Big Tech vor dem Stresstest: Was Anleger jetzt wissen müssen

Big Tech
Foto: ChatGPT
Big-Tech-Zahlen zeigen, wie belastbar KI-Investitionen, Margen und Bewertungen im aktuellen Marktumfeld sind.

Die Quartalszahlen von Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Microsoft rücken die hohe Abhängigkeit des US-Marktes von Big Tech in den Fokus. Für Anleger wird entscheidend, ob die KI-Investitionen bereits belastbare Erträge liefern.

Gemeinsam stehen diese fünf Unternehmen für rund ein Viertel der Marktkapitalisierung des S&P 500. Jeder vierte Dollar im Index hängt an ihnen. Das bedeutet ein erhebliches Konzentrationsrisiko. Nur wenn Big Tech überzeugt, bleibt der Markt stabil. Damit ist es die wichtigste Woche der Berichtssaison, auch weil alle Zahlen innerhalb von nur zwei Tagen veröffentlicht werden.

Tech-Sektor führt Rally erneut

Es ist wieder einmal der Tech-Sektor, der einen großen Beitrag dazu leistet, die US-Indizes nach oben zu ziehen. Der Technologiesektor des S&P 500 hat in den vergangenen vier Wochen rund 16 Prozent zugelegt und ist damit mit Abstand der stärkste der elf Sektoren. Anleger kaufen Tech-Aktien jedoch nicht mehr blind wegen KI, wir sind in einer Phase der Selektion angekommen.


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Durch die jüngste Erholung sind die Bewertungen der Big-Tech-Aktien wieder deutlich gestiegen. Die Sicherheitsmarge ist damit kleiner geworden. Amazon und Apple weisen mit Forward-KGVs von 34 und 31 die höchsten Bewertungen auf, Alphabet folgt knapp dahinter mit 29. Microsoft liegt bei 24, Meta mit 22 am unteren Ende, aber immer noch über dem breiten Markt. Ob diese Bewertungen gerechtfertigt sind, hängt vom erwarteten Gewinnwachstum für 2026 und 2027 ab. Ohne neue Wachstumsimpulse steigt das Risiko kurzfristiger Gewinnmitnahmen. Die Berichtssaison verlief bislang stark. 84 Prozent der Unternehmen im S&P 500 übertreffen die Erwartungen beim Gewinn je Aktie, 81 Prozent beim Umsatz.

Enorme KI-Investitionen

Big Tech fungiert dank enormer Cash-Reserven in gewisser Weise als Krisenpuffer.
Diese finanzielle Autarkie ist ihr größter strategischer Vorteil, gerade in einem Umfeld aus Geopolitik und steigenden Energiepreisen. Gleichzeitig investieren diese Unternehmen massiv in KI-Rechenzentren und Infrastruktur. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen für 2026 rund 650 Milliarden US-Dollar an Investitionen. Das bindet erhebliche Liquidität und belastet die freien Cashflows. Der Fokus verschiebt sich damit vom reinen Cash-Bestand hin zum Return on Investment dieser KI-Investitionen.

Geopolitik und Energiebedarf

Das geopolitische Risiko bleibt hoch, auch wenn der Markt den Iran-Konflikt zuletzt weitgehend ausgeblendet hat. Anders ist die schnelle Kurserholung kaum zu erklären. Das Problem ist, dass ein Deal weiter auf sich warten lässt, während die Ölpreise hoch bleiben. Energie wird damit zur zentralen Variable. Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom, steigende Energiekosten belasten direkt die Margen der KI-Investitionen. Sollten die Energiepreise weiter steigen und das globale Wachstum bremsen, könnten die Investitionspläne angepasst werden. Je länger eine Lösung im Konflikt ausbleibt, desto größer wird der wirtschaftliche Schaden. Anleger wollen nun sehen, wie resilient Big Tech in diesem Umfeld tatsächlich ist. Das wird entscheidend für den weiteren Verlauf des Jahres sein.

Darauf sollten Anleger achten

Worauf es bei den Zahlen ankommt, sind der Capex-Ausblick, Aussagen zur Monetarisierung von KI sowie die Margenentwicklung. Denn die Betriebskosten sind der stille Margenkiller der KI-Ära. Am Ende entscheidet die Pricing Power – also die Frage, ob steigende Kosten an Kunden weitergegeben werden können.

Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.

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