Bitcoin hat sich die meiste Zeit dieser Woche mit bemerkenswerter Disziplin kaum vom Fleck bewegt. Die Marktteilnehmer bleiben defensiv positioniert, die Funding-Raten sind gesunken, und vor den US-Wahlen scheinen Anleger immer weniger bereit, zusätzliche Risiken einzugehen. Dennoch hat sich Bitcoin besser behauptet als weite Teile des Kryptomarkts und viele Anlagen, die stärker auf Marktschwankungen reagieren. Das spricht weniger für neu entfachten Optimismus als für einen Markt, der immer gezielter entscheidet, welche Risiken er eingehen möchte.
Fed und Inflation: Wenig Spielraum für Entspannung
Die Leitzinsen blieben erwartungsgemäß bei 3,75 bis 4 Prozent. Zugleich schlug Warsh einen weniger restriktiven Ton an, als viele befürchtet hatten. Seiner Einschätzung nach zeigt die Zinserhöhung vom September erste Wirkung: Die Finanzierungsbedingungen haben sich verschärft, und der Offenmarktausschuss kann zunächst weitere Daten abwarten. Warsh vermied zwar den Eindruck, der Straffungszyklus sei bereits beendet. Gleichzeitig verzichtete er jedoch auf Aussagen, die die Renditen kurzlaufender Anleihen deutlich nach oben hätten treiben können. Für Erleichterung sorgte deshalb weniger die Hoffnung auf ein Ende der Zinserhöhungen als vielmehr die Einschätzung, dass weitere Anhebungen nach Dezember unwahrscheinlich sind. Die offizielle Erklärung der Fed bezeichnete die Inflation weiterhin als erhöht und das Wirtschaftswachstum als kräftig.
Die Inflationsrate von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr im September trübte die Stimmung allerdings. Auch die Einkaufsmanagerindizes vom Freitag boten wenig Entlastung. Der Gesamtindex lag weiterhin deutlich im Expansionsbereich, während die Verkaufspreise so schnell stiegen wie seit August 2022 nicht mehr. Die Fed steht damit vor einer schwierigen Kombination: Die Wirtschaft bleibt robust, während der Preisdruck nicht wie erhofft nachlässt.
Die Quartalszahlen von Alphabet haben die Lage zusätzlich verkompliziert. Dabei geht es weniger um einen plötzlichen Einbruch des Suchmaschinengeschäfts. Vielmehr sind die Märkte deutlich weniger bereit als noch vor einigen Monaten, alles zu belohnen, was mit KI zu tun hat. Unternehmen müssen die Gewinnerwartungen inzwischen deutlicher übertreffen, um Anleger zu überzeugen. Enttäuschungen werden entsprechend abgestraft. Bitcoin wurde von diesen Schwankungen teilweise erfasst, hielt sich aber erneut stabiler als viele andere Kryptowährungen.
ICE und tradeXYZ bringen Hyperliquid in regulierte Märkte
Eine Entwicklung dieser Woche verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie bislang erhalten hat: tradeXYZ und ICE, die Eigentümerin der New Yorker Börse, planen, in den USA rund um die Uhr handelbare Perpetual Futures auf Basis der Hyperliquid-Infrastruktur anzubieten - vorbehaltlich der Genehmigung durch die US-Derivateaufsicht CFTC. Für Hyperliquid ist das ein bedeutender Vertrauensbeweis. Der Vorstoß deutet darauf hin, dass die Technologie über das Experimentierfeld der Kryptowelt hinauswächst und Eingang in die Infrastruktur regulierter Finanzmärkte findet. Genau diese Annäherung haben wir mit der Weiterentwicklung der Tokenisierung und des Handels rund um die Uhr erwartet.
Wahlen und Geopolitik als nächste Auslöser
Die Kurse auf Polymarket entsprechen weiterhin einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent für eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus und von 68 Prozent für eine Mehrheit auch im Senat. Eine zwischen den Parteien geteilte Macht oder ein politisch geschwächter Präsident könnten zunächst als negatives Signal für Kryptowährungen gewertet werden. Ich wäre jedoch vorsichtig, daraus zu weitreichende Schlüsse zu ziehen. Bei Stablecoins und digitalen Vermögenswerten wächst die parteiübergreifende Zusammenarbeit. Auch das Interesse daran, zusätzliche Käufer für US-Staatsanleihen zu gewinnen, dürfte nicht verschwinden, nur weil sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress ändern.
Die Wahl in Israel hat keine klare Mehrheit hervorgebracht. Gleichzeitig treiben erneute Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise nach oben. Hält diese Entwicklung an, wären die Folgen absehbar: höhere Ölpreise, steigende Inflationserwartungen und noch weniger Spielraum für eine geldpolitische Lockerung durch die Fed. Über diesen Mechanismus können geopolitische Entwicklungen unmittelbar auf Bitcoin durchschlagen.
Der Markt wartet also. Auf die Wahlen, auf die nächste Inflationszahl, auf die Fed und vielleicht darauf, dass jemand anderes geopolitisch zuerst blinzelt. Bitcoin bricht nicht nach oben aus, aber trotz straffer Zinserwartungen, volatiler Aktienmärkte und erhöhter geopolitischer Risiken war er auch nicht bereit, nach unten auszubrechen.
Autor James Butterfill ist Head of Research bei Coinshares.














