Märkte außer Rand und Band: Euphorie trifft auf Risiko
Die jüngste Entwicklung an den Weltbörsen stellt selbst historische Vergleiche in den Schatten. Innerhalb von nur rund 15 Tagen sind die Märkte so stark gestiegen wie seit 120 Jahren nicht mehr. „Gesund ist das auf keinen Fall mehr“, warnt Müller angesichts von Zuwächsen beim S&P 500, der innerhalb von vier Wochen eine komplette Jahresrendite von zehn Prozent erzielt hat. Diese Rallye wird jedoch von einem gefährlichen Phänomen getrieben: der „Fear of Missing Out“ (FOMO). Anleger steigen aus Angst, Gewinne zu verpassen, zu Höchstpreisen ein und ignorieren dabei, dass im günstigen Einkauf der wahre Gewinn liegt. „Natürlich kann eine Aktie immer weiter steigen, aber wir müssen uns fragen, wo Chancen und Risiken im Verhältnis stehen“, betont Müller. Besonders kritisch bewertet er, dass die Marktbreite fehlt und der Aufschwung nur von wenigen Schwergewichten getragen wird.
KI-Boom vs. Value: Droht ein zweites Jahr 2000?
Die aktuelle Begeisterung für Künstliche Intelligenz weist für Müller frappierende Parallelen zur Jahrtausendwende auf. „Wir erleben im Moment einen absoluten KI-Boom, bei dem der gesamte Value-Markt schlichtweg ignoriert wird“, beobachtet der Börsen-Profi. Ähnlich wie in der Dotcom-Krise fließt das Kapital massiv in angesagte Tech-Werte, während fundamental starke, aber „langweilige“ Unternehmen kaum Interesse sehen. Dabei zeigt die Geschichte, dass sich Kurse langfristig auf mittleren Bewertungsniveaus zurückbewegen. Müller verweist auf Intel als Paradebeispiel: Die Aktie fiel vom Allzeithoch bei 57 US-Dollar bis auf 19 Dollar, nur um nach einer Phase der Forschung und Konsolidierung nun wieder bei über 82 Dollar zu notieren – ein Plus von rund 300 Prozent seit dem Tief. Trotz des Hypes bleibt er seiner Linie treu: „Qualität setzt sich durch, doch die aktuelle Bewertung vieler KI-Lieblinge ist bereits extrem hoch.“
Strategische Positionierung: Cashquote als Sicherheitsanker
Angesichts der „politischen Börsen“ rät Müller zur Besonnenheit. „Ich persönlich glaube, dass wir langsam die Höchstkurse dieses Jahres gesehen haben“, prognostiziert er. Um in einem potenziell schwierigen Restjahr handlungsfähig zu bleiben, hat er seine Cashquote wieder in Richtung 30 Prozent angehoben. Statt blindem Hinterherlaufen bei Nvidia oder Amazon setzt er nun auf selektives „Stock-Picking“ bei Titeln, die bisher unter dem Radar flogen. Spannend findet er dabei „gefallene Engel“ wie General Mills oder Hormel Foods, die als Dividendenwerte einen Boden bilden könnten. Auch im Tech-Sektor sieht Müller bei abgestraften Werten wie Adobe, die bei rund 244 US-Dollar notieren, aber massiv in KI-Funktionen investieren, erhebliches Aufholpotenzial. Sein Rat an Privatanleger: „Überprüfen Sie Ihr Depot und schauen Sie, ob Sie mit Ihrer jetzigen Aufstellung nachts noch ruhig schlafen können.“
Ulrich Müller hat über 30 Jahre Börsenerfahrung und ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy in Halstenbek bei Hamburg.














