Binance Hack: Börse gibt Auszahlungen frei und deckt 95 Prozent des Schadens

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Hand hält ein Smartphone mit grün steigendem Kursverlauf in einer App, im Hintergrund ein Büro bei blauer Stunde.
Bild: KI-generiert
Seit Sonntagmorgen laufen die Auszahlungen in mehreren Phasen wieder an.

Nach dem größten Diebstahl der Kryptogeschichte zahlt Binance seit Sonntag wieder Kundengelder aus. Die Börse beziffert die Deckung des Schadens inzwischen auf 95 Prozent, das FBI macht Nordkorea für den Angriff verantwortlich. Was Anleger und Vermittler jetzt wissen sollten.

Binance hat am Sonntag, dem 1. November 2026, begonnen, Kundenauszahlungen nach dem Angriff auf die Plattform schrittweise wieder freizugeben. Der Binance Hack gilt nach übereinstimmenden Angaben als größter Diebstahl der Kryptogeschichte. Verantwortlich dafür macht das FBI gemeinsam mit dem US Secret Service und der Steuerfahndung IRS-CI die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor. Nach eigenen Angaben deckt die Börse inzwischen 95 Prozent des entstandenen Schadens aus Unternehmensreserven.

Die erste Phase der Freigabe startete am Sonntag zwischen sechs und neun Uhr UTC, zunächst für Bitcoin, Ethereum, BNB, XRP, Base, Doge sowie Optimism. Parallel dazu passte Binance die Zahl zur Deckung des Schadens aus eigenen Mitteln an: von zunächst etwa 90 Prozent am 31. Oktober auf einen Tag später rund 95 Prozent. Bei den zehn am stärksten betroffenen Werten - Bitcoin, Ethereum, USDT, BNB, Solana, USDC, XRP, USD1, RLUSD sowie ZEC - gibt das Unternehmen eine vollständige Deckung an. Die verbleibenden rund fünf Prozent betreffen demnach weniger liquide Token.

Das FBI macht Nordkorea für den Binance Hack verantwortlich

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden summiert sich der Gesamtschaden auf 6,43 Milliarden Dollar, verteilt über elf Blockchains. Ethereum und Bitcoin machten zusammen 82 Prozent der gestohlenen Vermögenswerte aus. Das FBI teilt mit, dass Nordkorea für den Diebstahl virtueller Vermögenswerte im Wert von über sechs Milliarden Dollar verantwortlich sei, der sich am oder um den 29. Oktober 2026 bei der Kryptobörse Binance ereignete. Die Behörde schreibt die Tat der Gruppe TraderTraitor zu, die auch unter den Bezeichnungen Jade Sleet, Pressure Chollima, PUKCHONG, Slow Pisces oder UNC4899 geführt wird und bereits seit mindestens 2020 aktiv sein soll. Die Analysefirma TRM Labs trifft diese Zuordnung nach eigenen Angaben mit hoher Zuversicht, gestützt auf On- und Off-Chain-Daten.

Der eigentliche Angriff erstreckte sich über etwa vier Stunden - beginnend Donnerstagabend um 21:04 Uhr und endend Freitagfrüh um 00:56 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Innerhalb dieses Zeitraums entwendeten die Angreifer Mittel aus 17 sogenannten Hot Wallets, verteilt auf neun Blockchains. Laut Binance deutet die bisherige Untersuchung auf den kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs als wahrscheinlichen Ausgangspunkt des Angriffs hin. Darüber habe der Angreifer Zugriff auf einen Service-Container und auf unautorisierte Auszahlungstransaktionen erhalten. Später betonte das Unternehmen, der Vorfall gehe auf mehrere Faktoren zurück und sei ein komplexer Angriff gewesen.

Wie die Täter die Beute waschen wollen

FBI, Secret Service und IRS-CI warnen in ihrer gemeinsamen Erklärung vor anhaltender Geldwäsche. Die Täter wandeln die gestohlenen Bestände demnach vor allem in Ethereum um. Anschließend, so die Erwartung der Behörden, sollen die Vermögenswerte über DeFi-Dienste und Sofort-Tauschbörsen weiter gewaschen werden.

Mehrere Marktteilnehmer reagierten bereits. Die Stablecoin-Anbieter Tether, Circle und Ripple sowie die Netzwerke Arbitrum und Optimism blockierten - je nach Quelle - zwischen rund 2,7 und drei Milliarden Dollar der entwendeten Gelder.


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SAFU-Fonds reicht nicht aus - Binance zahlt aus eigenen Reserven

Seit Juli 2018 unterhält Binance mit SAFU (Secure Asset Fund for Users) einen Notfallfonds, in den zehn Prozent der Handelsgebühren fließen. 2026 bekräftigte das Unternehmen, der Fonds sei rund eine Milliarde Dollar wert - ein Bruchteil des Schadens aus dem Binance Hack. Für den Ausgleich sämtlicher Kundenverluste legte die Börse nach eigenen Angaben deshalb rund 6,34 Milliarden Dollar an Unternehmensmitteln zurück. Binance erklärte, das Unternehmen werde die finanziellen Folgen der gestohlenen Mittel selbst tragen und nicht seine Nutzer.

Die Angaben zur Deckung beruhen bislang auf der Selbstauskunft des Unternehmens. Binance kündigte zudem eine aktualisierte Proof-of-Reserves-Momentaufnahme an, deren vollständige kryptografische Verifizierbarkeit bis zum 3. November 2026 erwartet wird.

Bitcoin-Kurs nach dem Binance Hack

Nachdem der Angriff öffentlich geworden war, sackte der Bitcoin-Kurs von über 80.000 auf etwa 76.650 Dollar ab - der niedrigste Wert seit sechs Wochen. Bis Freitagmorgen erholte sich der Kurs wieder auf etwa 78.000 Dollar. Binance-Mitgründer Changpeng Zhao kommentierte den Vorfall auf der Plattform X: In Dollar gerechnet sei der Schaden von 6,3 Milliarden Dollar der größte, in Bitcoin gerechnet jedoch nicht - bei Mt. Gox seien es 650.000 Bitcoin gewesen. Dokumentiert sind für den Zusammenbruch der Börse im Jahr 2014 rund 850.000 Bitcoin, davon etwa 750.000 Kundengelder. Es schmerze, aber man überlebe, schrieb Zhao.

Was der Binance Hack für Anleger und Berater bedeutet

Für Finanzberater und Versicherungsvermittler ist der Fall relevant, weil selbst die größte und nach eigenen Angaben bestkapitalisierte Kryptobörse der Welt innerhalb weniger Stunden Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen musste. Hinzu kommt, dass dies nicht der erste Angriff dieser Gruppe war: US-Behörden schreiben TraderTraitor ebenfalls den bis dahin zweitgrößten Diebstahl im Kryptobereich zu - die Entwendung von rund 1,5 Milliarden Dollar bei der Börse Bybit im Februar 2025.

Die größten Kryptobörsen-Diebstähle im Vergleich

PlattformJahrGeschätzter SchadenZugeordnete Täter
Mt. Gox2014rund 470 Millionen Dollar (etwa 850.000 Bitcoin)keine Angabe
Bybit2025rund 1,5 Milliarden DollarTraderTraitor (Nordkorea), laut US-Behörden
Binance20266,43 Milliarden DollarTraderTraitor (Nordkorea), laut FBI
Quelle: FBI, eigene Recherche

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