücksichtigt.
„Die Verivox-Schlagzeile klingt alarmierend, hält aber einer ökonomischen Prüfung nicht stand“, sagt Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. „Hier wird ein Vergleich konstruiert, der reale Kosten im ungeförderten Vergleichsdepot ignoriert und die steuerliche Realität vollständig ausblendet.“ Nach Darstellung des DIA wird das Altersvorsorgedepot dadurch systematisch schlechter dargestellt. Im Kern kritisiert das Institut die Gegenüberstellung eines geförderten Altersvorsorgedepots mit Kosten von bis zu 1,0 Prozent und eines ungeförderten ETF-Depots, das in der Modellrechnung faktisch ohne Kosten angesetzt wird. Zudem werde die Förderung auf eine Grundzulage von 25 Prozent begrenzt.
Kritik an Kostenannahmen und Förderlogik
Nach Einschätzung des DIA führt diese Modellierung zu einer verzerrten Vergleichsbasis. „Ein kostenfreies ETF-Depot existiert in der Realität nicht“, betont Schwark. „Selbst günstige ETFs verursachen laufende Kosten von typischerweise 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Wer 1,0 Prozent gegen null rechnet, erzeugt eine künstliche Kostenschere.“
Auch die staatliche Förderung werde nicht vollständig erfasst. Neben der Grundzulage spielten weitere Fördermechanismen sowie steuerliche Effekte eine Rolle, die in der Analyse unberücksichtigt blieben. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die fehlende Berücksichtigung steuerlicher Belastungen im ungeförderten ETF-Depot. Laufende Erträge unterliegen dort der Abgeltungsteuer, etwa durch Ausschüttungen oder die Vorabpauschale, was die Rendite nach Steuern mindert.
Steuerliche Effekte als zentraler Unterschied
„Bei den Renditeannahmen von Verivox kostet die Besteuerung des ETF-Depots fast zwei Prozentpunkte Rendite – ein Effekt, der jede diskutierte Kostendifferenz überlagert“, so Schwark. „Gleichzeitig bleiben die steuerlichen Vorteile des Altersvorsorgedepots, etwa die Abzugsfähigkeit der Beiträge inklusive Zulagen und die Günstigerprüfung, komplett außen vor.“
Darüber hinaus verweist das DIA auf den sogenannten intertemporalen Progressionseffekt. Beiträge würden im Erwerbsleben häufig zu höheren Steuersätzen geleistet, während die Besteuerung im Ruhestand meist niedriger ausfalle. Dies erhöhe die effektive Nachsteuerrendite geförderter Vorsorgeprodukte.
Aus Sicht des Instituts ergibt sich erst bei Einbeziehung von Kosten, Förderung und Steuern ein vollständiges Bild. Unter diesen Voraussetzungen falle der Vergleich anders aus als in der Verivox-Analyse dargestellt.
Debatte um Aussagekraft von Modellrechnungen
„Kosten sind wichtig, keine Frage“, fasst Schwark zusammen. „Aber wer Kosten bewertet, muss Förderung und Steuern zwingend mitrechnen. Alles andere ist keine sachgerechte Verbraucherinformation. Die Aussage, die Förderung werde schon bei 1,0 Prozent Kosten ‚aufgezehrt ‘, ist nicht haltbar.“













