US-Börsen auf Rekordkurs: Warum KI-Hardware jetzt den Takt vorgibt

US-Börsen auf Rekordkurs
Foto: ChatGPT
KI-Hardware treibt US-Börsen, während der S&P 500 Equalweight 2026 vor dem klassischen Index liegt.

Die Rekordstände von S&P 500 und Nasdaq 100 kaschieren einen Führungswechsel im US-Markt. Nicht mehr die üblichen Megacaps allein treiben die Kurse, sondern zunehmend Anbieter der KI-Infrastruktur. Das verändert auch den Blick auf die Indexgewichtung.

Der S&P 500 und der Nasdaq 100 haben zuletzt neue Allzeithochs erreicht. Hinter der Rekordjagd verschieben sich jedoch die Kräfteverhältnisse. Nach einer Analyse der Sutor Bank tragen innerhalb des Technologiesektors inzwischen andere Titel den Aufschwung als in den Vorjahren.

Besonders auffällig ist der Vergleich zwischen dem klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten S&P 500 und seiner gleichgewichteten Variante. Im Jahr 2025 lag der Standardindex mit 17,9 Prozent noch klar vor dem Equalweight-Index mit 11,4 Prozent. Seit Jahresbeginn 2026 hat sich das Bild gedreht: Bis zum 16. April kommt der Equalweight-Index auf rund 5,3 Prozent, der klassische S&P 500 auf 3,2 Prozent.


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„Zum ersten Mal seit mehreren Jahren profitiert eine breitere Masse der US-Unternehmen stärker vom Aufschwung als die Megacap-Konzerne an der Spitze”, sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Sutor Bank. „Ob sich das als dauerhafter Trend etabliert oder eine vorübergehende Gegenbewegung bleibt, wird sich zeigen. Die jüngsten Allzeithochs wurden zuletzt wieder maßgeblich von KI-getriebenen Hardware-Werten angeführt.“

Marktbreite nimmt im S&P 500 zu

Die Detailauswertung der Performancebeiträge zeigt, wie stark sich die Dynamik innerhalb der größten Indexwerte verschoben hat. Nvidia steuert seit Jahresbeginn 0,65 Prozentpunkte zur Entwicklung des S&P 500 bei, Broadcom 0,55 Prozentpunkte und Alphabet 0,48 Prozentpunkte. Gleichzeitig belasten frühere Zugpferde den Index: Microsoft kommt auf minus 0,65 Prozentpunkte, Tesla auf minus 0,20 Prozentpunkte und Apple auf minus 0,04 Prozentpunkte.

Dass der Gesamtmarkt trotzdem neue Höchststände erreicht, liegt aus Sicht der Bank an der Erholung vieler anderer Indexmitglieder. „Dass der Gesamtmarkt dennoch neue Rekorde markiert, ist nur durch die starke Erholung der restlichen Indexmitglieder möglich”, sagt Beil. Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass die Phase synchron steigender großer Tech-Werte vorerst beendet ist.

Noch deutlicher wird der Wandel beim Blick auf die Gewinnerliste im S&P 500. Dort dominieren seit Jahresbeginn Unternehmen, die Speicher, Netzwerke oder Rechenzentrumsinfrastruktur liefern. SanDisk liegt mit 287,34 Prozent im Plus, Lumentum mit 141,79 Prozent, Ciena mit 111,73 Prozent und Western Digital mit 109,96 Prozent.

KI-Infrastruktur rückt in den Vordergrund

„Wir sehen einen Fokus auf die physische Schicht der technologischen Revolution. Wenn Hersteller von Hochleistungslasern wie Lumentum oder Netzwerkausrüster wie Ciena derart zulegen, zeigt das, dass Rechenzentren weltweit nicht nur schnellere Chips, sondern völlig neue Infrastrukturen für den Datendurchsatz benötigen”, erklärt Mathias Beil.

Auch weitere Spezialwerte profitieren von dieser Entwicklung. Teradyne, ein Anbieter automatisierter Testsysteme für die Chip-Produktion, gewinnt 89,05 Prozent. Vertiv, das Kühl- und Stromversorgungssysteme für Rechenzentren herstellt, legt 81,55 Prozent zu. Außerhalb des Technologiesektors setzt zudem Moderna mit 85,42 Prozent ein Zeichen dafür, dass die Rallye breiter wird.

Auf der anderen Seite geraten Software- und Datenplattformen unter Druck. Workday verliert 41,86 Prozent, Intuit 41,56 Prozent und Servicenow 37,05 Prozent. „Der Markt unterscheidet 2026 sehr genau zwischen den Profiteuren der Infrastruktur und Software-Anbietern, die den Beweis der KI-Monetarisierung erst noch erbringen müssen”, erklärt Beil. „Investoren schichten Kapital gezielt von reinen Software-Modellen hin zur physischen Infrastruktur um. Eine solche Selektivität ließ sich in dieser Schärfe zuletzt in der Dot-com-Ära beobachten“, führt Beil aus.

Für Anleger leitet die Sutor Bank daraus ab, dass eine Konzentration auf die größten Indexnamen 2026 nicht mehr automatisch zum Erfolg führt. „Es ist schwer vorherzusagen, wie die nächste Rotation im Tech-Sektor ausfällt. Die starke Performance des S&P 500 Equalweight Index spricht dafür, dass eine Gewichtung nicht nur nach Marktkapitalisierung sinnvoll ist“, fasst Beil zusammen.

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