China positioniert sich international als berechenbarer Gegenpol zur US-Politik und verlagert im Taiwan-Konflikt den Schwerpunkt: weniger militärische Machtdemonstration, mehr politische Annäherung. Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management, sieht darin eine spürbare Risikoreduktion – aber ohne Entwarnung für Anleger.
„Vor wenigen Tagen hat sich etwas Fundamentales geändert“, sagt Tönnes mit Blick auf die jüngste Reise der Vorsitzenden von Taiwans Oppositionspartei Kuomintang (KMT) aufs chinesische Festland. Die Visite, inklusive Treffen auf höchster Ebene, wurde von Peking mit einem Maßnahmenpaket flankiert: Unter anderem sollen Direktflüge zwischen den beiden Ländern wieder aufgenommen und einzelne Handels- bzw. Importrestriktionen gelockert werden. Das senke den Druck im Hinblick auf die Taiwanstraße, eine der am dichtesten befahrenen Wasserstraßen der Welt, weil China damit erkennbar weniger auf eine militärische Lösung setze.
Strategisch, so Tönnes, spekuliere Peking auf einen politischen Machtwechsel in Taiwan: 2028 solle eine Regierung ins Amt kommen, die das „Ein China“-Prinzip wieder stärker betone. Zudem hätten sich oppositionelle Kräfte bereits enger zusammengeschlossen – ein Faktor, der die Wahrscheinlichkeit für Schritte wie ein Unabhängigkeitsreferendum deutlich verringere.
Für Investoren bedeutet das: Das außenpolitische Eskalationsrisiko nimmt kurzfristig ab. „Wenn außenpolitische Spannungen rausgenommen werden, ist das Risiko natürlich geringer geworden“, ordnet Tönnes ein. Und die Volksrepublik werde kaum leichtfertig das Bild des verlässlichen globalen Partners gefährden, das sie aktuell aufbaue.
Gleichzeitig bleibt das Urteil des Anlagestrategen klar: „China ist kein risikofreier Markt“, die zentralen Unsicherheiten lägen weiterhin im Inneren, etwa in der Finanzierung des Wachstumskurses und der Stabilität des Bankensystems. Er rät Anlegern, China höchstens als Beimischung zu sehen und dabei Aktien gegenüber Anleihen zu bevorzugen, weil Anleihen besonders unter der starken Geldschöpfung leiden könnten. Wenn ein Investment erfolgen soll, rät Tönnes eher zu Hongkong statt zu den Festlandbörsen oder gleich zu professionell gemanagten China-Fonds.













