Baufi24 zur EZB-Leitzinserhöhung: „Phase günstiger Kredite ist lange vorbei“

Europäische Immobilienkredite
Foto: Cash./ChatGPT
Symbolbild mit KI generiert.

Die Europäische Zentralbank hat geliefert, womit die Märkte zuletzt immer stärker gerechnet hatten: EZB-Chefin Christine Lagarde verkündete heute eine Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf ein Zinsniveau von 2,25 Prozent. Kommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24.

Es ist die erste Zinserhöhung seit 2023 – und zugleich ein Signal, dass die Ära geldpolitischer Entspannung beendet ist. Der Grund liegt auf der Hand: die 2026 wieder anziehende Inflation infolge des Irankrieges. Im Euroraum kletterte die Teuerung im Mai auf 3,2 Prozent, in Deutschland lag sie nur wegen des Tankrabatts bei 2,6 Prozent.


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Damit hat sich die Hoffnung vieler Notenbanker zerschlagen, der Energieschock könne begrenzt bleiben. Stattdessen zeigt sich immer deutlicher: Der Krieg wirkt längst nicht mehr nur über Ölpreise, sondern beginnt sich breiter in Inflationserwartungen und Finanzierungskosten festzusetzen.

Die eigentliche Zinswende kündigte sich schon vorher an

Tatsächlich kommt die heutige Anhebung für viele Marktteilnehmer nicht überraschend. Die eigentliche Zinswende hatte sich bereits vor Monaten an den Kapitalmärkten vollzogen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen notieren inzwischen dauerhaft oberhalb von drei Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit rund 15 Jahren. Dahinter stehen nicht nur steigende Inflationserwartungen, sondern auch die massive Staatsverschuldung vieler Länder und die Erwartung dauerhaft höherer Finanzierungskosten.

Damit ist auch klar: Die Bauzinsen hängen längst nicht mehr allein am heutigen EZB-Beschluss. Die Kapitalmärkte haben die neue Inflations- und Zinsrealität bereits eingepreist. Für Immobilienkäufer ist das erst einmal unangenehm: Baufinanzierungen liegen mittlerweile vielfach bei oder oberhalb von vier Prozent. Die Phase günstiger Kredite ist lange vorbei.

Für Käufer wird die Lage schwieriger – aber nicht hoffnungslos

Unsere Einschätzung der vergangenen Jahre, günstige Marktphasen aktiv zu nutzen, hat sich damit bestätigt. Wer in den Niedrigzinsjahren oder während der ruhigeren Phase 2024/25 gehandelt hat, finanziert heute deutlich günstiger.

Die Lage für Käufer wird damit zwar anspruchsvoller, aber keineswegs hoffnungslos. Denn Wohnen dürfte langfristig ohnehin immer teurer werden – entweder über höhere Kaufpreise oder über steigende Kreditkosten. Aktuell sind es vor allem die Zinsen, die bremsen. Genau das könnte Käufern jedoch wieder mehr Verhandlungsspielraum verschaffen. Während die Preise in vielen Regionen wieder moderat steigen, dürften die höheren Zinsen gleichzeitig verhindern, dass der Markt erneut überhitzt. Für gut vorbereitete Interessenten kann genau das eine Chance sein, in einem schwierigeren Umfeld bessere Konditionen auszuhandeln.

Wer finanziell solide aufgestellt ist und antizyklisch denkt, könnte gerade in der aktuellen Krisenphase Chancen finden, die es in ruhigeren Marktphasen nicht mehr geben wird. Oder anders formuliert: Der beste Zeitpunkt zu kaufen war gestern. Der zweitbeste ist heute.


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