Kryptowerte haben in der institutionellen Vermögensverwaltung im deutschsprachigen Raum einen festen Platz gefunden. Das zeigt die Studie „Institutional Crypto Survey 2026“ des Frankfurter ETP-Anbieters nxtAssets, die in Zusammenarbeit mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften erarbeitet wurde. Zwischen April und Juli 2026 befragte das Team online 51 Organisationen im DACH-Raum. 43 Prozent von ihnen sind demnach bereits in Kryptowerte investiert.
Die Stichprobe besteht zu 37 Prozent aus Vermögensverwaltungen und Asset Managern. Single- und Multi-Family-Offices kommen auf 35 Prozent, Banken mit Wealth- oder Asset-Management-Geschäft auf 18 Prozent. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf weitere institutionelle Organisationstypen.
Investierte wollen ausbauen, Einsteiger halten sich zurück
Unter den bereits investierten Organisationen planen 40 Prozent, ihre Krypto-Allokation innerhalb der nächsten zwölf Monate auszubauen. Bei den noch nicht investierten Häusern stellt sich die Lage gegenteilig dar: 79 Prozent schließen einen Einstieg derzeit aus.
In der Gesamtstichprobe interessieren sich zudem 20 Prozent für einen Einstieg, ohne bereits investiert zu sein. Für 35 Prozent sind Kryptowerte aktuell kein relevantes Thema. Zwei Prozent waren investiert und sind es nicht mehr.
| Investitionsstatus | Anteil der befragten Organisationen |
|---|---|
| Bereits investiert | 43 Prozent |
| Interessiert, aber noch nicht investiert | 20 Prozent |
| Kein relevantes Thema | 35 Prozent |
| Ehemals investiert, aktuell nicht mehr | 2 Prozent |
Rendite lockt, Volatilität bremst den Einstieg in Kryptowerte
Die größte Chance von Kryptowerten sehen 47 Prozent der Befragten im Renditepotenzial. 45 Prozent nennen die Portfoliodiversifikation, 41 Prozent die Kunden- und Mandantennachfrage.
Als größte Hürde bewerten die Teilnehmer dagegen die Preisvolatilität mit durchschnittlich 3,5 von fünf Punkten. Dahinter folgen fehlende Bewertungsmodelle und Fundamentaldaten mit 3,4 Punkten.
So beschreibt ein unabhängiger Vermögensverwalter aus Deutschland mit rund acht Milliarden Euro verwaltetem Vermögen seine Haltung in der Studie: „Was am Ende gewinnt, ob Bitcoin, Ethereum oder etwas anderes, wissen wir nicht. Aber wir wollen bei dieser Technologie dabei sein. Dann müssen wir die Volatilität in Kauf nehmen.“
ETPs bleiben der bevorzugte Zugang zu Kryptowerten
Beim Marktzugang setzen die meisten auf börsengehandelte Produkte: 62 Prozent der aktuell oder ehemals investierten Organisationen greifen auf ETPs oder ETNs zurück. Auch unter den Nicht-Investierten wäre dieser Weg für 48 Prozent die bevorzugte Variante eines hypothetischen Einstiegs.
Bei der Auswahl der Assets bleibt es konzentriert: 90 Prozent der aktuell oder ehemals investierten Häuser setzen auf Bitcoin, Ethereum kommt bei 67 Prozent zum Einsatz und 48 Prozent greifen zu weiteren Kryptowährungen. Eine untergeordnete Rolle nehmen diversifizierte Krypto-Körbe sowie tokenisierte Assets ein, die jeweils zehn Prozent erreichen. Zum Vergleich: Laut CoinMarketCap machte Bitcoin zum 30. September 2026 59 Prozent der gesamten Kryptomarktkapitalisierung aus, während elf Prozent auf Ethereum entfielen und die restlichen 30 Prozent sich auf sämtliche übrigen Altcoins verteilten.
In der Studie äußert sich ein deutsches Multi Family Office mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Milliarde Euro zu seinen Anforderungen an ein Produkt: „Bitcoin ist eine volatile Asset-Klasse. Das Risiko muss man bewusst eingehen. Wichtig wird aber dann, dass das Produkt sauber aufgesetzt ist und die Sicherheiten professionell verwahrt werden.“
Governance bleibt die Lücke bei Kryptowerten
Der auffälligste Befund betrifft die interne Organisation: 83 Prozent der bereits investierten Häuser verfügen über keine formelle Krypto-Richtlinie. Immerhin 50 Prozent der Investierten entwickeln oder diskutieren derzeit eine solche Richtlinie.
Auch die grundsätzliche Einordnung bleibt uneinheitlich. In der Gesamtstichprobe ordnen jeweils 35 Prozent Kryptowerte entweder als eigenständige Assetklasse oder aber als Bestandteil der alternativen Assets ein. Unter den Investierten zeigt sich eine klare Tendenz: 55 Prozent von ihnen betrachten Kryptowerte als eine eigenständige Assetklasse. Dadurch klaffen praktische Marktteilnahme und formale Governance auseinander.
MiCAR setzt den regulatorischen Rahmen für Kryptowerte
Parallel dazu verschärft sich der aufsichtsrechtliche Rahmen. Seit dem 30. Dezember 2024 verlangt die europäische Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR) eine Zulassung und laufende Beaufsichtigung von Kryptowerte-Dienstleistern. Nach Angaben der BaFin können Institute, die bereits über eine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz verfügen, auf dieser Basis tätig bleiben, bis über ihren MiCAR-Zulassungsantrag entschieden wurde.
Mehrere Rechtsquellen berichten zudem, Deutschland habe die EU-weite Übergangsfrist für Bestandsunternehmen von regulär 1. Juli 2026 auf den 31. Dezember 2025 verkürzt. Eine Bestätigung dieser Frist auf einer Seite der BaFin liegt bislang nicht vor.
Studienherausgeber nxtAssets ist selbst ETP-Emittent
Bei der Bewertung der Ergebnisse lohnt ein Blick auf den Herausgeber. nxtAssets ist nicht nur Studienautor, sondern selbst Emittent börsengehandelter Krypto-Produkte. Darauf weist das Unternehmen im Transparenzhinweis der Studie ausdrücklich hin und betont, die Ergebnisse seien unabhängig vom eigenen Produktangebot ausgewertet worden. Das verwaltete Vermögen der vier nxtAssets-ETPs Bitcoin direct, Ethereum direct, Ripple direct und Bitcoin core belief sich laut Unternehmenswebsite am 29. Oktober 2026 auf rund 60,82 Millionen Euro.
Seit dem 8. September 2025 zählt die Commerzbank zu den strategischen Gesellschaftern von nxtAssets und soll zukünftig neben Crypto Finance (Deutschland), einer Tochter der Deutschen Börse Gruppe, als zweiter Verwahrpartner agieren. Zu den übrigen Gesellschaftern zählen die Deutsche Börse Gruppe über 360T, Vontobel, Bergos, Interactive Brokers, Börsenmedien AG sowie flatexDEGIRO.














