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Crowdinvesting 2026: Ein Markt zwischen Bereinigung und Neustart

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Gerade diese Vielfalt zeigt, wie stark sich Crowdinvesting von seinem früheren Image als digitaler Vertriebskanal für nachrangige Immobilienkredite entfernt. Das betrifft nicht nur die Zielbranchen, sondern auch den Charakter der Emissionen. Teilweise stehen neben den Crowdinvestments mit ihren winzigen Mindest-Investitionssummen auch Projekte auf den Plattformen, die weitaus höhere Anlagebeträge teilweise bis in den sechsstelligen Bereich erfordern.

„Aus unserer Sicht verändert sich die Branche gerade grundsätzlich”, bestätigt Simon Brunke. „Die Grenzen zwischen klassischem Crowd­investing, digitalen Direkt­investments, Club Deals und Private Markets werden zunehmend fließend, dazu verschwinden europaweit immer mehr typische Crowdinvesting-Plattformen, auch in Deutschland”, so der Exporo-Vorstand. 

Auch Exporo hat 2026 bislang deutlich mehr Geschäft über Club Deals und Direktinvestments gemacht als über das klassische Plattformgeschäft, berichtet er. “Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir im Zuge des Austauschs verschiedener Dienstleister unsere Plattform technisch und regulatorisch angepasst. Dadurch war das Investieren über die Plattform für einen Zeitraum von fast drei Monaten nicht möglich. Zum anderen sehen wir aber tatsächlich eine steigende Nachfrage von größeren und professionelleren Anlegern, die höhere Beträge investieren möchten und dabei teilweise individuellere Strukturen bevorzugen”, so Brunke. 

Nur noch zwei deutsche ECSP-Plattformen

Mit Exporo (über eine Tochtergesellschaft) und Bergfürst verfügen nur noch zwei deutschen Plattformen über eine ECSP-Zulassung. Diese heißt in Deutschland in bestem behördendeutsch „Schwarmfinanzierungsdienstleister“ und wird von der BaFin erteilt.

Ursprünglich hatten fünf deutsche Unternehmen seit Inkrafttreten der ESCP-Verordnung im November 2021 eine solche Lizenz erhalten. Schon das war im europäischen Vergleich sehr wenig. Inzwischen ist die Zahl auf zwei geschrumpft. EV Digital Invest ist durch die Insolvenz aus der Liste der aktiven ECSP-Unternehmen ausgeschieden. Zinsbaustein ist Anfang 2026 in der damals ebenfalls als ECSP zugelassenen Wiwin aufgegangen. Wiwin wiederum hat die ECSP-Lizenz inzwischen zurückgegeben und agiert nun als gebundener Vermittler des Wertpapieristituts Concedus als Haftungsdach.

Weitere Plattformen sind unter ein Haftungsdach geschlüpft. Sie geben damit einen Teil ihrer unternehmerischen Selbstständigkeit auf. Sie agieren damit aber im regulierten Markt mittelbar unter BaFin-Aufsicht und dürfen auch Wertpapiere und zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen vermitteln, die für Plattformen mit Erlaubnis nach Paragraf 34f GewO tabu sind.

Haftungsdächer Effecta und Concedus

Dazu zählt auch die Finexity AG. Sie agiert als gebundener Vermittler der Effecta. In diesem Fall allerdings stellt sich die Frage, wer Koch und wer Kellner ist. Denn im August 2025 hat Finexity wiederum angekündigt, 90,1 Prozent der Effecta zu übernehmen.

Das Inhaberkontrollverfahren bei der Bafin war bis Redaktionsschluss ein Jahr später noch immer nicht abgeschlossen, aber wenn die Übernahme vollzogen wird, wäre Finexity indirekt auch (mit-) verantwortlich für eine Reihe anderer Plattformen, die Effecta im Impressum als Haftungsdach nennen, darunter Companisto (die meisten anderen sind aktuell ohne Projekt). Auch Concedus fungiert bei mehreren Plattformen als Haftungsdach, neben Wiwin unter anderem bei GLS Crowdfunding.

Bekannt geworden ist Finexity mit „tokenisierten“ Sachwerten, die also über kryptografisch verschlüsselte digitale Anteile (Token) in kleine Stücke zerlegt wurden, neben Sammlerstücken auch Immobilien. Am 20. August finden sich auf der Plattform indes neben einem Projekt, mit dem Finexity Anteile ihrer früheren Projekte über den Zweitmarkt ankaufen möchte, nur zwei Solarprojekte, davon ein Direktinvestment ab 400.000 Euro. Ob das Zufall ist oder dahinter ein Strategiewechsel steht, war bis Redaktionsschluss nicht zu klären.

Dinosaurier-Fossilien bei Timeless

Auf die Tokenisierung von Sammlerstücken hat sich auch Time­less Investments aus Berlin spezialisiert. Sie bietet Anlegern etwa Kunstwerke, Uhren, seltene Sportschuhe oder Whiskys in digitalen Scheiben á 50 Euro an. Timeless ist laut Website eine Marke der New Horizon GmbH aus Berlin, die wiederum als gebundener Vermittler von Concedus agiert.

Unlängst hat die Plattform ein neues Geschäftsfeld gestartet: Dinosaurier-Fossilien. Derzeit bietet sie den Schädel eines Triceratops prorsus an, den Angaben zufolge eine der bekanntesten Dinosaurierarten. Das Fossil ist demnach rund 67 Millionen Jahre alt und wird in der Schweiz gelagert. Der Verkäufer kommt aus den USA. Knapp 780.000 Euro kostet der Dino-Schädel insgesamt; 15.516 Token á 50 Euro stehen zur Verfügung.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Sammlerstücken sind Dinosaurier-Fossilien grundsätzlich nicht reproduzierbar. Jedes Exemplar ist ein Unikat mit individueller Erhaltungsgeschichte und einzigartigen geologischen Merkmalen. Gleichzeitig gelangen nur wenige hochwertige Stücke auf den internationalen Sammlermarkt”, so Malte Häusler, CEO und Co-Founder von Timeless. 

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