Bauzinsen bleiben hoch: Warum Eigenkapital jetzt wichtiger wird

Jörg Utecht
Foto: Interhyp/Andreas Pohlmann, Tobias Lug
Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe

Die Bauzinsen verharren um 4 Prozent. Interhyp sieht kaum Spielraum für schnelle Entlastung und zeigt, wie Eigenkapital die Finanzierung spürbar verbessern kann. Ein Hebel steht dabei besonders im Fokus.

Die geopolitische Lage im Nahen Osten hält die Finanzmärkte weiter in Bewegung. Nach Einschätzung des Interhyp-Bankenpanels ziehen die Renditen von Staatsanleihen an. Das hält die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen auf einem erhöhten Niveau rund um 4 Prozent.

„Die Kapitalmarktzinsen werden weiterhin stark von den Ereignissen im Nahen Osten geprägt sein. Allerdings wird selbst bei einem schnellen Ende des Konflikts die erste Inflationswelle nicht mehr zu vermeiden sein und die EZB im Juni mit einer ersten Zinserhöhung antworten“, heißt es aus dem Panel.

Kurzfristig rechnen 80 Prozent der befragten Experten mit gleichbleibenden Bauzinsen in den kommenden vier Wochen. 20 Prozent erwarten sinkende Konditionen. Auf Sicht von sechs bis 12 Monaten gehen 60 Prozent von steigenden Bauzinsen aus, 40 Prozent von einem stabilen Niveau.


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Für Kaufinteressierte rückt damit die Finanzierungsstruktur stärker in den Vordergrund. „Ich gehe nicht von signifikant sinkenden Bauzinsen in naher Zukunft aus. Daher würde ich auch Kaufinteressierten nicht dazu raten, darauf zu spekulieren. Gerade in der aktuellen Situation ist es ratsam, so viel Eigenkapital wie möglich in die Finanzierung einzubringen“, sagt Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe.

Wie groß der Effekt sein kann, zeigt Interhyp anhand eines Kaufpreises von 400.000 Euro. Bei zehn Prozent Eigenkapital liegt der Sollzins für ein zehnjähriges Darlehen demnach bei rund 3,97 Prozent pro Jahr. Bei 20 Prozent Eigenkapital sinkt der Zinssatz nach Überschreiten der 80-Prozent-Beleihungsgrenze auf etwa 3,79 Prozent.

Bei einer Anfangstilgung von 3 Prozent ergibt sich laut Interhyp über zehn Jahre eine Zinsersparnis von rund 18.300 Euro. Zugleich fällt die monatliche Belastung niedriger aus. Über zehn Jahre müssen Käuferinnen und Käufer in diesem Beispiel rund 34.000 Euro weniger Kapital aufbringen.

Interhyp fordert Entlastung bei Nebenkosten

Utecht fordert in diesem Zusammenhang politische Entlastungen bei den Kaufnebenkosten. „Ein deutlich zu hoher Anteil des Eigenkapitals geht heute für Kaufnebenkosten drauf. Dabei gibt es genug wirksame Hebel, die hier helfen könnten. Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer für Erstkäufer wären zum Beispiel ein solcher Hebel. Nur wenn der Staat die Nebenkosten-Hürde senkt, kann das eingebrachte Eigenkapital auch zielgerichtet in die Optimierung der Konditionen und in die Tilgung fließen. Das würde vielen Menschen den Zugang zu Wohneigentum erleichtern.“

Kaufinteressierte sollten nach Einschätzung von Interhyp prüfen, welche Eigenkapitalquellen sie nutzen können. Dazu zählen Bausparverträge, Lebensversicherungen als Zusatzsicherheiten, Schenkungen, private Familiendarlehen oder bereits abbezahlte Immobilien im Familienbesitz.

„Die Botschaft im Mai ist klar: Die Bauzinsen bleiben volatil mit Tendenz nach oben. Der beste Schutz dagegen ist ein fundierter Eigenkapital-Plan und ein breiter Anbietervergleich“, so Utecht.

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